Freitag, 15. Juni 2012

Konfirmation 2012

Nach einem Abschlusswochenende zum Thema "Mit Gott in den Himmel - das Fliegen lernen", in dem wir das Vater Unser mit dem Bearbeiten der Konfirmationsprüche verbunden haben (mit bemalten Drachen), kam einiges zusammen, was dann wieder in den drei Konfirmationsgottesdiensten (relativ kleine Kirche, müssen wir machen)  auftauchte. Hier der Ablauf und drei Teile aus einem der Gottesdienste. Die Namen der Konfis wurden durch Buchstaben ersetzt. Die anderen Namen sind die der Teamer bzw. meiner.
Für die Meditation (s.u.) haben die Konfis Elfchen geschrieben, die dann von uns zu einem Text zusammengefügt wurden.
Ihre Drachen wurden fotografiert und dann im Gottesdienst gezeigt und kurz von den Konfis kommentiert. Die Drachen selber bildeten den Altarschmuck.
Das Glaubensbekenntnis (s. Ablauf) haben die Konfis mit eigenen Worten und aus anderen Glaubensbekenntnissen zusammengestellt.
In der Predigt (s.u.) hatten wir beim ersten Mal noch persönliche Würdigungen der Konfis durch die Stewards drinnen, dies aber bei den anderen zwei Malen in die Konfirmation (s. Ablauf) hineingenommen.
Es war ein gelungener Gottesdienst trotz Länge (1,38 Stunden), mit vielen positiven Rückmeldungen und Tränen (Wunsch der Konfis als ihr Vortragslied: Das Halleluja von Cohen, da bleibt kein Auge trocken).

Ablauf: 2. 6. 2012
Glockengeläut
Orgelmusik
(Die Gemeinde steht auf, sobald die Orgel das Vorspiel beginnt)
Einzug der Konfirmandinnen und Konfirmanden
Votum                        Im Namen Gottes, der uns Vater und Mutter ist im Namen des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Gemeinde:                 (singt) Amen.
Pfarrerin:                  Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:                 der Himmel und Erde gemacht hat.
Pfarrerin:                  Der Herr sei mit euch.
Gemeinde:                 (singt) Und mit deinem Geist.
Begrüßung            
Lied 1:                     Lobe den Herren (316, 1.2.4)
Ps 139
Alle:            Gott, du erforschest mich und kennest mich.
Eine/r:       Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;
Du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich
und siehst alle meine Wege.
Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.
Alle:            Gott, du erforschest mich und kennest mich.
Eine/r:       Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.
Alle:            Gott, du erforschest mich und kennest mich.
Eine/r:       Spräche ich: Finsternis möge mich decken
und Nacht statt Licht um mich sein –,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag.
Finsternis ist wie das Licht.
Alle:            Gott, du erforschest mich und kennest mich.
Eine/r:       Erforsche mich, Gott, und erkenne, wie ich's meine.
Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Wege.
Alle:            Und leite mich auf ewigem Wege.
Gloria

Lied 2:           Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt (1. Str.)
Wenn ich Flügel hätte - Meditation der KonfirmandInnen (s.u.)
Lied 2:                     Ich lobe meinen Gott (2. und 3. Str.)

Mit dem Konfirmationsspruch zum Abflug bereit – Drachenbilder
Lied 3:           Da ist ein Sehnen (Refrain 1, Strophe 1: Solo)
Bekenntnis der Konfirmations-Gruppe
Wir glauben an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Wir glauben an Jesus Christus, der unter uns verweilt,
gerecht und voller Liebe,
in unsern Gesichtern wiedererkannt,
in unseren Herzen verewigt.
tief in unsere Seelen eingebettet,
in dem Sehnen nach allem, was gut und gerecht ist.
Wir glauben an den Heiligen Geist;
Und an den Gott, der in uns allen ruht,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen
Lied 4:                Halleluja von Leonhard Cohen (Lied der Konfis, die Gemeinde ist eingeladen, den Refrain mitzusingen)
Predigt              
Lied 5:                O komm du Geist der Wahrheit (136, 1 und mit neuem Text.)

KONFIRMATION

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Konfirmationsfrage
Gebet
Segnung der Konfirmandinnen und Konfirmanden
(2 Beispiel aus den  persönlichen Würdigungen, die vor den Einsegnungen der jeweiligen Konfis von den Teamern gesagt wurde. Die Vögel hatten sich die Konfis am Wochenende selber ausgesucht:
A: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. (4 Mose 6,24-26)
Ein Albatros, der fehlt uns noch und passt zu dir. Ein großer, nicht zu übersehener Vogel, der manchmal Schwierigkeiten hat, in Schwung zu kommen, aber wenn er fliegt, ist er ausdauernd und virtuos. Du hast dir das Tempo von uns nicht vorgeben lassen, und hast auf deine Art hier den Flug mitgemacht. Du hast deine Gedanken mit uns offen und ohne Scheu geteilt und man merkt,  dass du dabei bist dich mit ruhigem Selbstvertrauen auf den Flug zu begeben. Dass Gottes Lächeln und sein Segen dich dabei immer begleiten möge, wünschen wir dir. 

B:  Mit dir zerbreche ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern. (Ps 18, 30)
Ein Falke, der sich von den Wolken herunter auf die Erde stürzt und auch vor einem Flug im Sturm nicht zurückschreckt, passt zu dir.
Von deiner Energie kann sich Gott noch etwas abgucken.
Manchmal allerdings mussten wir an die Fensterscheiben ein Warnschild aufhängen.
Wir haben viel mit dir gelacht, über deine darstellerischen Fähigkeiten, deinen ansteckenden Humor und hoffen, dass du ihn dir bewahrst.
Wir wünschen dir, dass du deine Kraft nutzt für einen Flug in die Freiheit, auf dem Gott dich begleiten und bewahren möge,
dass du viel Lebenswertes und Liebenswertes entdeckst, deine Kraft auch für die anderen einsetzt und andere ansteckst mit deiner Lebensfreude.
Musikstück (Händel)
Wort an die Patinnen und Paten
Patengruß (Rosen werden an drei PatInnen oder an 3 Menschen verteilt, denen die Konfis viel verdanken)
Dank an die Teamer
Lied 6: Ich bin (Olaf Trenn, Günther Brick)
Wort des Gemeindekirchenrats
Grußwort der Jugend
Hinweis auf die Kollekten
Lied 7: Geh aus mein Herz (503, 1.13.14)
Fürbitten der Konfirmierten
(Wir antworten auf die Bitten mit: Lied 8: Meine Hoffnung und meine Freude)
Vater Unser
Lied 9: Möge die Straße (1. Str.: Solo. Gemeinde: 2. und 4. Strophe)
Segen
Musik zum Auszug



Meditation der Konfis zum Thema Fliegen (mit Bildern per Beamer):

Milan:    (von der Kanzel) Wir hören aus dem 55. Psalm: Und ich sprach: O dass ich Flügel hätte wie die Taube! Ich wollte hinfliegen und ruhen. (Bild der Taube nach Lesung zeigen)

Konfis:
A:            Frei sein,
sich in die Luft schwingen,
über den Wolken schweben,
das ist schön.
B:            Gleiten, treiben,
vom Himmel aus die braune Erde sehen, die ganze Welt,
schwerelos in der Luft schweben,
mich lösen von den Problemen,
alles loslassen
befreit und beschwingt,
einfach glücklich sein, Spaß haben.

Jan:        Wort aus dem 139. Psalm: Nähme ich Flügel der Morgenröte, ließe ich mich nieder am äußersten Ende des Meeres, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. (Bild: Möwen über dem Meer)

A:             Frei sein, Lust zu reisen,
unabhängig, 
auch in gefährlichen Winden, trotz Angst
die Weite und die Luft hemmungslos genießen.
B:             In die Unendlichkeit tauchen
Spannung und freier Fall,
den Fahrtwind in den Flügeln spüren,
gefährlich und schnell und aufregend,
über Meere und Berge gleiten.
C:             Im Sturm und in der Stille des Windes,
immer, beim Gleitflug und Sturzflug,
und auch, wenn ich alleine bin,
und kein Flughafen in Sicht
so bist du da.

Milan:     Aus der Bergpredigt hören wir: Seht die Vögel im Himmel. Sie säen nicht, sie ernten nicht und Gott ernährt sie doch. (Bild: Schwalben im Himmel)
Konfis:
D:            Sorgen verfliegen in der schwebenden Luft,
heiter und wunderschön;
unbeschwert von allen Lasten
entspannt und frei.
E:            Fröhlich und heiter,
hoch in den Lüften segeln
ruhig und leise und weich,
die Schwerkraft nicht spüren.
F:             alles sehen ohne Angst,
neu betrachten,
glücklich sein dürfen,
weil du uns hältst.

