Dienstag, 3. April 2012

Mk 11, 14-18 Passionsadacht zur Temepelaustreibung


Zu einem Bild aus dem Jugendkreuzweg 2012Mit Dank an Kristina Kühnbaum-Schmidt für den wunderbaren Satz 
" Über Geld spricht man nicht“ – aber zuweilen kann man auch nicht darüber schweigen." 
Und für die Einleitung. (Kursiv)
 Mk 11
Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an auszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um
16 und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trage.
17 Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.
18 Und es kam vor die Hohepriester und Schriftgelehrten, und sie trachteten danach, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich nämlich vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich über seine Lehre.


Über Geld spricht man nicht“ – so lautet die alte Benimmregel.
Man spricht nicht über das eigene Einkommen und fragt andere nicht nach ihrem.
An der Wohnung, Kleidung, Essen, dem Auto kann man zwar einigermaßen erkennen, wie es denn so steht mit dem Geld, über das man nicht spricht. Aber man spricht es nicht aus.
Über Geld spricht man nicht“ – aber zuweilen kann man auch nicht darüber schweigen.
Geld erregt die Gemüter.
Geld treibt Menschen zu Taten, die sie sonst ablehnen würden.
Geld treibt auch Jesus hier dazu, alle Regeln seines sonst relativ guten Benehmens zur Seite zu fegen.
Mit der Peitsche in der Hand argumentiert er selten.
Auch schreien ist sonst nicht seine Art.
Aber auch die anderen Menschen auf dem Bild, vor allem die Honoratioren, die würdigen Männer, die Händler, die Priester und Schriftgelehrten gehen ein wenig mehr aus sich heraus als sonst.
Die Menschen zeigen ein Gesicht, das man sonst nicht von ihnen kennt.
Ganz gegen ihre sonstige Art.
So reagieren Menschen, denen man zu nahe tritt, die sich wehren, die auf den Putz hauen, wenn sie sagen wollen:
Bis hierher und keinen Schritt weiter.
Über Geld spricht man nicht.
Vor allem nicht hier in der Kirche.
Nicht bei einer Passionsandacht, wo Sie jetzt erwarten, sich zu öffnen und sich dem Leiden Jesu auszusetzen.
In ruhiger, besinnlicher Atmosphäre.
So kann man sich täuschen.
Selbst hier geht es um das liebe Geld, über das man nicht spricht.
Und bevor wir uns mit Erstaunen und Kopfschütteln dem Bild und der Geschichte dort nähern,
nähere ich mich Ihnen und trete Ihnen zu nahe.
Unter anderem mit der Hilfe von Max Frisch stelle ich Ihnen ein paar Fragen, die Sie nicht laut beantworten müssen,
aber über die Sie einen Moment nachdenken können.
Die Fragen sollen Sie nicht aufs Glatteis führen,
sondern nur Gelegenheit geben, sich über ihr derzeitiges eigenes Verhältnis zum Geld klarzuwerden.

1.    Mögen Sie Geld?
2.    Warum nicht?
3.    Haben Sie schon ohne Bargeld (ich ergänze: auf dem Konto) leben müssen?
4.    Wieviel Geld möchten Sie besitzen?
5.     Haben Sie schon gestohlen:
a. Bargeld?
b. Gegenstände (ein Taschenbuch am Kiosk, Blumen aus einem fremden Garten, eine Erstausgabe, Schokolade auf einem Camping-Platz, Kugelschreiber, die umherliegen, ein Andenken an einen Toten, Handtücher im Hotel usw.)?
c. eine Idee?
6.    Gesetzt den Fall, Sie stammen aus einfachen Verhältnissen und verfügen unversehens über ein großes Einkommen, sodass das Geld für Sie sozusagen keine Rolle mehr spielt: fühlen Sie sich als Person unverändert? Und wenn ja: glauben Sie, dass Ihre bisherigen Freunde meinen werden, dass das Geld sie als Person deformieren oder zumindest verändern wird?
7.    Was kostet zurzeit ein Pfund Butter?
8.    Fürchten Sie sich vor den Armen?
9.    Warum nicht?
10.Was tun Sie für Geld nicht?
11.Was von dem, was Ihnen im Leben wichtig ist, würde bleiben, wenn Ihnen das Geld ausginge?

Über Geld spricht man nicht, aber manchmal kann man nicht darüber schweigen.
Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, zum Beispiel.
Dann sind die Banken dran oder gute Freunde.
Wenn überlegt wird, wie groß oder klein die Frühjahrsgarderobe ausfallen darf und welcher Spielraum für  den nächsten Urlaub bleibt.
Über Geld spricht man nicht.
Das gilt aber vor allem für uns im privaten Bereich.
Ansonsten, so hat es manchmal den Anschein, wird nur noch über Geld gesprochen.
Geld regiert die Welt, heißt es.
Und das tut es.
Der  Finanzausgleich im Bund ist das große Thema der Berliner Zeitung vom Samstag.
In Europa sowieso.
Die Zentralbank hat unser Leben mehr im Griff, als wir es uns vorstellen können,
die Weltbank hat mehr mit den Grenzen des politischen Handelns zu tun, als uns lieb sein mag.
Der gute Wille der Menschen hat das Nachsehen.
Über Geld spricht man nicht?
Jesus ist da anderer Meinung.
Er hat über Geld gesprochen und meistens in der Richtung:
Nehmt es nicht so ernst. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, ansonsten entspannt euch.
Haben die Lilien Dinare? Nein.
Und die Vögel?
Schon mal eine Amsel am Bankautomaten gesehen? Nein? Na also.
Vertraut auf Gott. Er gibt euch, was ihr braucht.
Ein netter Mensch, der Jesus.
Normalerweise. Doch hier nicht. Was ist passiert?

