Samstag, 29. August 2015

Kinderbibelwoche 2015 zum Thema Schöpfung. Predigt zu der Geschichte "Menschen im Meer" und Lk 10


Predigt zur Kinderbibelwoche 2015
Thema:      Schöpfung ( mit der Geschichte „Menschen im Meer“)

Eine Insel wird überflutet.
Die Insel der Großen.
„Warum habt ihr die Insel durchlöchert auf der Suche nach Gold?“,
kann man da fragen.
Und was tun wir, damit es nie mehr passiert?
Das sind wichtige Fragen.
Aber jetzt schwimmen gerade Menschen im Meer.
Kämpfen gegen die Wellen.
Jetzt muss etwas getan werden,
das Naheliegende.
Also werden Boote ins Wasser gelassen.
Alle retten, was und wer zu retten ist.
Auch den uneinsichtigen König.
Keine Diskussion.
Sie helfen und bauen die Insel wieder auf.
Selbstverständlich.
So einfach ist das.

Ein Verletzter liegt am Weg.
Er ist unter die Räuber gefallen.
Da halten Ängste und Egoismus den Mund,
rücken zur Seite.
Da liegt ein Mann, verletzt, blutend.
Da liegt es nahe, ihm zu helfen.
Undenkbar, da vorbei zu gehen.
Keine Diskussion.
Der Samariter holt das Verbandszeug raus
und rettet und wird zum Nächsten für den Verletzten.
Zeit und Geld gibt er dafür.
Selbstverständlich.
So einfach ist das.

Menschen kommen an.
Nach einer langen Reise.
Sie sind unter die Räuber gefallen und geflohen
aus einer Heimat voll Krieg und Verfolgung und Not.
Verletzt sind sie, bluten,
manchmal am Körper,  aber immer an ihrer Seele.
Da fragen doch einige hier tatsächlich:
Was wollt ihr denn hier?
Da schreien sie im Ernst: Haut ab. Und Schlimmeres.
Da weichen Dummheit und Egoismus und Hetze nicht zur Seite
und machen dem Naheliegenden Platz.
Da brennen sie Notunterkünfte ab, wie in den letzten Tagen und Wochen,
in unserem Land.

Da sagen wir „Nein“.
Selbstverständlich.
Das ist doch einfach klar.
Laut und unmissverständlich „Nein“.
„Nein“ ohne Diskussion, ohne jegliches Verständnis für die Menschen,
die solches sagen und tun und das Naheliegende zur Seite fegen.
Und wir tun, was zu tun ist.
Helfen, wie die Menschen in Wilmersdorf beispielsweise in der letzten Woche.
Wie viele Menschen hier in Charlottenburg.
Selbstverständlich.
So einfach ist das.
Für sehr viele Menschen in unserem Land.

Die Kinder haben uns Sätze gesagt, Mahnungen, Regeln, Vorschläge.
Einfache, klar und gut zu befolgende Sätze:
Entspannt und glücklich leben,
die Natur bewahren,
weniger oder wenn es nach Alma geht, gar kein Fleisch essen,
damit diese Pupserei aufhört, die die Atmosphäre vergiftet,
kein Krieg, keine Ausgrenzung, keine Gier,
helfen, selbstverständlich,
bescheiden sein, damit alle genug zum Leben haben.
Eigentlich ganz einfach, oder nicht?

Wenn ich Gott wäre, sagte ein Junge in der KiBiWo,
dann würde ich das nicht zulassen,
nicht den Krieg, nicht das Böse.
Warum ist das so?
Warum werden Menschen zu Räubern und werden gewalttätig,
böse, ungerecht, hassen?
Und warum fallen so viele Menschen unter die Räuber und keiner verhindert das?