Jan: Paulus hat erfahren: Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit. (2.Kor. 3, 17b)
(Bild: Paragliding in den Bergen)

Konfis:     
A:    Hoch in den Lüften bin ich leise entspannt.
Unabhängig und befreit von der Angst
voller Erleichterung
für einen Moment unsterblich
G:       frei (immer dieselben beiden im Wechsel)
H:      die Liebe zu fühlen, zu lieben,
G:       frei
H:      wunderbar, toll, cool
G:       frei
H:      zu fliegen
G:       frei
H:      unbeschwert
G:       frei
H:      unbegreiflich
G:       frei
H:      schön
G:       Freiheit
H:      Freiheit in allen Wegen.
G:        Freiheit in deinem Geist.


Predigt Konfirmation 2.6. 2012

Susanne:
Konfirmation – Wir stehen sozusagen an einem Flugplatz.
Euer Flugzeug steht bereit. Die Koffer sind gepackt.
Ihr seid bereit loszufliegen. Eine Reise geht dem Ende entgegen.
Aber noch ist ein Moment Zeit.
Wir haben ein Jahr lang zusammen verschiedene Stationen erlebt auf dieser Reise, haben geredet über Gott und die Welt, gesungen und gespielt und zusammen gegessen, sind verreist und haben nur wenig gestritten.
Nach diesem Gottesdienst gehen wir auseinander. 
Kein Grund zum Weinen.
Ganz verlieren wir uns ja meistens nicht aus den Augen.
Für euch geht die Reise eben weiter –
wenn es nach euch ginge, in die ganze Welt, von Alaska, über Australien und Afrika, Hawaii bis zum Südpol. Und weiter in den Weltraum.
Den Wünschen, die ihr beim Abschlusswochenende zum Thema „Gott in den Himmeln- Das Fliegen lernen“ genannt habt, sind anscheinend  keine Grenzen gesetzt.
Flugangst gab es kaum, hin und wieder Vorsicht.
Aber die Vorstellung von Paragliding und Sturzflug schien den meisten von euch im Gegensatz zu mir eine angenehme zu sein.
Eine mutige Truppe seid ihr und um euren Flug ins Leben ist mir nicht bang.
Ihr habt alle Voraussetzungen, eure Flügel zu gebrauchen.

Merle: Aber um loszufliegen braucht es doch eine Startbahn.
Wir haben hier in der Kirche keine Planierraupen und arbeiten nicht mit Teer und Beton.
Und Fluglotsen oder einen Terminal sehe ich hier in dem Sinne auch nicht.
Aber das kriegen wir hin. Wir arbeiten eben mit Worten. Und heute mit den Worten eurer Sprüche.
Zunächst planieren wir einmal den Weg für die Startbahn:
Dazu hören wir As Spruch:

Elisabeth:
A: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf   meinem Weg. (Psalm 119,105)

Susanne:
Kein Flugzeugpilot würde sich auf so eine unsichere Ansage einlassen:
Roll mal ruhig los, ich schalte bei Bedarf das Licht ein,
der Weg ergibt sich dann schon.
Aber häufig sehen wir im Leben nur bis zur nächsten Ecke.
Unsere Gedanken und Pläne können nicht alles absichern.
Und Angst und Zweifel haben uns immer wieder fest im Griff.
Da ist es beruhigend, dass Gott mehr sieht und sich mehr denkt, als es uns häufig möglich ist.
Er erhellt und erweitert immer wieder unseren Horizont.
Er traut uns zu, weiter zu gehen und höher zu steigen, als wir uns das manchmal zutrauen.
Er tut alles, um uns das Leben zu öffnen, wie es Bs Spruch sagt:

Johannes:
B:
Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr. (Jes 54, 10)

Merle:
Eine ziemlich weite Ansage.
Wo das Flugzeug langkommt, weicht alles aus.
Niemand wird mit einem Berg kollidieren, sagt Gott.
Aber es passiert doch einiges im Leben,
dem können wir nicht ausweichen,
das macht uns zu schaffen,
in der Schule, zu Hause und auch in der Welt um uns herum.
Und Gott kann Dinge, die geschehen, nicht ungeschehen machen.
Dennoch ist er nicht machtlos.
Gottes Kraft liegt in seinen Worten, in seinen Gedanken.
Durch sein Wort hat er die Welt geschaffen.
Er hat den Menschen gesagt: Ich bleibe an eurer Seite,
ich lade euch immer wieder ein auf  den Weg des Friedens,
Und so nimmt auch unser Leben immer neue Fahrt auf,
wenn er zu uns redet, liebevoll, tröstend, mahnend,
dass wir aufstehen und weitergehen können, neue Wege finden,
manchmal um die Berge herum, manchmal auch mitten hindurch,
manchmal ebnet uns Gott tatsächlich auf unvorhergesehene Weise den Weg.
Und immer wieder verspricht uns Gott, dass wir zu ihm kommen können,
wie Cs. Spruch es sagt:

Elisabeth: C: Zuflucht wirst du haben unter Gottes Flügeln. Ps 91,4c

Susanne: So, wie Gott nach der Vorstellung der Bibel den Himmel ausgespannt hat über uns,
so, sollen wir uns vorstellen, wacht er über uns.
Immer dann, wenn wir neue Kraft und Hilfe brauchen oder gerade gar nicht wissen, welchen Weg wir denn nun einschlagen sollen,
dann können wir bei ihm Ruhe und Geborgenheit und neue Klarheit finden.
So eine Art Zwischenlandebahn im Alltag.
Das lohnt sich immer.
Und so kann das Flugzeug losrollen, im Vertrauen darauf,
dass der Weg sich ergibt und zu schaffen ist und sich immer wieder öffnet.

Auf jedem vernünftigen Flugplatz und die Hoffnung in Berlin, dass sich der Schönefelder Flugplatz noch als solcher erweisen wird, ist groß, auf jedem vernünftigen Flugplatz arbeiten Fluglotsen.
Auch Gott arbeitet nicht allein. Er hat seine Helfer, seine rechten und linken Hände. Dazu hören wir Ds. Spruch
Johannes: D: Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. (Ps 139, 5)

Merle: Fluglotsen treten erkennbar auf. Sie tragen eine Uniform, sie haben ihre festen Aufgaben.
Ganz so klar ist es nicht bei den Helfern,
die Gott uns schickt, damit sie in seinem Auftrag handeln.
Manche nennen sie Engel, manche einfach gute Kräfte.
Wie dem auch sei.
Auf jeden Fall ist es Gott, der uns begleitet, eben auch durch Boten, auch durch Menschen und Ereignisse.
Gottes Hände arbeiten auf unterschiedliche Weise.
Sie bedienen sich manchmal der Eltern, der Paten, der Freunde.
Manchmal sind sie die Hand, die einen zurückreißt, wenn wir fallen,
aber sie geben auch einen Schubs in eine Richtung,
zu der uns vielleicht der Mut oder die Phantasie fehlt.
Gott behält die Übersicht und lotst uns die Richtung, die gut ist
oder versucht es zumindest und redet uns gut zu.
Einige von euch haben geschrieben, sie hätten Gott nie gehört und bisher nicht das Gefühl gehabt, dass Gott sie begleitet.
Manchmal aber hört man Gott,
hört ihn auf unverwechselbare Weise als Stimme tief im Innern,
hört ihn, wenn wir für einen Augenblick verstummen,
wie es der Philosoph Søren Kierkegaard ausdrückt:
„Beten ist nicht sich selbst reden hören, sondern still werden und hören und warten, bis der Betende Gott hört.“
Gott ist bereit uns den Weg zu zeigen, wenn wir bereit sind, auf ihn zu hören.
Also braucht es für den Flug mit Gott wachsame, sensible Piloten,
die in der Lage sind, all die Hinweise und Lotsen auch ohne Uniform zu erkennen.