Alle Evangelisten erzählen diese Geschichte, die wir vorhin in der Lesung gehört haben.
Jesus kommt nach Jerusalem.
Er ist bereit, seinen Leidensweg auf sich zu nehmen.
Ganz und gar der Sohn Gottes, der die Folgen auf sich nimmt,
wenn in einer gewalttätigen Zeit von Frieden und Gerechtigkeit und Besitzlosigkeit geschwärmt wird, wie er es immer getan hat.
Und das erste, was er tut nach seinem Einzug nach Jerusalem:
er geht in den Tempel.
Das ist an sich nichts Besonderes.
In den Tempel geht man, wenn man zum Passahfest nach Jerusalem kommt.
Da freut man sich drauf.
Der Tempel ist das Wahrzeichen des Bundes zwischen Israel und Gott.
So oft zerstört von fremden Mächten und nun wieder aufgebaut.
Zum dritten Mal. Offen für alle.
Selbst die Heiden dürfen dort beten, wenn auch nur im äußeren Tempelbezirk, im Vorhof.
Menschen kommen um dort Ruhe und Gott zu finden.
Jesus vermutlich auch.
Er will sich stärken für seinen Weg.
Er will mit Menschen zusammen sein, die seinen Glauben teilen.
Er will die Nähe Gottes spüren.
Und so tritt er in den Vorhof und erlebt, wie die Welt, der Alltag, den er verändern will, sich dort breit gemacht hat.
Schauen Sie auf das Bild und stellen Sie sich die Geräusche und Gerüche vor, die es erfüllen.
Es stinkt nach Tierkot, es blökt, es gurrt.
Menschen drängen sich um Händler und Tische.
Laut werden die Opfertiere zum Kauf angeboten: Ochsen, Schafe und Tauben.
Makellose Opfertiere, brüllt es da.
Die braucht man für ein ordentliches Opfer.
Da gibt es strenge Auflagen.
Die Menschen kommen von weither, aber auch aus der näheren Umgebung.
Die meisten kommen ohne Tiere, denn sie wissen:
Die Priester lehnen häufig mitgebrachtes Feder- oder anderes Vieh als nicht thoragemäß ab.
Sie unterstützen die Händler, die ihre Tiere zu meist überteuerten Preisen verkaufen.
Auch die Geldwechsler haben so ihre Eigenarten.
Jeder Gottesdienstbesucher – Frauen, Sklaven und Minderjährige ausgenommen – muss die jährliche Tempelabgabe von einem halben Schekel bezahlen.
Ausländische Währung wird abgelehnt, das Geld muss also gewechselt werden.
Die Geldwechsler verlangten für jede Transaktion eine bestimmte Gebühr.
Auch hierbei gab es reichlich Gelegenheit für Täuschung und Missbrauch, von der anscheinend auch ausgiebig Gebrauch gemacht wurde.
Thema der Evangelisten ist allerdings nicht diese Praktik an sich, sondern der Ort, an dem sie stattfindet.
Und auch Jesus wettert in diese Richtung:
Gott spricht: »Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“
Statt Gebet und Ruhe und Kontemplation herrscht hier eine Stimmung wie an der New Yorker Börse.
Da kann man schon einmal aus der Haut fahren.
Jesus kippt das Arrangement, das hier zum Alltag gehört,
die Vereinbarung, dass Gott etwas kostet,
dass das Gebet etwas kostet,
dass die Zugehörigkeit zum erwählten Volk, die man am besten im Tempel lebt, etwas kostet.
Er kippt die Tische um, er schreit die Menschen an.
Ob er tatsächlich eine Peitsche in die Hand genommen hat, wie der Evangelist Johannes schreibt, wage ich zu bezweifeln.
Aber auch ohne Peitsche reicht es schon.
Jesus schreit, wütet, im Namen Gottes.
Denn diesmal ist es Gott, dem die Menschen durch ihren Umgang mit Geld zu nahe treten.
Sie treten das erste Gebot mit Füßen:
Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Ist das nicht ein bisschen überzogen?
Sehen die Menschen dort aus, als würden sie das goldene Kalb anbeten?
Wir sehen neben den stehenden, wütenden Männern, die ihre Felle davon schwimmen sehen, auch müde, ruhige Gestalten in eher ärmlichen Gewändern.
Sie sitzen fast unbeteiligt da.
Weder Wut, noch Begeisterung, noch Offenheit ist aus ihren Mienen zu lesen.
Was soll’s, denkt vielleicht eine der jungen Frauen im Vordergrund,
jetzt regen sie sich auf,
jetzt spricht dieser Jesus von dem Unrecht, das geschieht,
aber ändern wird sich nichts.
Die Römer werden die Pacht weiter eintreiben und uns im Griff behalten.
Wenn wir nach Hause kommen, ist alles beim Alten.
Und mein Mann gibt hier unser letztes Geld aus.
Wozu eigentlich? Wir sind arm.
Unser Leben ist und bleibt eng und dadurch freudlos.
Die Menschen, um die es Jesus geht, die zahlen müssen, die erpresst werden, bleiben alle sitzen.
Da kommt einer, der sich das nicht gefallen lassen will, der Gottes Recht einfordert.
Doch sie kann man damit nicht hinter dem Ofen hervorlocken.
Die Macht des Geldes hat ihre Phantasie, ihre Bereitschaft etwas zu verändern, gelähmt.
Die einzigen, die stehen und Jesus zuhören, sich ihm nähern anscheinend ohne Angst, sind die Kinder,
Kinder mit einem noch nicht verdorbenen Gerechtigkeitssinn,
die Antennen haben für Recht und Unrecht,
die es sich auch so einfach machen wie Jesus oder vielleicht besser:
Die die Einfachheit der Dinge noch erkennen, des Gebots:
Was du nicht willst, das dir die Leute tun, das tue ihnen auch nicht.