Eigentlich ist das wirklich nicht zu verstehen.
Denn eigentlich ist doch so einfach.
Eigentlich brauchen wir alle uns nur dafür entscheiden,
das Naheliegende zu tun:
Gott, unserem Schöpfer, aus tiefstem Herzen dafür zu danken, dass es uns gibt,
wir, seine Lieblinge,
Meisterwerke aus Meisterhand.
Gott hat uns, seinen Lieblingen, die Erde zu Füßen gelegt hat,
ein Paradies.
Wer Gott dafür liebt,
aus ganzer Seele, von ganzem Herzen, mit all seiner Kraft,
der und die wird es einfach tun,
das Naheliegende,
wird teilen und abgeben,
wird zufrieden sein, wenn alle satt werden,
wird nicht reich werden wollen auf Kosten anderer,
wird leben wollen wie es in der Geschichte der Menschen im Meer von der kleinen Insel erzählt wird:
„Denn hier gibt es weder Herren noch Knechte.
Die Kleinen machen alles gemeinsam.
Darum ist auch keiner arm oder reich. Und reich will keiner werden.
Sie pflanzen und fangen, was sie zum Leben brauchten. Nicht mehr.
Und daher haben sie auch viel Zeit zum spielen, zum Singen, zum Tanzen, zum Drachenfliegen und überhaupt auch zum Leben.“
So einfach ist das.
Dann brauchen Menschen nicht mehr unter die Räuber zu fallen.
Dann teilen wir Jesu einfachen Traum vom Paradies, vom Himmel auf Erden.
Dann wird ein Mordinstrument wie das Kreuz hier vorne
zum grünen Baum des Lebens, der Himmel und Erde verbindet
und wir sehen in den Seiten Gottes ausgebreitete Arme,
der alle und alles an sein Herz nehmen will.
(Kreuz wurde von den Kindern geschmückt)

Wir wünschen uns, dass alle glücklich sind, habt ihr Kinder uns gesagt.
Einfach und klar.
Und eigentlich so selbstverständlich.
Da treten Egoismus und Angst zur Seite.
Auch alles Planen und Sorgen.
Da vertrauen wir darauf, dass Gott bei uns ist, bei seinen Lieblingen
Und sagen Ja zu den Menschen, ja zum Leben
und Nein zu Gewalt und Ungerechtigkeit.
Ohne Diskussion.
Nutzen unsere Kraft, um zu tun, was naheliegt,
helfen, selbstverständlich,
und feiern und besingen das Leben aus ganzer Seele wie in diesem Gottesdienst.

Mache ich es mir zu einfach?
Kann schon sein.
Aber das möchte ich in der nächsten Zeit einfach mal versuchen:
Nicht planen, nicht viel diskutieren,
einfach nur Ja sagen oder auch mal Nein
und einfach nur das Naheliegende  tun.
Vielleicht versuchen wir das alle einmal.
Amen




Dienstag, 7. Juli 2015

Sommerabschluss: Mit dem Mond in das Land der Träume Anspiel


Mondnacht

Mensch 1:           Ein schöner Spaziergang, oder?
Mensch 2:            Ja, in der Nacht durch die Stadt gehen ist schön.
Mensch 1:            Alles sieht anders aus.
Mensch 2:            Als ob ein Geheimnis an jeder Ecke wartet.
Mensch 1:            Als ob Träume darauf warten, aufzuwachen.
Mensch 2:            Wir werden ja ganz poetisch.
Mensch1:             Kein Wunder. Schau mal, der Mond!
(Mond steht auf den Altarstufen oben ohne sich zu bewegen)
Mensch 2:            Rund und voll.
Mensch 1:            Er ist so hell und klar. Da können sicher viele nicht schlafen.
Mensch 2:            Komm, wir schauen mal durch das Fenster hier.
Mensch 1:            Da liegt eine und dreht sich hin und her.
Mensch 2:            Die kann auch nicht schlafen.
Mensch 1:            Sollen wir ihr was singen, damit sie in ihre Träume findet?
Mensch 2:            Ich kann nicht singen.
Mensch 1:            Warte, ich habe hier was auf mein Handy runtergeladen.
(setzen sich, schlafen selber bei dem Lied ein)