Nun haben wir das Flugzeug auf der Landebahn und halbwegs auf Kurs gebracht.
Und eines vergessen: Benzin oder besser Kerosin.
Der Tankwagen muss kommen.
Der Kraftstoff, der Christen vorantreibt, heißt anders, wird mit einem Wort bezeichnet, das viele Deutungen zulässt.
Dieser Treibstoff ist euch sehr wichtig.
Mehrere Konfis haben ihn als Mittelpunkt in ihren Sprüchen:
Elisabeth
E,F und G
haben das Ausrufezeichen unter den Sprüchen gewählt: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1 Kor 13,13)

Johannes:
Und Hs Spruch geht in dieselbe Richtung
H: Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1 Joh 4, 16)

Susanne: Mit Kraftstoffen muss man sorgsam umgehen.
Gerade Benzin oder Kerosin kann bei falschem Gebrauch eine recht explosive Wirkung entfalten.
So ist es auch in der Liebe.
Wir wünschen uns alle, geachtet und geliebt zu werden, wie wir sind und wollen das auch anderen entgegenbringen.
Doch häufig merken wir, dass uns auch andere Gefühle manchmal mitreißen, die das verhindern, Zorn, Wut oder sogar Hass.
Oder dass wir verletzt werden, wenn wir uns öffnen,
dass andere sich lustig über uns machen oder mit Verachtung begegnen.
Manche wenden sich daher enttäuscht ab und lassen sich auf nichts mehr ein. Sie glauben nicht, dass die Liebe die Welt verändern kann,
dass sie ein mächtiger Kraftstoff ist.
Jesus war anderer Meinung.
Er meinte in der Liebe das Zaubermittel gefunden zu haben, das die Welt befriedet.
Er fragt: Ist nicht jeder Gottes geliebtes Kind? Na also.
Kein Grund, irgendeinen Menschen als Gottes Fehltritt abzustempeln,
auch wenn es noch so naheliegen mag.
Die Macht der Liebe steht jedem zur Verfügung.
Das hat nicht nur Jesus, das hat auch z.B. Dumbledore gemerkt und versucht den Zauberschülern in Hogwarts nahezubringen.
Die Liebe ist langmütig und freundlich, sagt auch Paulus im Korintherbrief, sie sucht nicht das Ihre, sie bläht sich nicht auf.
Langweilig? Könnte man denken.
Aber alle, die Jesus auf diesem Weg nachgefolgt sind, geben anderes zu Protokoll.
Es ist ein spannender und aufregender und nicht immer einfacher Weg,
der uns immer wieder über uns hinausführt und viel Mut braucht.
Er treibt uns nach Afrika wie Albert Schweitzer,
in die Slums von Kalkutta wie Mutter Theresa
oder wie uns und euch in die Friedensgemeinde.
Aufregend.
Aber wer sich an die Hand nehmen lässt von der Liebe,
der geht über Grenzen, die setzt sich ein,
in dessen Leben geschehen Wunder, daran glaube ich fest,
Wunder der Versöhnung, Wunder des Friedens,
auch das Wunder einer liebevollen Beziehung zwischen zwei Menschen.
Aber wir wollen euch nichts vormachen.
Häufig ist die Liebe keine sichere Sache.
Wir können nicht sicher sein, dass andere uns würdigen und achten.
Und wir wissen nicht, was dabei herauskommt, wenn wir der Liebe folgen.
Aber immerhin: Gott steht hinter der Liebe, ist ihre Quelle.
Und deshalb können wir darauf vertrauen,
dass Gott alle unsere kleinen Teile sieht und zusammenbringt,
auf zauberhafte Art und Weise.
Wer in der Liebe bleibt, der kann sicher sein, dass er Gott ganz nahe ist,
nahe an seinen Gedanken, nahe seiner besonderen Kraft.
Ein merkwürdiger Kraftstoff.
Aber letztlich der Stoff, der das Leben schön und lebenswert macht.
Dass davon ganz viel in eurem Leben vorkommt, wünschen wir euch.

So, das Flugzeug hat getankt, jetzt muss man die Motoren zum Laufen bringen. Und wenn der Pilot dasitzt und meditiert oder nur auf die Lotsen starrt, dann wird das nichts.
Manchmal muss man auch den Schlüssel drehen und die Kupplung treten oder was immer man tut, um ein Flugzeug zu starten.
Ich bin da keine Fachfrau, wie ihr merkt.
Aber I und Js Spruch bringt uns da auf den Weg:

Elisabeth: I und J: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. (Mt 7,7)

Merle: Also los, sagt Jesus, keine falsche Zurückhaltung.
Bittet! 
Bittet mit aller Kraft!
Sucht mit allem Ernst!
Hämmert mit euren Bitten auf Gott ein!
Der kann das ab. Der ist das gewöhnt.
Und macht euch auf den Weg und sucht.
Gebt euch nicht zufrieden, mit dem, was ist.
Klopft an Türen, die verschlossen scheinen und geht hindurch.
Ihr findet vieles, was ihr nicht gedacht habt,
ihr erlebt euch anders, vielleicht weiter, größer, vielleicht zarter und sensibler, als andere es von euch denken.
Lasst nicht nach im Bitten, und Suchen und Klopfen.
Den Suchenden öffnet Gott immer wieder die Tür und er ist es auch, den wir bei allem Suchen und Bitten und Klopfen immer wieder finden: Ihn, Gott, immer wieder.
Das geht nicht von alleine, das muss man üben, den weiten Blick, das Aufraffen immer wieder, das Reden mit Gott im Alltag.
Und dann sind wir in Übung, wenn in den verzweifelten Situationen unseres Lebens alles zu Ende scheint oder tatsächlich ist.
Dann kommen wir zu Gott mit dem Kummer und der Trauer und unserer Angst und spüren, dass er da ist, wie immer.
Dann nimmt er uns in die Arme, wie eine tröstende Mutter und führt uns wieder in die Größe und Weite seiner Liebe.
Es ist kein Zeichen von Selbständigkeit und Coolness und Lebenskraft, wenn jemand meint, ohne Gott auskommen zu können.
Es ist kein Zeichen der Schwäche, wenn wir uns im Kleinen wie im Großen immer des Rückhaltes bei Gott versichern.
Es ist eine Stärke.
Die wünsche ich euch allen,
denn sie macht einen unabhängig und unbestechlich auf der einen Seite
und lässt einen ohne Angst auf andere zugehen.
Und unser Flugzeug kann und darf abheben,
wie auch ihr euch abheben dürft von den anderen,
wenn ihr euch auf den Weg mit Gott macht.
Vielleicht genießt ihr dabei nicht viel Achtung. Das macht nichts.
Unsere Gesellschaft braucht dringend Menschen, die sich zeigen und öffnen und Anteil nehmen und sich einbringen,
Menschen, die nicht einfach an den Einsamen und Bedürftigen vorbei gehen.
Sie braucht Menschen, die sich zeigen, hervorwagen und sich für andere einsetzen, gerade für die, die keine eigene Stimme haben.
Dann, so hat es Jesus, so haben es auch andere in der Bibel immer wieder behauptet, dann geht es uns gut.
Dann bekommen wir Flügel, auch wenn wir nicht im Flugzeug sitzen.
Dann steht uns viel Kraft zur Verfügung, wie es K und L Spruch sagt:
Mit dir zerbreche ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern. (Ps 18, 30)

Susanne:
Es wird uns eben gut gehen,
ein Wohlgefühl, das uns ganz ausfüllt,
mit neuer Energie versorgt,
weil wir uns nicht mit Mauern und Grenzen abfinden.
Da sind wir glücklich und erfüllt,
so wie bei einem Sieg unserer Lieblingsfußballmannschaft,
wie Werder Bremen, na gut und eben auch Dortmund.
wie bei einer 1 in Mathe, wie an einem tollen Tag mit Freunden,
wie bei einem Eis, das bei heißem Wetter auf der Zunge zergeht,
wie angesichts des Friedensschlusses verfeindeter Völker,
wie an einem Fest an Pfingsten, das alle mitreißt, damals in Jerusalem,
als sie sich in die Arme fielen und jeder jeden verstanden hat.
Da geht es einem gut,
da fallen Grenzen und Mauern in sich zusammen;
Und deshalb sind die Christen so lange am Ball geblieben.
Auch wenn es schwer war, auch wenn sie leiden mussten.
Aber sie sind nicht geblieben, weil sie das Leiden so toll fanden,
sondern weil das, was sie durch den Glauben erfahren haben,
ihr Leben so bereichert hat, sie so beflügelt hat, dass sie bereit waren, viel dafür zu wagen.
Sie wollten ihren Glauben leben, sie wollten an der Hoffnung festhalten und durch die Liebe gelassen und besonnen bleiben.