Über Geld spricht man nicht, aber manchmal kann man nicht darüber schweigen.
Wenn es sich breit macht.
Wenn seine Wirkung anderes verdrängt.
Wenn es seine eigentliche Funktion, das Leben, den Austausch von Leistung und Ertrag zu stützen und zu regeln, vergisst
und Menschen ihm mehr Macht zugestehen, als es haben darf.
Wenn es plötzlich eigene Regeln aufstellt und verlangt,
dass sich alle danach richten.
Wenn es suggeriert, dass nur Dinge wirklich etwas gelten,
die man mit Geld bezahlen kann.
Moment, das klingt ja so, als habe das Geld einen eigenen Willen, als sei es eine Person.
Das, um es einmal ganz deutlich zu sagen, ist nicht der Fall.
Auch wenn uns das manchmal so erscheint.
Auch wenn wir bei der Frage: Was bleibt von unserem Leben, wenn uns das Geld ausginge, vielleicht doch ein wenig erschrecken.
Auch wenn wir merken, dass wir Menschen,
die kein Geld haben oder nicht mehr, von vorneherein als Behinderte ansehen,
als Menschen, die vom Leben ausgeschlossen sind
und durch unsere Einstellung tatsächlich nur noch am Rand stehen bleiben können,
keinen Zutritt mehr haben zu Kinos, Theatern, Geschäften,
und auch in Gemeinden selten vorkommen.
Die Sprüche: Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen, die sind nicht mit Gold zu bezahlen, klingen schön,
haben aber viel zu wenig Einfluss auf unser Leben.
Dennoch sind sie nicht falsch.
Wenn wir zu wenig kaufen, kriegen wir in den Zeitungen Panikmeldungen über das sinkende Bruttosozialprodukt zu hören.
Es gibt auch Meldungen über mangelndes Sozialbewusstsein und sinkende Lebenszufriedenheit,
aber der Wirtschaftsstandort Deutschland, der geht vor.
Denn alle wissen, was da kippt, wenn die Wirtschaft kippt.
Jesus kippt die Tische um im Namen Gottes.
Er kippt damit nicht die ganze damalige Gesellschaftsordnung.
Es ist nicht seine Art und ist und bleibt ein einzigartiger Moment.
Aber er möchte um jeden Preis noch einmal durchdringen und den Menschen klarmachen:
Gott ist nicht mit Gold zu bezahlen.
Bei Gott ist alles umsonst und dennoch etwas wert.
Jesus  erkennt die Macht des Geldes und spiegelt mit seinem Verhalten die ganze Brutalität, die der Umgang mit Geld bewirkt.
Und vielleicht ist das auch für uns immer wieder wichtig, uns klarzumachen:
Gottesdienste kosten nichts und gehören zu den Dingen,
die unserem Leben eine wichtige Orientierung sein können,
nicht nur durch Predigten,
sondern vor allem durch die Gemeinschaft der Menschen,
die sich dort zusammen finden,
durch die Ruhe zum Gebet,
durch das Getragen werden durch die Liturgie.
Alles umsonst und bitte schieben Sie jetzt einmal den Gedanken an die Kirchensteuer beiseite.
In die Kollekte tut nur der etwas, der möchte und kann.
Wir reden auch bei uns zunehmend über Geld und lassen uns in den Grenzen nieder, die es vorgibt.
Und lassen unsere Phantasie davon lenken, unsere Bereitschaft uns einzubringen.
Eine Gemeinde, ganz egal wieviele Häuser sie hat oder in welchem Stadtteil sie angesiedelt ist,
lebt aber vor allem immer von Menschen, die wert schätzen,
was sie hier umsonst bekommen
und die zum Leben beitragen, indem sie umsonst geben,
ihre Kraft geben,
ihre Begeisterung für den Weg Jesu in sichtbaren Schritten ausdrücken,
ihr Vertrauen in Gott mit anderen teilen.
Auch wir müssen über Geld sprechen
und zwar vor allem, um es auf seinen Platz zu verweisen,
um ihm nicht mehr Bühne zu geben, als unbedingt notwendig.
Weil bei uns andere Dinge mehr zählen, mehr wert sind.
Und wir haben dabei eine Vision vor Augen, die zeigt,
wie Gott über Geld denkt
und über eine Stadt, die ganz aus der Kraft seiner Liebe lebt:
Die Vision des Johannes
Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers,
klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes;
2mitten auf dem Platz und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker
Und der Geist und die Braut sprechen: Komm!
Und wer es hört, der spreche: Komm!
Und
wen dürstet, der komme;
und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens
umsonst.
Amen




Passionsadacht zur Verleugnung des Petrus (Mt 26, 57-75)