Solo:                   Lullaby 
Clara                    Sollte das ein Schlaflied sein? Mich hat es nun ganz wach gemacht. Ach, ich sehne mich so nach Weite und Abenteuer.
(schaut sich um)
Mama möchte, dass ich mein Zimmer aufräume und morgen früh aufstehe. Damit ich in den Ferien nicht verwahrlose, sagt sie. Blödsinn. Ferien sind dazu da, dass ich endlich mal tun kann, was ich will. In den Tag hineinleben oder auch in die Nacht. Und diese Nacht ist doch sicher nicht zum Schlafen da, wenn der Mond so hell scheint.
(steht auf, stellt sich ans imaginäre Fenster, verträumt)
Der Mond, der Mond, da möchte ich gerne einmal hin. Auf die Erde schauen, weit im Weltall schweben. Oder auf einem Mondstrahl reisen. Wie der kleine Häwelmann.  Durch die ganze Welt in meinem Bett fahren. In Traumwelten.
Wie war das doch? Leuchte alter Mond leuchte? (Pause, energischer) Leuchte, alter Mond, leuchte!
Mond:                  (bewegt sich und tritt zu ihr) Wenn du denkst, ich lass mir diesen Ton noch einmal bieten, hast du dich getäuscht. Der kleine Häwelmann, dem war es nicht genug durch die Stadt zu rollen. Den musste ich in die Stadt bringen und als es ihm zu langweilig war, in den Wald begleiten, und dann auch noch in den Himmel. Da hat er mir die ganzen Sterne durcheinander gebracht und ist mir zuletzt noch über die Nase gerollt. Und die ganze Zeit hat er „Alter“ zu mir gesagt, alter Mond.
Clara:                   Entschuldige.
Mond:                  Was willst du?
Clara:                   Durch die Welt reisen, vielleicht auch in die Träume der Menschen hineinsehen.
Mond:                  Das würde ich dir nicht raten.
Clara:                   In die schönen Träume. In die Träume von einem schönen Leben.
Mond:                  Hm.
Clara:                   Und fliegen, ich will fliegen können!
Mond:                  Dazu musst du mich erst überreden und das geht mit einem einfachen „Ich will“ nicht.
Clara;                   Wie denn?
Mond:                  Du musst mein Herz erweichen.
Clara:                   Seit wann hat der Mond ein Herz?
Mond:                  Wie bitte?
Clara:                   Schon gut. Ich weiß nur nicht, wie ich das mit deinem Herzen hinkriegen soll.
Mond:                  Du musst deine Sehnsucht spüren, damit du bereit bist, ihr zu folgen.
Clara:                   Meine Sehnsucht spüren?  Ich finde das richtig peinlich, was du da gerade abziehst.
Mond:                  Tja, ich bin nichts für Menschen, die nicht mal abheben können und denen alles peinlich ist.
Clara:                   Ja, ja. Sei nicht so empfindlich.
Mond:                  Ich bin der Meister der Träume und ich kenne mein Geschäft und weiß, was da nötig ist, klar?
Clara:                   Ist ja gut. Was soll ich tun?
Mond:                  Konzentriere dich einfach auf deinen Wunsch, auf deinen Traum
Clara:                   (setzt sich, schließt die Augen) Fliegen will ich, zum Mond fliegen, flieg mich zum Mond, dass ich mit den Sternen spielen, flieg mich, flieg mich...

Solo:                   Fly me to the moon        
(nach Worten „hold my hand“ nimmt der Mond Clara bei der Hand und führt sie los, evt. auch mit Tanzen....)