Merle: So, eigentlich können wir jetzt winken und zusehen, wie das Flugzeug in den Wolken entschwebt.
Es hat eine Startbahn und hat dank der Lotsen auch die richtige gefunden.
Es hat den Kraftstoff und der Pilot hat es geschafft den Motor zu starten und will gerade losbrettern,
da fällt ihm ein, dass etwas Wichtiges fehlt: Die Fahrgäste.
Der Pilot legt  eine Vollbremsung hin, telefoniert eilig mit dem Terminal.
Und da kommen sie, die Stewards und die Stewardessen, (die Teamer kommen nach vorne) freundlich lächelnd.
Ohne sie hat das Flugzeug keine Chance, erfüllt der Flug seinen Sinn nicht.
Sie achten auf die Sicherheit der Gäste, auf ihr Wohlbefinden und auch darauf, dass der Pilot nicht alles vergisst.
Lara:             So wie du auch manchmal Dinge vergisst.
Susanne:         Ich? Nie! ... Was denn?
Lara:              Da fehlt noch ein Spruch.
Susanne:         Ich weiß, Ms. Den wollte ich mir für den Schluss aufheben.
Carlotta:          Da fehlen auch noch wichtige Fragen der Konfis.
Marlon:           Denen darfst du nicht ausweichen.
Tim:               Und außerdem warst du zu wenig persönlich.
Johannes:        Genau, wo bleibt die persönliche Würdigung der Konfis?
Susanne:         Leute, Moment, ihr verderbt ja die ganze Stimmung. Seid nicht immer so streng mit mir.
Also, das Persönliche, schlage ich vor, kommt noch durch euch, die  Stewards und Stewardessen bei der Segnung der Konfis, wenn ihr ihnen ins Flugzeug helft, direkt in die Konfirmation. O.k.?
Lulu:              Na, gut.
Susanne:         Und die Fragen, hm, die Predigt war lange genug, aber los, dann stellt sie noch.
Anna Sch.:      Ist Gott da?
Lina:               Immer?
Felix:              Mit seinem Segen?
Milan:             Im Leben und im Tod?
Lina:               Ist Jesus Vorstellung vom Frieden und der Feindesliebe wirklich etwas, das man leben kann?
Patricia:          Auch in der Schule, ... (sehr zweifelnd) auch mit seinen Geschwistern?
Tim:               Kann man eigentlich wirklich von Schülern erwarten, dass sie ein Jahr lang 2 Stunden in der Woche zu uns kommen?
Elisabeth:        Und diverse Projekte und Gottesdienste mitgestalten und besuchen?
Lulu:              Und dann noch die Welt verbessern?
Susanne:         Das reicht erst einmal. Es gibt Fragen, habe ich mal gelernt, auf die soll man nur mit einem klaren Ja oder Nein antworten. Oder Merle?
Merle:             Ja!
Susanne:         Also, Ja!
Ja, Gott ist da, in unserem Leben und darüber hinaus.
Merle:             Ja, Feindesliebe, die Liebe überhaupt, ist der Weg zum Frieden.
Susanne:         Ja, man kann sich für andere einsetzen und bekommt viel zurück.
Merle:             Und man darf Zeit und Kraft in unsere Gemeinschaft und in die Gemeinde stecken, denn das lohnt sich, für uns und andere. Oder etwa nicht?
Fabian:           Natürlich, für uns schon, aber wir sollen ja die Fragen der Konfis an dich weitergeben.
Susanne:         Das macht ihr sehr gut. Und um das nun zu bekräftigen, hören wir Ms Spruch:
Elisabeth:      M: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. (4 Mose 6,24-26)
Merle:             Das heißt etwas anders ausgedrückt:  Gott lässt sich von seinem Platz im Terminal nicht vertreiben.
Er lässt sein Wohlwollen über uns leuchten, lächelt uns zu, wenn wir es brauchen.
Susanne:         Er hat eine Art seine Funksprüche loszulassen, die manchen Piloten schon zur Verzweiflung gebracht hat.
Er schafft es nicht immer sich verständlich zu machen.
Und manchmal muss er auch aufs Flugfeld eilen und die Hände über dem Kopf zusammenschlagen über den Mist, der da wieder gebaut wurde.
Merle:             Aber er bleibt da. Immer erreichbar für uns, als Kraft, als Trost, als liebevoller Begleiter, als Hoffnung auf Frieden, der sich immer wieder durchsetzt.
Susanne:         Wie ihr das erleben werdet oder schon erlebt habt, darüber möchten wir immer gerne mit euch reden.
Auch weiterhin.
Und nun verabschieden wir uns,
schicken euch ins Flugzeug und vertrauen darauf,
dass Gott, dessen Güte reicht soweit der Himmel ist und dessen Wahrheit, soweit die Wolken gehen, euch begleitet.
Egal, wohin ihr geht und was ihr erlebt,
mögt ihr die sanfte Führung seiner Hand und das Leuchten seiner Liebe immer spüren.
Amen




Montag, 30. April 2012

Kitaandacht zum Thema "Anderen eine Freude machen."


Eine ökumenische Kitaandacht mit den Seniorenheimen zusammen. 
Etwas kitschige Geschichte, aber ich habe nichts Besseres gefunden und musste daher selber ran.
Erstaunlicherweise waren alle dabei und die Älteren hatten Tränen in den Augen. 
Tja, wer wünscht sich nicht solche Kinder... 
Wen der sparame theologische  Satz zuletzt nicht ausreicht: Die Kinder sind 2-5 Jahre. Da ging meiner Meinung nach nicht viel mehr. Komme ohnehin immer mehr dazu, in den Kitaandachten, neben den obligatorischen biblischen Geschichten, biblische Themen anders aufzubereiten. 
Große Hilfe dabei und guter, wenn auch schon älterer  Tip: 
Entdecke das Jahr. Den Kindergartenalltag christlich begleiten, Anja Maurer und Claudia Löwer-Lenau, 2007.
 


Das Geburtstagsgeschenk

Der kleine Hase Max ist auf dem Weg nach Hause.
Der Kindergarten ist aus und die  Höhle, in der Max und seine Familie wohnen, ist nicht weit entfernt.
Max hoppelt immer alleine nach Hause.

Heute ist ein wichtiger Tag: Die Mutter von Max hat Geburtstag.
Max hat schon tagelang hin und herüberlegt, wie er ihr eine Freude machen kann.
Seine Schwester hat einen tollen Knabberstock gefunden.
Oma wird wie immer einen Karottenkuchen backen:
Papa wird die Höhle putzen und Mama das Frühstück ans Bett bringen.
Und Tante Sophie wird einen Haufen Heu von ihrem Bauernhof mitbringen, zum Auspolstern von Mamas Bett.