Zu einem Bild aus dem Jugendkreuzweg 2012
Passionsandacht: Mitgehangen- mitgefangen. Die Verleugnung des Petrus

Mt 26
Petrus aber saß draußen im Hof; da trat eine Magd zu ihm und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa.
70Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst.
71Als er aber hinausging in die Torhalle, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth.
72Und er leugnete abermals und schwor dazu: Ich kenne den Menschen nicht.
73Und nach einer kleinen Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrhaftig, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich.
74Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald krähte der Hahn.
75Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Mitgehangen- mitgefangen.
Petrus sitzt im Hof.
Er hat sich eingesetzt für Jesus,
auch bei seiner Verhaftung, mit dem Schwert,
berichtet jedenfalls einer der Evangelisten.
Petrus war mit dabei, von Anfang an.
Und er blieb dabei aus voller Überzeugung.
Sicherlich war er manchmal anstrengend, voller Geltungsdrang,
ein Fels, ein harter Brocken,
der im Strudel seiner Angst auch mal unterging,
damals auf dem See:
Aber er kam immer wieder hoch
und beteuerte, immer zu Jesus halten zu wollen.
Und er hielt Wort, auch als Jesus gefangen genommen wurde.
Alle laufen weg.
Einer nicht.
Mitgehangen- mitgefangen.
Matthäus berichtet:
Die aber Jesus ergriffen hatten, führten ihn zu dem Hohepriester Kaiphas, wo die Schriftgelehrten und Ältesten sich versammelt hatten.
Petrus aber folgte ihm von ferne bis zum Palast des Hohepriesters und ging hinein und setzte sich zu den Knechten, um zu sehen, worauf es hinauswollte.

Petrus will sehen, sehen was geschieht.
Er verschließt die Augen nicht.
Er sieht hin.
Er sieht zu, wie der Traum zerplatzt, den sie gemeinsam geträumt und gelebt haben.
Er hält das aus. 
Das ist viel verlangt.
Denn unterdessen
und bei Matthäus klingt es nicht so, als sei die Befragung von Jesus unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich gegangen,
unterdessen wird Jesus in die Zange genommen.
Wir hören weiter.

Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn töteten.
60Und obwohl viele falsche Zeugen herzutraten, fanden sie doch nichts. Zuletzt traten zwei herzu
61und sprachen: Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen aufbauen.
62Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen?
63Aber Jesus schwieg still. Und der Hohepriester sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes.
64 Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Doch sage ich euch: Von nun an werdet ihr sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen auf den Wolken des Himmels.
65Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert! Was bedürfen wir weiterer Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Gotteslästerung gehört.
66Was ist euer Urteil? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig.
67Da spien sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Einige aber schlugen ihn ins Angesicht
68und sprachen: Weissage uns, Christus, wer ist's, der dich schlug?

Jesus steht im Licht der Aufmerksamkeit.
Alle Augen richten sich auf ihn.
Er hat den Bogen überspannt.
Keiner nimmt ihn mehr ernst.
Alle lachen und richten ihre Augen auf ihn.
Ein Spinner ist er, ein Gotteslästerer,
einer von denen, denen die meinen die Welt bewegen zu können und dann scheitern.
Scheitern an ihrem Hochmut, an ihrer Hybris,
scheitern an der Tatsache,
dass die Welt eine schwerfällige Kugel ist,
die sich nur mühsam in eine andere Richtung drehen lässt.
Die Menschen auf dem Bild fühlen sich sicher.
Das sieht man.
Ihre Rüstungen, ihr selbstbewusstes Lachen,
die römischen Soldaten haben hier das Heft in der Hand.
Ihre Grausamkeit, ihr Spott muss sich nicht rechtfertigen.
Sie sind am Drücker und der da,
der kann dem nichts entgegensetzen.
Selbst Wohlmeinende, wie vielleicht der junge Mann in Weiß,
der als einziger ernst schaut,
stehen hilflos da:
Wie kann man sich nur eine solche Blöße geben.
Kann man zu so jemandem halten?
Petrus hat es versucht.
Er ist dabei geblieben, er hat hingesehen:
Und er hat das, was er sah und hörte, ausgehalten.
Die Befragung, das Todesurteil, die Prügel, die Jesus bezogen hat.
Er geht nicht weg.
Er setzt sich weiter zu den Leuten am Feuer, er bleibt dabei.
Kann man mehr verlangen?
Nein.
Jesus wusste, was er von seinen Leuten,
was er von Petrus verlangen, erwarten konnte und was nicht.
Er hat es klar gesehen und klar benannt.
Er weiß, wie das ist, an den Rand gedrängt zu werden,
so an den Rand gedrängt zu werden,
dass die eigene Sicherheit zerbricht.
Auf dem Bild gibt sich Jesus dem Leiden hin,
schließt die Augen, um nicht hinsehen zu müssen in das breite Grinsen der Soldaten, 
wehrt sich nicht,
aber, so sieht es jedenfalls aus,
er bleibt bei sich.
Ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft?
Hier scheint ihn alle Kraft verlassen zu haben und dennoch bleibt er erkennbar.
Petrus sieht diese Schwäche, fühlt sie am eigenen Leib,
spürt seine eigenen Beine weich werden
und hält sich nur mühsam aufrecht dort an der Säule.
Und dann wird er angesprochen,
zusammengebracht mit der Schwäche des Mannes,
mit der Schuld, die dieser Mann angeblich auf sich geladen hat,
mit dem Verhängnis, das über diesen Mann hereinbrechen wird.
Mitgehangen – mitgefangen?
Petrus sagt: Nein.
Nein, so nicht.
In diesem Moment wäre es ein Leichtes gewesen,
der Schwäche nachzugeben,
sich zu Jesus zu setzen und den Dingen ihren Lauf zu lassen.
Und wenn Petrus der Sehnsucht und Müdigkeit nachgegeben hätte,
die er sicher auch gespürt hat,
dann wäre es so gekommen,
dann wäre der Fels mit zerbrochen, auf den Jesus seine Kirche gebaut hat,
dann wäre es vorbei gewesen.
Ob dann die Kirche eine Zukunft gehabt hätte,
wäre sehr fraglich gewesen.
Petrus leugnet Jesus zu kennen.
Er hält sich gerade,
er sammelt die letzten Reste seiner Kraft.
Der einzige Weg um weiter zu machen, ist,
sich vor sich selber und der ganzen Welt verächtlich zu machen
als einer, der kneift im entscheidenden Moment.
Hat Jesus gedacht, dass Petrus ihn im Stich lassen würde,
selbst wenn er ihn verleugnet?
Ich glaube nicht.
Momente der Schwäche, die kennt er von Petrus.
aber er kennt auch seine Kraft und auf sie hat er gebaut;
darauf gebaut, dass gerade ein Mensch,
dem man seine Ängste und Schwächen so deutlich ansieht,
zu der Art Helden gehören wird, die seine Vorstellung vom Leben braucht,
dass die Kraft eines solchen Menschen andere mitziehen wird.
Auf die Kraft des Petrus jedenfalls haben sich später viele andere verlassen.