Mond:                  War’s schön, das Fliegen?
Clara:                   Großartig, wunderbar. Und jetzt?
Mond:                  Jetzt sammeln wir Träume.
Clara                    Die guten.
Mond:                  Ja doch.  (Gehen durch die Gemeinde und sammeln Träume ein, greifen dabei über die Köpfe der Leute und tun sie in einen Korb.)
Mond:                  Komm, setzen wir uns. (Bank mit gelbem Tuch)
Clara:                   Wo sind wir hier?
Mond:                  Im Himmel, in der Weite, die ist nötig, damit Träume sich ausbreiten können.
Clara:                   (zeigt auf die Bank) Das sieht aber nicht stabil aus.
Mond:                  Das ist ein Bordstein der Milchstraße. Vertrau mir und setz dich. (setzen sich, Clara sehr vorsichtig) Schauen wir mal, was wir da haben. (greift in den Korb und holt den ersten Traum heraus (Silberpapie ro.ä. ) und wirft ihn in die Luft)
Traum 1:              (kommt mit Bademantel und Schirm) Hach, ein Sandstrand, warme Luft, warmes Meer, in das ich eintauchen kann. Alles loswerden, was mich bedrückt. Freie Zeit, die nur mir gehört. (geht ab)
Clara:                   Der Traum gefällt mir.
Mond:                  Dachte ich mir. Der nächste.
Traum 2:              (kommt mit einem großen Glas Nutella und einem Buch)  Ein Glas Nutella für mich ganz alleine. Und ich kann mich damit einfach ins Bett legen und lesen und das Glas dabei leer essen.
Clara:                   Auch nicht schlecht. Was die Leute so in der Kirche träumen.
Mond:                  Ich wundere mich auch. (hält ihr den Korb hin)  Hier greif du mal rein. (Clara tut es)
Traum 3:              (Kommt mit einer Gitarre) Ich will Musik machen, die die Herzen erreicht. Meine Stimme soll den Himmel und die Erde füllen, wunderbare Melodien will ich mir ausdenken und wie Eric Clapton Gitarre spielen.
Clara:                   Ganz schön selbstbewusster Traum.
Mond:                  Tja, beim Träumen trauen sich die Menschen eben viel mehr zu als beim Wachen. (greift den nächsten Traum)
Traum 3:              (kommt auf hohen Schuhen, mit kurzem Rock)  Ich will die Laufstege erobern und trotzdem weiter Schokolade essen. Ich werde das Model der Zukunft, kompakt und schön! 
Clara:                   Vergiss es. Das setzt sich doch nie durch.
Mond:                  Clara! Wir sind im Land der Träume. Flieg mit ihnen mit, sonst sitzt du hier nicht lange.
Clara:                   Sorry. (zeigt auf den Korb) Darf ich?
Mond:                  Bitte. (Clara wirft Traum)
Traum 4:              (kommt mit einem Bild von Haus, Familie und Geldsack) Ich will glücklich werden, in einem Haus, mit meiner Familie und genügend Geld zu leben.
Mond:                  Ein sehr häufiger Traum.
Clara:                   Ich finde den schön. Träume ich auch ab und zu.
Mond:                  Kindchen, du musst erst mal in die Welt hinaus. Ans Häuserbauen kannst du später denken. (wirft den nächsten)
Traum 5:              (kommt im Arztkittel) Ich will Arzt werden und ein Mittel gegen den Hass erfinden. Dass alle Menschen friedlich sind und sich nicht mehr töten oder schlagen, dass sich ihre Herzen öffnen und sie teilen.
Clara:                   (zweifelnd) Also...
Mond:                  Clara! (Clara hebt begütigend die Hände, wirft den nächsten Traum hoch)
Traum 5:              (kommt mit einem roten Herzen) Ich träume davon, dass er mich liebt, er der Einzige und Wahre, der tolle Junge aus der 10. Klasse. Eines Tages kommt er auf dem Schulhof zu mir und fragt „Hey, Kino heute Abend?“ und ich sage „Ja“ und dann fragt er: „Soll ich dich abholen?“ und ich sage „Ja!“ und dann holt er mich ab und wir fahren U-Bahn und dann reden wir und mir fallen lauter witzige Sachen ein und er ist total begeistert von mir und dann gehen wir ins Kino und er kauft Popcorn für uns beide und hält dann meine Hand im Film und danach fahren wir nicht mit der U-Bahn, sondern laufen durch die Stadt, und reden und lachen und er legt seinen Arm um mich und dann..
Mond:                  Reicht. Ein sehr redseliger Traum. Nächster.
Traum 6:              Ich träume von einer Küsterei ohne Wasserfleck. Mit neuen Möbeln und neuem Boden, eine helle, klare Atmosphäre, ein Ort, den die Menschen gerne aufsuchen und an dem ich gerne arbeite.
Clara:                   Ein sehr praktischer Traum.
Mond:                  Ja, aber einer den man umsetzen kann, wenn andere sich den Traum zu eigen machen. (wühlt im Korb herum) Moment mal, Moment mal, was haben wir denn da? Wie ist denn der hier reingeraten?
Clara:                   Was denn?
Mond:                  Ein alter Traum, ein sehr alter Traum. Wurde reingeschmuggelt und ich kann mir auch schon denken, von wem.
Clara:                   (deutet fragend nach oben)
Mond:                  Richtig. Gott pfuscht mir manchmal ins Handwerk. (schaut nach oben) Entschuldige. Ich meine natürlich, Gott nutzt ab und zu mein Traumland um die Menschen auf die richtige Bahn zu führen und sie auf neue Ideen zu bringen.
Clara:                   Mach’s nicht so spannend.
Mond:                  (wirft den Traum hoch)