Aber Max hat auch ein tolles Geschenk.
Das heißt, er wird ein tolles Geschenk haben.
Vor ein paar Tagen hat er eine Superstelle im Wald entdeckt, mit seltenen Kräutern, die wunderbar schmecken.
Darüber wird sich Mama freuen.
Er will sie jetzt nach dem Kindergarten pflücken, damit sie ganz frisch sind.
Er muss sich beeilen.
Der Umweg über den Wald dauert seine Zeit.
Also rennt Max, was seine Beine hergeben.
Doch plötzlich bremst er scharf.
Eine Amsel hinkt über den Weg. 
„Hey du“, jammert sie, „kannst du mir helfen?“
„Ich hab’s eilig“, sagt Max, „Mama hat Geburtstag!“
„Ich habe mir bei der Landung einen Flügel etwas verstaucht und kann nicht fliegen. Und der Fuchs ist in der Nähe.“
„Was soll ich denn tun? Ich bin kein Tierarzt.“, sagt Max ungeduldig.
„Nimm mich auf deinen Rücken und nimm mich mit.“, antwortet die Amsel.
„Na gut“, sagt Max.
Er kann die Amsel nicht vom Fuchs schnappen lassen.
Also nimmt er sie auf den Rücken und muss nun viel langsamer hoppeln als vorher.
Aber er findet die Kräuter und zupft einen ordentlichen Strauß ab.
Die Amsel hält den Strauß mit ihrem Schnabel fest
und Max macht sich auf den Rückweg.
Er kommt an einem Bach vorbei und hört aufgeregtes Schnattern.
Neugierig hält er an und schaut, was da los ist.
Zwei Entenküken zanken sich. Lauthals.
„Hey“, sagt Max, „was ist denn hier los?!“
„Mama ist weggeschwommen“, schnattert das eine Küken aufgeregt.
„Und ich glaube sie den Bach runtergeschwommen, da, nach rechts.“
„Quatsch“, sagt das andere Küken, „sie ist raufgeschwommen, da nach links.
Da ist doch auch unser Nest.“
Max stöhnt.
„Na, dann schwimmt doch erst in die eine und dann in die andere Richtung.
Weit wird sie ja nicht sein.“
„Aber Max“, sagt die Amsel, „der Fuchs!
Du kannst doch die Kleinen nicht alleine lassen.“
„Mama hat Geburtstag“, jammert Max,
„ich muss mich beeilen, sie macht sich sicher schon Sorgen.“
Aber die Amsel stupst ihn vorwurfsvoll mit dem Schnabel in den Hals.
Also gut.
Max lädt sich auch noch die Küken auf den Rücken
und läuft einmal hoch und einmal runter den Bach entlang,
bis er die Mutter der beiden entdeckt.
Die Mutter ist erleichtert, ihre beiden Süßen wieder zu haben
und dankt Max herzlich und ausführlich.
„Ich muss los“, wehrt Max ab und läuft mit der Amsel weiter.
Am Waldrand hört er ein Weinen.
„Was ist denn nun schon wieder los?!“, denkt er.
Da sieht er, wie ein Mäusekind auf einer Wurzel sitzt und heult.
„Warum heulst du denn?“, fragt Max.
„Keiner mag mich!“, schluchzt das Mäusekind.
„Blödsinn“, sagt Max, „deine Eltern mögen dich doch sicher.“
„Im Augenblick nicht so sehr. Ich habe den ganzen Käse aufgefuttert
und Mama hat mich aus der Höhle geworfen, weil sie so sauer auf mich ist.“
„Ach, die beruhigt sich auch wieder“, tröstet Max, „
Eltern sind nie lange sauer.“
Das Mäusekind wischt sich die Augen:
„Meine schon. Mein Bruder ist viel netter und artiger als ich, sagen sie.
Sie nennen mich die wilde Frieda“.
Frieda betrachtet die Kräuter, die die Amsel im Schnabel hält.
„Oh, sagt sie, „wo hast du denn die gefunden?
Mama liebt diese Kräuter, aber sie sind sehr selten.
Wenn ich mit so einem Strauß ankomme, verzeiht sie mir sicher.
Bitte, gib ihn mir.“
„Aber das ist mein Geburtstaggeschenk für meine Mama“, sagt Max.
„Und ich muss jetzt los.“
Da füllen sich Friedas Augen wieder mit Tränen.
Sie schaut flehentlich zu Max auf.
Wer kann einem solchen Mäuseblick widerstehen?
Max sicher nicht.
„Also hier, nimm.“ sagt er.
Und Frieda nimmt dankbar den Strauß in die Schnauze und huscht davon.
Max Laune sinkt.
Was wird Mama wohl sagen?
Er kommt viel zu spät, hat eine kranke Amsel auf dem Rücken und kein Geschenk.
Da ist die Höhle schon und alle sind da und warten.
Omas Torte steht auf dem Tisch, alle halten ihre Geschenke in der Hand
und Mama steht da und spät nach Max aus.
Sein Vater steht neben ihr.
„Gott sei Dank, dass du da bist“, ruft er,
„wir haben uns schon Sorgen gemacht.“
„Wo ist denn dein Geschenk,“ fragt seine Schwester Anja.
„Hast du etwa keins? Was soll denn die Amsel hier?“
„Am Geburtstag der Mutter kommt man nicht zu spät, mein Junge“,
sagt Tante Sophie streng.
„Ich kann soviel Aufregung nicht vertragen“,
jammert Oma, „mein Herz...“
Max senkt den Kopf. Er ist traurig.
Hat er Mama den Geburtstag verdorben?
Er hat es doch nur gut gemeint.
Sie sagt als einzige gar nichts und er wagt gar nicht, zu ihr hinzugucken.
Da räuspert sich die Amsel. Sie sitzt immer noch auf seinem Rücken.
„Verehrte Anwesende“, zwitschert sie würdevoll,
„dieser Junge hier kommt zu spät,
weil er mich, die ich verletzt bin,
auf seinem Rücken langsam getragen hat,
weil er zwei Entenküken geholfen hat, die ihre Mutter verloren haben.
Und er hat kein Geschenk, weil er die tollen Kräuter,
die er für Sie, verehrte Frau Hasenmama, gesammelt hat,
einem traurigen Mäusekind geschenkt hat.
Er ist ein guter Junge.“
Max schielt zu seiner Hasen-Mama.
Mama lächelt ihn an.
Sie kommt zu Max, setzt die Amsel vorsichtig auf den Boden
und nimmt Max ganz fest in die Arme.
„Damit hast du mir eine große Freude gemacht“, sagt sie.
„Das ist ein ganz tolles Geschenk, dass ich einen Jungen habe, der anderen hilft.“
Max schaut sie unsicher an.
Meint sie das ernst? Doch, es scheint so.
Da atmet er auf. „Also bist du nicht traurig,
dass ich kein richtiges Geschenk für dich habe?“,
fragt er nochmal um ganz sicher zu gehen.
„Wenn du anderen hilfst, ist das ein richtiges Geschenk,
ein wunderbares Geschenk.
Und nun lass uns die Amsel verbinden und dann den Kuchen anschneiden und feiern.“
Und das tun sie und feiern ein fröhliches Fest.


So wie die Mutter von Max, so freut sich auch Gott, wenn wir anderen eine Freude machen und helfen.
Da gibt es viele Möglichkeiten, Tag für Tag. Haltet die Augen offen. 

Lied: Wir haben Freude zu verschenken

Samstag, 28. April 2012

Predigt 2 Kor 4, 16-18 Jubilate 2012



2. Kor 4,16-18
Wir werden nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit.
 Uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare.
Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.
(Pause)
Nochmal.
Wir werden nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.
Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit.
Uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare.
Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

Susanne:             Ein schwerer Text, finde ich.
Paulus, ich habe da ein paar Fragen an dich,
wenn du uns so einen Brocken vorsetzt.
Komm doch mal her.
(Paulus steht auf und geht ans Mikro)

Paulus:                Ja?
Susanne:             Wirst du nicht müde?
Wie machst du das?
Du hast doch allen Grund dazu.
Eine Krankheit, die dich fest im Griff hat,
viel Ärger mit den Behörden,
die in Gefangenschaft, Folter und ähnlichen Unannehmlichkeiten ausarten,
lange Reisen, sehr unbequem,
nicht immer Freude an den Gemeinden, die du gegründet hast,
sondern auch Streit und Angriffe und Infragestellung.

Paulus:                Ja, schon.
Aber, das habe ich ja auch den Korinthern geschrieben,
wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht.
Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.
Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen.
Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.
Wir halten nicht den Mund.
Wir werden nicht müde.

Susanne:             Toll, Paulus. Hut ab.
Wie macht ihr das?
Habt ihr ein spezielles Mittel?
Wenn ja, dann solltet ihr eine Gesundheitsberatung aufmachen.
Denn Müdigkeit, Paulus, das ist ein großes Thema bei uns.
Vielleicht habt ihr Besseres zu bieten gegen die Müdigkeit,
als die Ratschläge im Internet:
Fruchtmolke, Eisenpräparate,
2 mal täglich 1 Tasse Ingwerwurzel-Tee trinken,
Darmsanierung, Zink.
Die Müdigkeit, Paulus, hat uns häufig im Griff,.
Ich meine nicht die normale, 
die nun einmal zum Leben dazugehört,
sondern dieses Ausgelaugtsein,
die Antriebslosigkeit, die Schlappheit am Tag,
Müdigkeit, die schlimmstenfalls krankhaft wird, burn out genannt.
Müdigkeit, jeder kennt sie, immer wieder.
Jugendliche in der Pubertät scheinen manchmal gerade noch die Kraft zu haben,
ihre Zimmertür hinter sich zuschnappen zu lassen.
Aber auch, wenn wir Erwachsene fragen,
die sich gerade nicht mit einer hormonellen Umstrukturierung herumschlagen,
wenn wir die fragen „Wie geht’s denn so?“
bekommen wir häufig ein „Ganz gut“ mit einem tiefen Seufzer als Antwort.
Nicht sehr überzeugend.
Man selber neigt auch dazu.
Und du, Paulus, ganz ehrlich,
du siehst auch nicht gerade aus wie das blühende Leben.

Paulus:                Äußerlich mag es so wirken,
vielleicht sehe ich hin und wieder so aus, als sei ich am Ende.
Und letztlich läuft es darauf hinaus, dass es dazu kommen wird.
Ich tanze ständig auf dem Seil,
mit einem Fuß immer im Verderben.
Manchmal bin ich auch kurz vor dem Verzweifeln.
Aber ich betreibe kein Fitnesstraining,
falls du das denkst,
ich suche keine Ärzte auf, trotz meiner Krankheit,
ich tue nichts für meine äußere Erscheinung,
und ich lebe eigentlich ständig über meine Kräfte.
Was soll ich sagen:
Der äußere Mensch verfällt eben.