Petrus weicht der Versuchung aufzugeben aus.
Er hört auf seine Angst, auf seine Schwäche,
die ihm in dem Moment den richtigen Weg weist
und er trennt sich von Jesus noch vor dessen Tod.
Ein harter Schnitt, den er bis ins Innerste spürt,
der ihn schmerzt,
von dem er in dem Moment gar nicht weiß, ob das richtig so ist,
ob er nicht verrät, was unlöslich zu ihm gehört,
der Glaube an den Weg Jesu.
Es ist ein Schnitt, über den er bitterlich weint.
Noch vor den Frauen unter dem Kreuz
trauert Petrus von ganzem Herzen um das verlorenen gegangene Leben,
um die Leichtigkeit, die mit Jesus möglich war,
um die Hoffnung, dass alles sich bald ändern wird.
Es braucht Mut, um aus dieser Trauer aufzubrechen.
Aber Petrus schafft es.
Er wird zu denen gehören, die keine Mühen scheuen,
keiner Gefahr ausweichen, das Gefängnis nicht fürchten und nicht den Tod
und er wird später hingerichtet werden.
Das alles hat er nicht aus Scham getan.
Das hat er getan, weil er trotz der Trennung von Jesus die Gewissheit weiter spürte,
dass Gott weiter mit auf diesem Weg ist,
dass Jesus die Nähe zu ihm, zu allen Menschen, nicht aufgeben hat.
Mitgehangen – Mitgefangen.
Ein Leben lang.
Mitgehangen – Mitgefangen.
Mit Begeisterung und Liebe und Schwäche und Angst und Trauer, mit all den Kanten und Ecken meiner Person, die mir und anderen immer wieder Fallen stellen und mit aller Kraft, die ich aufbringen kann auf dem Weg Jesu bleiben– wer kann das?
Ich ziehe meinen Hut vor Petrus.
Amen.




Samstag, 31. März 2012

Predigt zum Anspiel "Erwartungen an Jesus"


Erwartungen an Jesus, Predigt
Erwartung und Enttäuschung liegen dicht beieinander.
Bleiben wir noch einen Moment bei den Erwartungen.
Erwartungen sind wichtig, haben wir gesagt.
Sie treiben uns voran.
Sie helfen uns, nicht am Bestehenden zu kleben.
Sie öffnen uns für die Zukunft.
Erwartungen müssen ausgesprochen und gelebt werden.
Wir wissen, dass Jesus die Erwartungen der Menschen nicht geteilt hat oder besser nicht mehr, als er in Jerusalem einritt.
An diesem Tag ahnt er seinen Weg und er antwortet daher auch nicht auf den Jubel.
Aber er lässt ihn zu.
Der Moment dieses Jubels ist wichtig für die Menschen.
Sie feiern, dass das denkbar ist mit der Veränderung der Welt.
Und dadurch erleben sie es auch.
Sie sorgen mit Jubel und Palmenzweigen dafür, dass die Vision des Friedens auflebt, wie Sacharja es beschreibt:

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze!
Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.
10 Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegs­bogen soll zerbrochen werden.
Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Ganz nahe sind sich Welt und Reich Gottes in diesem Moment, zum Greifen nahe.
Jedenfalls denken und fühlen das die Menschen.
Überschwänglich und stolz schauen sie auf ihren Retter, der ruhig und gelassen auf dem Esel einreitet. Ja, es wird Frieden und Gerechtigkeit geben. Jesus wird dafür sorgen und durch ihn Gott. Nichts kann schief gehen.
Und wenn sie singen würden, dann würde das vielleicht so klingen:

Jesus, du mein Leben
(nach der Melodie aus dem Dschungelbuch, Balus Lied, in e-moll)

1. Ich seh vor mir nen Helden,
der alles für mich macht,
der sagt, was geht,
der zeigt, was fehlt,
der reinhaut, dass es kracht.