Traum 6:              Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann, mit hellem Licht und offenen Toren und einem funkelnden Fluss köstlichsten Wassers, an dessen Ufer sich friedliche Völker versammeln. (nach Apk 21)
Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. (Micha 4)

Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach:
Gott:                    Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Und er will bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein,
und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.
Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu (Apk. 21)

Clara:                   Schööön.
Mond:                  Gefällt dir?
Clara:                   Ja. So müsste die Welt sein.
Mond:                  Na, dann tu deinen Teil dazu.
Clara:                   Ich kann nichts.
Mond:                  Moment. (greift über ihren Kopf und holt ihren Traum und wirft ihn in die Luft)
Traum 7:              (kommt mit einer Feder und einer Papierrolle) Ich schreibe Geschichten und Gedichte, die  zu Herzen gehen und die Grenzen der Welt und des Lebens dehnen. (denkt nach)  Hm... (schreibt, dann schwärmerisch) „Die Sterne beugen sich nieder, und der Mond fließt den Fluss hoch“ (Du Fu)
Mond:                  Wow. Ich liebe Gedichte über mich.
Clara:                   Glaube ich dir. Aber du hast recht, Schreiben, das ist mein Traum.
Mond:                  Ich weiß. So genug geträumt. Zeit wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen, was für dich soviel heißt wie „Ab ins Bett.“
Clara:                   Ja, jetzt kann ich schlafen. Ich freue mich schon drauf. Schickst du mir einen schönen Traum?
Mond:                  Ich schau mal. (nimmt sie an der Hand, führt sie wieder runter, sie verabschieden sich, Mond geht nach auf die Altarstufen und erstarrt)
Mensch 1:            (wacht auf, pufft Mensch 2 in die Seite)
Mensch, wach auf. Wir haben uns selber in den Schlaf gesungen.        
Mensch 2:            Tatsächlich. Und ich habe so wunderschön geträumt.
Mensch1:             Was denn?
Mensch 2:            Sag ich nicht. Hatte was mit Schulhof und Kino zu tun.
Mensch 1:            Lass mich raten! Und mit Jonathan!
Mensch 2:            Lass das. (schaut zu Clara)  Schau mal, sie schläft.
Mensch 1:            Und lächelt. (schaut zum Mond)  Und der Mond ist immer noch nicht untergegangen. Komm wir gehen weiter.
Mensch 2:            Kennst du „Der Mond ist aufgegangen“?
Mensch 1:            Klar. Hat meine Mutter öfters am Abend gesungen.
Mensch 2:            Das können wir doch jetzt singen.
Mensch 1:            Das ist doch peinlich.
Mensch 2:            Hört doch keiner. Außerdem: In einer warmen Mondnacht wie dieser ist gar nichts peinlich.
Mensch 1:            Also gut.
Lied:                   (mit Gemeinde) Der Mond ist aufgegangen
Mond:                  Danke Leute, wünsche allerseits viel freie Zeit, neue Weiten und schöne Träume. Ich geh dann mal unter. Bis morgen. (geht ab)

Donnerstag, 4. Juni 2015

Predigt Mk 2,1-11 Steh auf! Zur Kitaeinweihung 31.5. 2015


Predigt Mk 2,1-11 Steh auf! Zur Kitaeinweihung
Steh auf I.