Susanne:             Richtig, Paulus,
und manche verfallen schneller und manche weniger schnell.
Du warst nie ein strahlendes Aushängeschild für die Gemeinden,
das wissen wir,
und das hat man dir auch immer wieder unter die Nase gerieben.
Aber du warst doch der Motor,
der nicht ausgeht und nicht müde wird,
immer weiter läuft und läuft und läuft.
Wie kann so jemand wie du nicht müde werden
und nicht irgendwann aufgeben?

Paulus:                Meine Liebe, weil ich in dem, was mir begegnet,
immer auch schon das sehe,
was daraus werden kann und wird,
die ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit,
Sie stellt alles zeitlich begrenzte Elend in Frage.
Sie drängt sich immer wieder in den Vordergrund
als Maß und Ziel der Welt.
Gott ist in mir am Werk.
Er erneuert meinen inneren Mensch von Tag zu Tag.
Und ich lebe nicht einfach auf eine schöne Zukunft hin.
Ich erlebe täglich, dass Gott da ist
und Leben und Freude ermöglicht,
wo meine Vorstellungskraft versagt.
Auch wenn das manchmal nicht offensichtlich ist,
so wird doch seine Kraft sichtbar,
gerade weil ich eigentlich nur sehr wenig eigene Kraft habe.
Ich habe Anteil am Leben und Sterben Jesu und an seiner Auferstehung.
Durch mich wird deutlich:
Gott sucht sich keine Kraftprotze,
keine strahlenden Sieger.
Er nimmt durchaus auch Menschen,
die erst einmal nicht auffallen,
Menschen wie du und ich.
Seine Kraft ist das Leben, ist die Liebe,
die sich auch in den schlimmsten Zeiten
immer wieder hervordrängt und gelebt werden kann.
Weil wir das alles glauben,
weil wir glauben,
deshalb laufen und reden wir auch.
Immer weiter und weiter.
Deshalb werden wir nicht müde.

Susanne:            Also, dass ich das richtig verstehe:
Du bist manchmal kräftemäßig am Ende,
hast auch Angst, verzweifelst,
aber Gott gibt dir immer wieder neue Kraft?
Und du kannst in allem einen Sinn erkennen;
auch in deinem Leiden
und deshalb gibst du nicht auf.
Du siehst, dass Gerechtigkeit und Friede sich immer wieder durchsetzen mit Gottes Hilfe.
Du hast die Kraft in Kleinasien eine Gemeinde nach der anderen zu gründen,
obwohl du öfters eigentlich ins Bett gehörst
oder in eine Reha.
Und du glaubst daran, dass Gott weiter handelt
auch durch dich,
und deshalb wirst du nicht müde.

Paulus:                Genau, ich glaube, darum rede ich,
darum werde ich nicht müde, bei dem, was ich tue.

Susanne:             Danke, Paulus!
Ich denke, jetzt komme ich alleine weiter.

Wir werden nicht müde;
sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt,
so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.

Müdigkeit scheint ein wichtiger Gradmesser zu sein.
Ein Gradmesser dafür, wie sehr ich einen Sinn in dem sehe,
was ich tue,
was mein Leben erfüllt.
Wenn mich etwas ganz und gar erfüllt,
überzeugt, inspiriert, Spaß macht, dann werde ich nicht müde.
Dann fällt es sogar schwer, Schlaf zu finden.
Dann ist der Schlaf zwar eine notwendige Erholungspause,
die der Körper nun einmal braucht,
aber keine Flucht ins Vergessen, in die Lethargie.

Lähmende Müdigkeit ist also ein wichtiger Hinweis,
wenn ich den Weg, den ich gerade gehe,
eigentlich auf Dauer nicht gehen möchte.
Müdigkeit ist ein Gradmesser auch für meinen Glauben.
Wenn Paulus recht hat,
dann scheint Gott nicht müde zu werden
uns immer wieder Kraft zu schicken.
Gott ist kein Aufputschmittel und
er kümmert sich auch manchmal reichlich wenig
um unsere körperliche Verfassung,
um unsere Lebensumstände.
Er kümmert sich eher um die Haltung,
um die Ausrichtung,
mit der wir Dinge angehen.
Oder wie es der 66. Psalm ausdrückt:
Gott ist der, der unsre Seelen am Leben erhält
und dadurch unsere Füße nicht gleiten lässt.

Zwei Beispiele für die Art, wie Gott unsere Seelen,
unseren inneren Menschen am Leben erhält,
zum Leben führt:

Franz von Assisi, ein junger Spunt,
Sohn eines reichen Tuchhändlers
zieht in den Krieg.
Aus voller Überzeugung.
Er gerät in Gefangenschaft,
er wird krank.
Immer wieder überfallen ihn merkwürdige Stimmungen,
in denen er sich fragt: Was macht das alles für einen Sinn?
Irgendetwas zieht ihn, aber nicht ins Abenteuer  und in die Ferne.
Wohin das weiß er selbst nicht genau.
Wieder zu Hause treibt er seine Eltern in den Wahnsinn.
Er liegt im Bett herum,
hat zu nichts Lust, schläft, schlunzt herum.
Dann und wann stürzt er sich in den Handel mit Tuch,
nur um sich bald darauf wieder in seinem Zimmer einzuschließen.
Er hat allen Lebensmut verloren.
Dann, in einem Traum, wird seine alte Leidenschaft
für Schönheit und Reichtum und Abenteuer geweckt.
Es reißt ihn hoch und er zieht wieder in den Krieg,
prächtig ausgestattet von seinem glücklichen Vater.
Gott hat eine merkwürdige Art,
den inneren Menschen auf Trab zu bringen.
Aber gleich zu Beginn begegnet Franz einem armen Ritter
und er schämt sich.
Der tapfere Mann sieht so schäbig aus und er ist so aufgeputzt.
Der Weg, den er eigentlich einschlagen soll, beginnt hier:
Er tauscht mit dem Ritter seine Kleider,
er wird wieder krank
und während die Schlacht tobt, liegt er im Bett.
Und wieder hört er eine Stimme im Traum:
Sie kommt aus einem großen Licht und fragt ihn:
Was ist besser, dem Herrn zu dienen oder dem Knecht?
Dem Herrn, sagt Franziskus.
Warum dienst du dann dem Knecht?
Franziskus spürt, wie das Licht ihn erfüllt und beglückt.
Die Stimme schickt ihn nach Hause.
Und Franziskus wird zu dem, als den wir ihn kennen,
Er wird arm und bleibt arm.
Er versöhnt Menschen,
steht mit Vögeln auf du und du.
Er bringt Menschen auf Trab und
auf den Weg des Friedens und der Gerechtigkeit
und das, obwohl er er wie Paulus immer wieder mit Krankheit und körperlichem Verfall leben muss.
Auch Franziskus ist kein Kraftprotz, im Gegenteil.
Aber er ist sich sicher, auf dem Weg zu sein, auf dem Gott ihn begleitet.
Langeweile und Lebensmüdigkeit hat Franziskus nie wieder verspürt.

Das andere Beispiel:
Freya von Moltke fährt auf dem Fahrrad nach Hause.
Wir schreiben das Jahr 1945.
Ihr Mann ist vor kurzem in Plötzensee ermordet worden.
In den fünf Monaten, die sie auf seine sichere Hinrichtung gewartet haben,
haben sie Briefe geschrieben.
Und Helmut James von Moltke hat in dieser Zeit
nur noch die Bibel und das Gesangbuch gelesen.
Mehr als gelesen.
Er ist in die Bibel eingedrungen
und hat dort Gott gefunden und einen Halt.
Das half ihm nicht zusammenzubrechen.
Trotz des drohenden äußerlichen Verfalls hat er so eine innere Stärke bekommen,
die ihn selber manchmal verwundert.
Aber diese innerliche Kraft hat ihm und seiner Frau geholfen,
sich nicht mit dem Ende abzufinden,
sondern sicher zu sein, dass Gott kein Ende zulässt;
Dass sie vereint bleiben auch über den Tod hinaus.
Das hört sich vielleicht ein wenig romantisch an und weltfremd.
Aber wenn Menschen im Angesicht des Galgens
zu einer solchen Haltung kommen,
Tag für Tag, wie Paulus schreibt, die Kraft Gottes von Neuem erfahren,
dann verlangt das Hochachtung.
Freya fährt den Berg hinunter.
Der Frühling beginnt.
Sie lässt die Räder laufen, spürt den Fahrtwind
und fühlt in sich ein überschwängliches Glück,
über das sie sich selber wundert.
Aber sie hat das Gefühl, ihr Mann ist ihr näher,
als in der Zelle in Tegel.
Ihre gemeinsame Lebenszeit war begrenzt.
Aber sie sind nicht getrennt, sie leben weiter in Gott vereint.
Die Verbindung bleibt und die Kraft, die sie daraus zieht.
Das verhindert, dass sie aufgibt, sich fallen lässt
und lebensmüde wird.
Das gibt ihr die Kraft, weiter zu leben
und einen Sinn darin zu sehen.