Oh, Jesus, du mein Leben,
du bist ein toller Typ,
Ich glaube fest,
Dass du die Pest
Der Römer bald besiegt.

Refrain 1:
Oh schubidu, ich will so sein wie duhuhu
Ich will so stehn wie du, gehen wie du, huhu
Du wirst schon sehen, dass ich das kann, kann, kann
sein wie ein Mann so ein Mann wie du.


Erwartung und Enttäuschung liegen manchmal dicht beieinander.
Die Begeisterung der Menschenmenge hat getäuscht.
Es gab bei den Menschen Freude, es gab Offenheit für Veränderung, es gab Hoffnung. Und sie war durchaus echt.
Da waren Kinder, die dachten, es wird alles anders und wir erleben es,
 junge Menschen, die ihre Kraft dafür einsetzen wollten,
Bauern, die für ihre Rechte kämpfen würden.
Wir haben sie gehört.
Aber es gab auch andere, alte, müde, skeptische Menschen,
Soldaten, die Veränderungen nicht zulassen würden
und Hühner, die in Ruhe ihre Eier legen wollten.

Es gab also keinen geraden Weg, von der Vision des Friedens hinein in den Alltag, der das Leben der Menschen im Griff hat.
Die Botschaft vom Frieden hatten die Menschen verstanden. 
Den Weg, der zur Erfüllung dieses Friedens führt, jedoch nicht.
Weil es ihn nicht gab, nicht so deutlich und sicher, dass man ihn einfach nur jubeln betreten kann.
Es war eben nicht der Weg des Kampfes und der Waffen, der großen Politik.
Aber wie sollte er dann aussehen?
Liebe, Verzeihen, Teilen, Versöhnen als Weg zum Frieden?
Als Möglichkeit der damals wie heute alles beherrschenden Gewalt die Stirn zu bieten?
Es gab keinen sicheren Weg, der die Menschen am Rand des Weges auf den Weg Jesu führen könnte.
Diesen Weg gibt es bis heute nicht.
Und jeder, der sich auf den Weg Jesu begibt, muss damit leben,
mit dieser Unsicherheit,
mit der Erfahrung in der vertrauten Welt immer wieder fremd zu sein
und zu erleben, wie einem die Freude und der Jubel im Hals stecken bleiben.
Und das Lied verändert sich.
Die Menschen in Jerusalem singen in den nächsten Tagen anders.

2. Warum wirst du nicht König,
warum weichst du uns aus?
Es wär so leicht,
du hätt`s erreicht
dass neu wird Israels Haus.

Du willst dem Kriege wehren.
Zum Kreuz ziehst du dafür,
und willst, dass wir,
wir folgen dir
ganz ehrlich: Das wird schwer.

Refrain 2
Oh schubidu, will ich so sein wie duhuhu
Will ich so stehn wie du, gehen wie du, huhu
Ich zweifle sehr daran, ob ich das kann, kann, kann
sein wie ein Mann, so ein Mann wie du.

Wir haben uns entschieden, diesen schwierigen Weg zu gehen.
Miteinander, ohne jedoch ein verschworenes Grüppchen zu werden.
Wir bemühen uns, so nahe wie möglich  an denen zu bleiben, die unser Tun skeptisch oder wohlwollend, aber von außen betrachten.
Wir bemühen uns, dabei nicht zu vergessen, was das Besondere des Weges Jesu ist.
Es ist ein Weg, der feierliche Höhepunkte kennt, die Feier, die Freude,
aber auch das Dunkel der Verzweiflung und des Todes und auch dort nicht abbricht.
Es ist ein Weg, den kein Streitross bewältigen kann.
Es ist ein Weg, auf dem Esel gebraucht werden, die sich nicht verführen lassen auf den Wellen der Macht mitzureiten, sondern bei denen bleiben, die von ihnen weggespült werden.
Es ist ein Weg, der uns manchmal auch nicht gut dastehen lässt in den Augen der Öffentlichkeit, aber auf dem wir beharrlich bei dem bleiben,
was die Menge damals in Jerusalem bejubelt hat: Bei unserem Gott, der aus dem Tod ins Leben ruft und Frieden schaffen kann in der Welt.
Es ist ein Weg, den wir nur gehen können, wenn wir neben Alltag und Schwierigkeiten und notwendigen Streitigkeiten unsere Erwartungen nicht vergessen,
dass in dieser Welt Gerechtigkeit und Frieden sich küssen können,
Märchen und Wirklichkeit einander plötzlich ähneln und lebendig werden.
Dieser Erwartung sollen wir lebendig halten, feiern, bekennen,
aller Enttäuschung zum Trotz.

Nehmen wir uns alle Freiheit, zu der Gott uns berufen hat,
reihen wir uns heute ein in die Menge, die feiert, dass Gott uns diesen Jesus geschickt hat, der kein Held sein wollte, weil man in dieser Welt kein Held sein kann, ohne an Gott vorbei zu leben.  
Zu dem Schluss sind die ersten Christen gekommen und auch die Kirche immer wieder.
Und dann singen sie vielleicht so:

3. Ich sehe keinen Helden,
der alles für mich macht,
du sagst, hej, geht,
du zeigst, was fehlt,
lebt das, was Gott euch sagt.

Oh, Jesus, unser Leben,
du schickst uns in die Welt,
die Freude
und der Frieden
das ist, was wirklich zählt.