Steh auf!
Wer mag diesen Satz?
Ich nicht.
Steh auf!
Da höre ich meine Mutter rufen:
Steh auf.
Meist früh am Morgen.
Und unangebracht fröhlich.
Steh auf?
Nenn mir einen guten Grund, warum ich aufstehen soll, murmele ich.
Die Sonne scheint, bietet sie mir an.
Reicht nicht. Decke und Bett und Traum wiegen stärker.
Früüühstück, lockt sie.
Brötchen?, frage ich und öffne ein Auge.
Heute nicht.
Reicht nicht.
Schule! Steh auf!!
Die Decke wird zur Seite gezerrt.
Nicht von mir, wohlgemerkt.
Und ich... stehe auf, irgendwie.
Aufstehen...
... in einen Tag mit Mathe und Erdkunde und –
Gott sei’s geklagt –
auch noch Latein...
Wer kann das wollen?
Wer öffnet dafür die Augen?
Wer steht dafür gerne auf?

Steh auf II.

Steh auf!
Sagt die Mutter dem Sohn, dem gelähmten,
sagt es ihm an vielen Morgen.
Steh auf.
Sagt es lockend, liebevoll, verzweifelt und auch voll Wut.
Steh auf!
Er hasst diesen Satz.
Aufstehen? Ja, wie denn?
Die Beine gelähmt.
Die Krücken fasst er nicht an.
Schon lange nicht mehr.
Er liegt ja doch nur herum, am Rand des Lebens anderer.
Steh auf?
Warum?
Um sich ans Tor zu schleppen, zu betteln?
Um den anderen bei ihrem Leben zuzusehen?
Wie sie fröhlich Wasser vom Brunnen holen,
rennen, reden, die Schafe aufs Feld treiben,
und abends mit Wein und Mädchen an den See Genezareth gehen?
Seine Freunde sagen ihn auch, den Satz.
Sagen ihn voller Mitgefühl, freundlich,
wollen ihn dabei haben,
wollen ihm helfen:
Steh auf.
Aber das reicht ihm nicht.
Ich  bin ihnen doch nur eine Last, denkt er.
Er sieht die Welt nur vom Boden her.
Lässt sich vom Blick der Leute niederdrücken,
die ihm sagen:
Geht nicht, das Gehen.
Wird nie gehen.
Wirst nie aufstehen.
Wirst deiner Mutter eine Last sein. Immer.
Er will sein Leben nicht.
So nicht.
Liegen bleiben, beschließt er eines Tages.
Nichts mehr sagen. Nichts mehr tun. Schon gar nicht aufstehen.
Nicht mal ein Auge öffnen.
Wozu auch? Für einen leeren Tag?
Wer kann das wollen?
Wer öffnet dafür die Augen?
Wer steht dafür gerne auf?

Steh auf III.

Steh auf, Friedensgemeinde,
sagen die Zahlen, sagt die Vernunft, sagt Mutter Kirche.
Sagt nüchterne Sätze wie:
Das Geld reicht nicht.
Die Personalstellen reichen nicht.
Ihr müsst etwas tun. Verkaufen, verkleinern.
Die Gemeinde kann so nicht leben, nicht arbeiten.
Nicht in der Zukunft.
So geht es nicht.
Nicht, nicht, nicht.
Da hören wir weg.
Da drehen wir uns auf die andere Seite,
ziehen die Decke über den Kopf, jahrelang.
Verkaufen, verkleinern.
Das kann uns nicht locken.
Wer kann das wollen?
Wer öffnet dafür die Augen?
Wer steht dafür gerne auf?