Unsere Müdigkeit manchmal,
die wir in unserem Leben,
aber auch die Müdigkeit, die wir in der Gemeinde verspüren,
die sollten wir ernst nehmen,
als Gottes Stimme, die uns ruft, Tag für Tag,
uns zu öffnen und auf Trab bringen zu lassen,
egal, ob andere unsere Wege verstehen,
egal, ob wir die Ausstrahlung haben,
die andere von einer Gemeinde fordern,
wach bleiben für das,
was uns wach macht, belebt
durch das, was wir hier tun,
vielleicht auch durch das, was wir nicht mehr tun.

Wir werden nicht müde, sagt Paulus.
Wir haben heute drei Konfirmanden getauft,
die ihren Weg noch suchen
und ich wünsche ihnen, dass sie wach bleiben,
wach für Gottes Stimme, die ihnen sagt:
Du bist, was du bist und du bist gut,
wie Douglas Taufspruch es sagt.
Wach für seine liebevolle Begleitung,
für die Engel, die uns behüten auf all unseren Wegen,
wie Fee es sich wünscht.
Und wach dafür, dass egal, welchen Eindruck andere von uns haben,
Gott  uns immer erkennt und anerkennt,
weil er unser Herz ansieht, wie Emilias Taufspruch es ausdrückt.
Und Gott entdeckt Kräfte in uns,
die uns manchmal selber überraschen
und fröhlich und zuversichtlich machen,
uns dazu bringen Gott wie Hans Dieter Hüsch zu loben:
Ich bin vergnügt
Erlöst
Befreit
Gott nahm in seine Hände
Meine Zeit
Mein Fühlen Denken
Hören Sagen
Mein Triumphieren
Und verzagen
Das Elend
Und die Zärtlichkeit

Was macht dass ich so fröhlich bin
In meinem kleinen Reich
Ich sing und tanze her und hin
Vom Kindbett bis zur Leich

Was macht, dass ich so furchtsam bin
An vielen dunklen Tagen
Es kommt ein Geist mir in den Sinn
Will mich durchs Leben tragen

Was macht dass ich so unbeschwert
Und mich kein Trübsinn hält
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
Wohl über alle Welt.

Amen





Das ist rausgeflogen: 

Wenn ich überlege, was mich ermüdet
und die Menschen um mich herum
dann denke ich, es gibt mehrere Fallen,
in die wir in der Kirche und auch in dieser Gemeinde immer wieder tappen,
Fallen, die uns müde machen,
weil sie viel Kraft kosten und wenig Sinn machen.
Fallen, die ich so beschreiben würde:
Zuviele Ideale und Vorstellungen und Ansprüche – zu wenig Realität
Zuviel Zweifel und Kritik – zu wenig Selbstbewusstsein und Verständnis
Zuviel Konflikte oder Aneinandervorbeileben – zu wenig Gemeinschaft
Zuviel Ernst – zu wenig Spaß oder besser Freude, die ansteckt
Zuviel Tempo – zu wenig Pausen
Zuviel in Sinnloses gesteckte, zu viel vertane Zeit – zu wenig kreativ genutzte Zeit
Zuviel Kraft für die Bestandswahrung – zu wenig Kraft für Visionen
Zuviel Einsatz nach innen – zu wenige Blicke über den Tellerrand zu den anderen.
Zuviel Reden über das knappe Geld – zu wenig Reden über Gerechtigkeit
Zu wenig Raum für die Stille
Zu wenig Raum fürs Gebet
Zu wenig Zeit zum Singen
Zu wenig Gelegenheit zum gemeinsamen Essen und Feiern
Zu wenig Einfluss auf die Welt um uns herum
Zu wenig Raum für Begegnungen mit Gott.


Das auch:
Wenn Sie Ihr Leben betrachten,
was, auf einer Skala von 1-10 gesehen,
würden Sie als Grad Ihrer Wachheit angeben?
Überlegen Sie einen Moment.
In dem Buch Schlafes Bruder von Robert Schneider
sagt Johannes Elias Alder:
Wer schläft, liebt nicht.
Er wählt den radikalen Weg,
um den Platz der geliebten Frau in seinem Leben zu verdeutlichen:
Er schläft überhaupt nicht mehr.
Denn, so seine Meinung: Wer schläft, liebt nicht.

Wach sein und wach bleiben
als Zeichen auch der Gegenwart Gottes?
Wer Gott liebt, schläft nicht oder zumindest wird nicht müde?
Einiges spricht dafür.



Samstag, 7. April 2012

Osternachtspredigt Mt 28



Ostergedanken
 Osternacht 2012 zu Mt 28

Die Erde bebte, als Jesus am Kreuz starb,
bebte, weil sie nicht an sich halten konnte.
Felsen zersprangen,
der Vorhang im Tempel riss entzwei.
Die Erde konnte nicht an sich halten,
weil Gott nicht an sich halten konnte.
Er machte den Schrei Jesu zu seinem.
Er ließ den Tod zu Wort kommen,
ließ die Dunkelheit sich ausbreiten über Jerusalem,
und zeigte uns, dass er das aushält,
mit uns in die Tiefe zu gehen,
sich den Folgen des Hasses und der Feindschaft der Menschen,
ihrem Schmerz auszusetzen.

Drei Tage später,
berichtet Matthäus,
bebt die Erde schon wieder.
Die Erde kann nicht an sich halten,
weil Gott nicht an sich halten kann.
Er lässt das Leben zu Wort kommen,
wälzt durch den Engel
vor den Augen der Wachen und der Frauen den Stein vom Grab
und zeigt ihnen... nichts.
Wunderbarer Weise.
Nichts.
Es gibt nichts zu sehen,
keine Leiche,
keine lähmenden Tatsachen, an denen man nicht vorbeikommt.
Das Grab ist leer.
Alles ist möglich,
wenn nichts zu sehen ist.
Es gibt nur Worte:
Die Feststellung: Er ist nicht hier.
Die Behauptung: Er ist auferstanden.
Die Aufforderung:  Geht und sagt es den anderen und dann trefft ihn in Galiläa.


Knapp 2000 Jahre später
am 7. April 2012
bebt die Erde nicht.
Es ist Nacht, Osternacht.
Überall auf der Welt sitzen in diesen Stunden Menschen in Kirchen
und halten  Gottesdienst,
weil diese Worte von damals weitergesagt wurden.
Überall stellen die Menschen fest:
Jesus ist nicht hier,
er sitzt nicht leibhaftig unter uns in den Reihen.
Überall hören sie die Behauptung:
Er ist auferstanden, er lebt, wahr und wahrhaftig.
Und überall wird ihnen zugemutet:
Geht trotz der Feststellung und mit dieser Behauptung in die Welt
und sagt es weiter:
Sagt: Das Grab ist leer
und aus dieser Leere heraus nimmt das Leben immer wieder einen neuen Anlauf.
Sagt: Gott konnte und kann nicht an sich halten angesichts des Todes.
Immer noch nicht und wird es nie können und wollen.
Sagt: Geht weiter in den Spuren seines Lebens, dort werdet ihr ihm begegnen.

Durch Gott nimmt das Leben einen neuen Anlauf,
immer wieder, aus dem Nichts.
Es holt Menschen in seine Bewegung hinein,
es lädt ein, in den Spuren Jesu weiterzugehen
und dort Gott zu begegnen,
wenn wir Liebe üben, wo man sich hasst,
Wenn wir verzeihen, wo man sich beleidigt,
wenn wir trösten und helfen, wo Trost und Hilfe nötig sind.




Heute haben wir fünf Menschen getauft.
Gott kann nicht an sich halten und mutet es auch uns zu,
mutet es euch zu,
ganz aus euch herauszugehen, auf das Leben zu:
Sucht mich, von ganzem Herzen
und ihr werdet mich finden.
Ich werde bei euch sein, euch behüten auf all euren Wegen. 
Fürchte dich nicht, ich helfe dir.