Refrain:
Oh schubidu, wir wolln so sein wie duhuhu
Wir wolln so stehn wie du, gehn wie du, huhu
Du wünscht dir sehr, dass jeder sein kann, kann
sein wie ein Mann, jedenfalls, so ein Mann wie du.

Amen.







Dienstag, 27. März 2012

1.4. 2012 Erwartungen an Jesus, Anspiel Familiengottesdienst

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Jesus zieht nach Jerusalem ein

Leser:                  Es ist Frühling. Wir erwarten eine Menge vom Frühling. Wir erwarten Blumen und werden selten enttäuscht. Überall, wo man es gar nicht vermutet, tauchen sie auf. (Blumentöpfe werden hervorgeholt. Die Kinder dürfen sie im Kirchraum verteilen)
Wir erwarten Wärme und Sonne. Das kann so oder so ausgehen.
Wir erwarten, dass das Leben leichter wird, das wir angesteckt werden von der Lebensfreude, die in der Natur überall sichtbar wird. Das hängt sehr von uns ab, ob das so klappt.
Kinder erwarten, dass an Ostern sich Buntes und Süßes in Eierform in den Gräsern und Sträuchern finden lässt. Wer immer dafür verantwortlich ist, ist egal. Hauptsache, es klappt. Leider ist noch nicht Ostern. Da müssen wir noch etwas warten. Aber Vorfreude ist bekanntlich sie schönste Freude.
Erwartungen sind wichtig. Sie treiben uns voran. Sie helfen uns, nicht am Bestehenden zu kleben. Sie öffnen uns für die Zukunft.
Gehen wir  ein wenig zurück. In eine andere Zeit.
Stellen wir uns an eines der Tore in Jerusalem, an das sogenannte Goldene Tor. Es ist nicht wirklich golden. Aber es wird so genannt. Eine große Erwartung verbindet sich damit in Israel. Der Messias, der Retter, durch den Gott Frieden und Gerechtigkeit schaffen wird in der ganzen Welt, der soll dort einziehen.
Auch in Israel ist Frühling. Auch hier haben Menschen ganz bestimmte Erwartungen an diese Jahreszeit:
Bauer:                 (geht durchs Tor)  Endlich ist es soweit. Ich habe mein Feld gepflügt. Ich habe die Kornsamen in die Erde gebracht. Wisst ihr, Kinder, was ich dann mit dem Korn mache, wenn ich es ernte?
(Kinder: dreschen, malen, Brot)
Ja, aber soweit ist es noch nicht. Jetzt warte ich auf den Regen. Den braucht mein Feld dringend. Die Sonne ist schön. Die ist auch nötig. Doch ohne Regen wächst nichts. Gott, sei so nett, und sorge dafür. Ich erwarte den Regen spätestens am Mittwoch.
Kind:                   (rennt durchs Tor)  Hach, endlich wird es wärmer. Endlich scheint die Sonne. Ich erwarte meine Freunde. Die kommen jedes Jahr zum Passahfest nach Jerusalem. Wir werden durch die Straßen schlendern und spielen und schreien. Ich freue mich so, dass die Sonne scheint und es nicht regnet.
Gott, ich erwarte, dass du dafür sorgst. In diesen Tagen darf es nicht regnen.
Alte Frau:            (schlurft durchs Tor)  Ach, das Gehen fällt mir schwer. Ich freue mich an der Sonne, aber das kenne ich ja schon. So viele Jahre habe ich schon gelebt. Ich erwarte nichts Neues mehr, außer vielleicht, dass ich hier in Jerusalem meine Enkel treffe. Darauf freue ich mich.
Soldat:                 (marschiert durchs Tor)  Vor mir liegt eine 12 Stunden-Schicht. Ich muss Wache schieben hier am Tor und darauf achten, dass alles ruhig bleibt. Bei den Menschen hier in Jerusalem weiß man nie. Immer wieder sind sie unzufrieden. Warum nur? Von allen Besatzern, die dieses Land erlebt hat, sind wir Römer bei weitem die Nettesten. Wir haben für Wasserkanäle gesorgt, ordentliche Straßen gebaut.
Aber die Menschen hier freuen sich auf das Passahfest. Ich erwarte keine Reibereien.
Mann/Frau:       (schlendern Hand in Hand durchs Tor)  
Mann:                 Meine Liebste. Wir sind beide hier in unserer Hauptstadt. Ich freue mich auf wundervolle Urlaubstage mit dir.
Frau:                   Ja, mein Liebster. Ich auch. Ich erwarte allerdings, dass du die ganze Zeit mit mir zusammen bist und dich nicht stundenlang mit deinen Freunden in der Kneipe triffst. Kriegst du das hin?
Mann:                 Aber natürlich, mein Engel. Ich möchte nur mit dir zusammen sein.
Frau:                   Dann erwarten uns drei wundervolle Tage.
Mann:                 Ja, mein Engel.
Huhn:                  Ich erwarte bald einen Schwung Eier. Und brauche ein ruhiges Plätzchen. Zum Brüten. Was soll das hier? So viele Leute? Diese Stadtmenschen, keinen Sinn für die jahreszeitlichen Pflichten, die wir Hühner zu erledigen haben. Ich erwarte etwas mehr Respekt.
Sprecher:            Ja, so sind die Erwartungen ganz unterschiedlich.
Ein Mensch hat die Erwartungen der Welt sehr verändert. Nicht unbedingt die Welt. Leider. Aber er hat dafür gesorgt, dass die Erwartung, es könne doch mal friedlich und gerecht zugehen, nicht stirbt, sondern immer wieder Nahrung erhält.