IV. Steh auf und sieh in den Himmel

Steh auf, sagt der Mann, den Gott uns schickt, damit wir aufstehn.
Steh auf und lass dich vom ziehenden Boden befreien,
von der Unlust des Schultages,
von der Last der gelähmten Jahre,
von der Enge der Zukunft,
von der Fessel des Mammon.
Schau hoch in das Loch im Dach!
Da lacht dir der Himmel zu, da lacht dir das Leben.
Da tanzen die Verrückten, die die Tür nicht nehmen
und nicht warten, bis sie an der Reihe sind.
Die ein Dach aufbrechen, einfach so,
und im Himmel beginnen, was sie auf der Erde nicht bewegen können.

Steh auf
und wenn dir Mathe und Latein begegnen,
dann ist das nur die Hälfte des Tages,
die andere, das bist du im warmen Frühlingstag,
morgens auf dem Fahrrad,
ein Stück vom Himmel,
das ist das Lachen mit deiner Freundin und das Eis nach der letzten Stunde.
Und vielleicht fällt die sogar aus.

Steh auf,
und wenn sie dir „Geht nicht, das Gehen!“ sagen, hör nicht hin.
Lass nicht zu, dass sie dich lähmen und ausgrenzen.
Sie schauen auf dich nieder,
aber du schaust durch das Loch im Dach.
Du siehst die Sonne tanzen,
siehst deine Freunde, die dich in den Himmel ziehen wollen,
und stimmst ein in ihr Lachen.
Du lässt dir von Gott, dem großen Freund, unter die Arme greifen.
Du nimmst sein Geschenk an und liebst zurück, liebst in die Welt.
Du nimmst dein Bett in die Hand und dein Leben.
Und dann noch ein Wunder: Du gehst.

Steh auf,
und wenn sie sagen: „Ihr müsst!“, dann ist das nur die Hälfte der Wahrheit.
Lasst euch nieder im Traum von lebendiger Gemeinde.
Hört auf eine, die träumt von einem bunten Haus und einem Garten
und Kindern und Erwachsenen, die dort munter spielen und reden,
über Gott und seine Welt.
(Falls Felicia da ist: Und wenn ihr euch schwer tut, ins Träumen zu kommen, dann holt euch eine mit Flügeln im Gepäck, die zeigt euch, wie man sie gebraucht.)
Und wenn ihr Schwierigkeiten habt, das Haus zu malen, dann holt euch Hilfe.
Die gibt es und die können das sehr gut. Und können sogar bauen.
Und auch noch schön!
Und denkt nicht nach, ob ihr das wohl schafft.
Dann fangt ihr nämlich gar nicht erst an.
Geht gemeinsam los, steht euch gegenseitig bei.
Lasst euch auch mal unter die Arme greifen und  staunt über das, was geht.
Und wenn ihr Geld braucht, dann bittet Gott, das Wasser beiseite zu schieben,
und der tut das tatsächlich manchmal auch
und schickt euch den Käufer und den Kirchenkreis und die Landeskirche dazu.
Und nehmt alle mit in die Leichtigkeit  und Farben des Traumes.
Dann schmerzt mancher Abschied immer noch, aber vielleicht etwas weniger.  
Dann baut ihr das Haus und den Himmel bekommt ihr dazu geschenkt.
Und teilen dürft ihr ihn auch.



V. Steh auf und geh.

Öffne die Augen und schau nach oben,
in das Loch im Dach, das Gott immer für dich bereit hält.
Himmel scheint herein.
Sonne und Wolken.
Der Flug eines Vogels.
Für einen Moment: Vergiss den Boden, auf dem du liegst.
Für einen Moment: Sei dort oben und erlaube deinem Leben, sich in den Himmel zu weiten.
Leicht, ganz leicht ist alles, für Momente.
Vergeben und vergessen die Schwere, die dich am Boden hält.
Das Wollen nimmt das Können an die Hand.
Du spürst, wie die Erde sich dreht.
Spürst Gottes Hand, der die Dinge am Laufen hält.
Hörst seine Stimme: Steh auf.
Und gehst.  
Amen.