Worauf hören wir und was sehen wir?
Sehen wir in dem Nichts, der Leere des Grabes vor allem die Enge?
Sehen wir vor allem die schweren Steine vor den Gräbern, die uns sagen:
Hier bewegt sich gar nichts mehr.
Spüren wir vor allem die Verzweiflung hinter der Behauptung:
Gerechtigkeit und Friede werden immer eine Chance haben und der Tod hat nicht das letzte Wort?

Oder sehen wir das Nichts, die Leere als  Raum des Lebens,
den Gott mit unserer Hilfe füllen möchte und füllen wird,
wenn wir mitgehen.
Spüren wir in unseren Herzen die Verheißung in der Behauptung:
Gerechtigkeit und Friede werden immer eine Chance haben
und der Tod hat nicht das letzte Wort.

Glauben wir, auch wenn wir nichts sehen
und es vielleicht auch nur selten spüren,
glauben wir, dass Gott an unserer Seite ist,
dass Jesu Weg uns immer noch offen steht
und sein Geist uns als Kraft begleitet und trägt?

Vermutlich müssen wir uns das immer wieder sagen und sagen lassen:
Der Herr ist auferstanden.
Auch wenn unser Verstand und unsere Vernunft
den Steinen immer wieder recht geben wollen.
Vermutlich müssen wir immer wieder von Gott lernen,
uns nicht so sehr zurückzuhalten,
uns gehen zu lassen, wenn das Leben uns ruft.
Vermutlich sind diese Worte gar nichts wert,
wenn wir sitzen bleiben.
Wir müssen sie sagen, ja,
und dann gehen wir aufeinander zu, damit sie wahr werden.
Wir haben das Versprechen:
Gott kann nicht an sich halten. Er wird mit uns sein.
Er bleibt an unserer Seite und sagt uns durch seinen Engel:
Der Herr ist auferstanden.
Und wir antworten gemeinsam:
Gemeinde: Er ist wahrhaftig auferstanden.
„Wir leben aus Gott - auf die Menschen zu.
Darum gebt einander ein Zeichen des Friedens,
der aus Gott stammt und sprecht:
Friede sei mit Dir.“
Amen.










Donnerstag, 5. April 2012

Karfreitagsmeditation über Mt 27, 45-54 zu einem musikalischen Gottesdienst


Angeregt wurde diese Predigt durch eine Predigt von Hansfrieder Zumkehr, Gottesdienstpraxis "Passion", 2009 und seine Gedanken zum Thema "Abgrund". Im Gegensatz zu ihm bin ich da allerdings nicht so leicht wieder herausgekommen... Aber Ostern kommt ja noch. 


Abgründe tun sich auf.
Gott macht sie sichtbar durch seinen Weg mit Jesus.
Ein Abgrund tut sich auf,
als Menschen schrien: Kreuzige ihn!
Ein Abgrund der Gottesferne.
Diese Menschen sind nicht zu bewegen, aus ihrem Hass aufzubrechen.
Sie stecken fest in der Tiefe der Abgrenzung.
Sie nehmen sich das Recht über Leben und Tod zu bestimmen.
Sie sind sich sicher:
Über den sprechen wir das Todesurteil.
Der verdient es nicht zu leben.
Menschen übertreten ihre Grenzen.
Sie richten sich ein in der Schlucht der Härte,
aus der in dem Moment keine Treppe mehr führt,
kein guter Wille ist mehr möglich,
kein Mitleid, kein Sinn für Gerechtigkeit.
In diesem Abgrund versinkt Jesus.
Stirbt schreiend.
Stirbt schreiend vor körperlichem Schmerz.
Stirbt schreiend vor Verzweiflung.
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ist dieser Abgrund dein letztes Wort?
Vielleicht nicht sein letztes Wort,
aber Gott spricht an diesem Tag nur davon,
spricht von den unausweichlichen Folgen
menschlicher Sünde.
Gott zeigt, welche Abgründe sich auftun,
wenn Menschen sich abwenden von der Stimme des Lebens,
und sich dadurch der Kälte des Todes ausliefern,
andere erschießen,
quälen,
foltern,
verhungern
oder am Kreuz verrecken lassen
ohne Mitleid,
ohne Anteilnahme.
Gott redet durch Jesus von den Abgründen dieser Welt,
und weil Gott es ist, der davon redet,
werden sie sichtbar für alle Welt.
kann niemand ausweichen.
Wo Abgründe sich auftun,
geraten die Dinge durcheinander,
kommt alles in Bewegung.
Das, was die Menschen nicht zeigen,
Anteilnahme, Erschütterung,
das zeigen die Natur und die Dinge,
die sich nach Gottes Willen richten.
Immer, auch hier, sind sie seine Stimme.
Die Sonne verbirgt sich,
weigert sich, mit ihrer Wärme die Kälte dieses Augenblicks zu vertuschen.
Der Vorhang im Tempel kann nicht an sich halten,
es zerreißt ihn, von oben nach unten.
Nichts Heiliges, Verborgenes kann es geben in dem Moment,
in dem Menschen das Heiligste, das Leben, mit Füßen treten.
Das Heilige hängt am Kreuz,
und wer es sehen will muss nach Golgatha blicken.
Die Natur schüttelt sich.
Selbst die härtesten Felsen reißt es auseinander.
Die Heiligen hält es nicht in ihren Gräbern.
Sie wandern über den Hügel von Golgatha und
zeigen ihre Erschütterung:
Jesus ist tot, Gottes Stimme wurde erwürgt,
das darf doch nicht wahr sein.

Das einzig mögliche Evangelium für den Karfreitag:
Das darf doch nicht wahr sein.
Ein heilsbringender Satz, der dem Skandal des Todes nicht ausweicht,
sondern den Tod bitter ernst nimmt.
der Satz, den Gott der Natur, den Dingen in den Mund legt.
Das darf doch nicht wahr sein.
Dieser Satz, der wird erwartet.
Das zerstörte Leben zu sehen und nicht vorbeisehen zu können
und dennoch zu sagen: Das darf doch nicht wahr sein.
Das will Gott von uns hören.
Das spricht er selber in die Abgründe unseres Lebens hinein.
Gott schaut in diese Abgründe, steigt mit hinunter.
Das versteht sogar ein abgebrühter Hauptmann,
der täglich die Schreie der Sterbenden am Kreuz im Ohr hat,
der also nicht so leicht zu erschüttern ist.
Aber an der Erschütterung, die Gott angesichts des Todes Jesu zeigt,
kommt er nicht vorbei.
Er kommt nicht vorbei an der Erkenntnis,
dass tatsächlich Gott durch diesen Jesus geredet hat
und findet keine besseren Worte für diese Verbindung, als zu sagen:
Das war ja dann wohl doch Gottes Sohn.
Und seine Erschütterung ist zu merken.

Das darf doch nicht wahr sein.
Wer diesen Satz sagt,
der weiß zumindest,
dass das Leben anders aussehen muss,
dass ein Mensch nicht ans Kreuz gehört,
sondern zu seinem Feigenbaum und Weinstock,
dass Armut und Reichtum keine Naturgesetze sind,
sondern den tödlichen Abgrund zeigen,
in dem wir es uns oft so behaglich eingerichtet haben.

Es gehört Mut dazu, sich an diesen Satz zu wagen,
denn er setzt nicht nur Berge und tote Heilige;
sondern auch den in Bewegung, der ihn ausspricht:
Das darf doch nicht wahr sein.
Wenn ich mich an diesen Satz wage,
es wage, selbst angesichts der Ungeheuerlichkeiten,
die Menschen bis heute ihren Geschwistern zumuten,
wage mein Herz zu öffnen,
dann tue ich das in der Hoffnung,
Gottes Stimme zu hören,
der mir recht gibt, wenn ich nur noch fassungslos den Kopf schütteln kann.
Dann spüre ich vielleicht auch in dieser Tiefe Gottes Hand,
dann merke ich vielleicht auch,
dass diese Hand mich zieht, ohne noch zu sehen wohin.
Das darf doch nicht wahr sein.
Ob uns dieser Satz hilft aufzustehen,
ob es dieser Satz schafft
den Felsen von den Gräbern der Welt zu rollen,
das wissen wir in dem Moment nicht,
wenn wir ihn aussprechen.
Aber wir verlieren unsere Fassung,
in dem Moment,
in dem wir uns der Ungeheuerlichkeit des
Todes, den Menschen anderen zumuten, aussetzen.
Wir bleiben nicht unbeweglich und unbewegt angesichts des Leides.
Fassungslose Menschen kann Gott bewegen und mitnehmen auf seinen Weg.
Das darf doch nicht wahr sein.
Versuchen wir darauf zu vertrauen,
dass Gott diesen Satz mitspricht und
nicht aufhören wird vom Leben zu reden.
Amen