Dieser Mensch heißt Jesus. In Israel spricht man immer mehr von ihm. Menschen hat er geheilt. Für die Armen ist er eingetreten. Streitende hat er versöhnt. Die Menschen hoffen, dass Gott bald den Retter schickt, den Messias, der Frieden und Gerechtigkeit schaffen wird. Sie haben gehört, dass Jesus zum Passahfest nach Jerusalem kommt. Sie erwarten ihn stündlich.
Bauer:                 (geht durchs Tor) Jesus kommt. Vielleicht als König? Vielleicht sogar als Messias?
Da werde ich ihn mal auf die Pacht ansprechen. Der römische Besitzer meiner Felder  hat die Pacht erhöht. Ich muss mehr Korn abgeben, als früher. Und wenn es nicht regnet und die Ernte ausbleibt, sehe ich alt aus. Und meine Kinder haben nichts zu essen. Vielleicht muss ich dann auf der Baustelle arbeiten. Jesus soll kommen und etwas dagegen unternehmen. Ich erwarte, dass er als künftiger König für unsere Rechte eintritt.
Kind:                   (rennt durchs Tor) Jesus kommt. Super! Der soll total nett sein. Und ich wollte immer schon mal einen echten Heiler sehen. Papa sagt, vielleicht wird der mal unser neuer König, der Friedenskönig. Und der mag auch Kinder. Superklasse. Vielleicht darf ich Seite an Seite mit ihm kämpfen. Wann es endlich soweit ist? Wann kommt er endlich? Ich kann es kaum erwarten.
Alte Frau:            (schlurft durchs Tor)  Jesus kommt? Ach, na ja, ich habe schon viele sogenannte Retter der Menschheit kommen und gehen sehen. Ich erwarte nicht mehr, dass sich viel verändert. Obwohl: Ein bisschen neugierig bin ich doch. Er hat den Sohn meines Neffen geheilt. Der hatte immer solche Anfälle. Vielleicht kann Jesus ja auch etwas mit meinen kaputten Knien unternehmen. Einen König brauche ich nicht, aber doch mal einen Arzt. Nun ja, warten wir’s ab.
Soldat:                 (kommt durchs Tor und blickt hektisch um sich) Jesus kommt? Ach du grüne Neune! Die Leute sind so aufgeregt hier. Überall höre ich den Namen Jesus in den Gesprächen. Die denken wohl, der zieht hier als König ein. Diese Leute! Immer einen Retter an der Hand. Da brauche ich Verstärkung. Schnell. Das kann ja keiner erwarten, dass ich mit dieser Situation alleine fertig werde.
Mann/Frau:       (er zieht sie durchs Tor)
Frau:                   Hej, was ist denn los auf einmal?
Mann:                 Jesus kommt, sagen die Leute.
Frau:                   Na und?
Mann:                 Aber Liebste, er soll der künftige Friedenskönig sein, von Gott zu uns geschickt, den Armen zu helfen, die Traurigen zu trösten, die Kranken zu heilen...
Frau:                   Und mir das Wochenende zu verderben.
Mann:                 Aber Liebste. Wir stehen mitten an einem zentralen Punkt in der Weltgeschichte. Das ist doch toll. Ich muss nachher gleich Simon und Ruben treffen.
Frau:                   Aber Aaron, unsere Ferien...
Mann:                 Die holen wir nach, mein Schatz, ganz sicher. Aber erst machen wir Geschichte.
Frau:                   Ich auch?
Mann:                 Na klar. Mit dir zusammen macht alles mehr Spaß. Und Jesus will ja auch die Frauen dabei haben.
Frau:                   Also gut. Aber erwarte nicht von mir, dass ich für den Retter koche. Ich will mitkämpfen.
Mann:                 Mitkämpf... Das hätte ich nicht erwar...
Frau:                   (stemmt die Hände in die Seiten)
Mann:                 (eilig) Aber natürlich, mein Schatz, alles was du willst.
Huhn:                  (wackelt durchs Tor) Jesus kommt? Auch das noch. Als ob es nicht schon hektisch genug ist. Ich brauche einen ruhigen Platz für meine Eier. Ich will ja keine gestörten Küken bekommen. Bei dem Lärm werden die ja verrückt. Ich weiß, mein Cousin wohnt in der Burg. Den werde ich besuchen. Da haben die Soldaten noch alles im Griff. Da finde ich ein ruhiges Plätzchen.
Sprecher:            Jesus kommt und bewegt die Menschen. Die unterschiedlichsten Erwartungen werden wach. Hat er sie erfüllt?
Auf jeden Fall war sein Einzug nach Jerusalem berauschend. Wir hören davon in der Bibel.
Lesung:              Einzug nach Jerusalem
Lied:                   Jesus zieht in Jerusalem ein
Ansprache:        Jesus und unsere Erwartungen.(folgt noch)

Nach der Ansprache dürfen die Kinder die Blumentöpfe an Menschen aus der Gemeinde
verteilen. (Nicht alle bekommen etwas, unerwartete Freude....)

Lieder: Vom Anfang bis zum Ende
Gottes Liebe ist wie die Sonne
Geh aus mein Herz
Wie ein Fest nach langer Trauer oder Wir haben Gottes Spuren