Donnerstag, 21. Dezember 2017

1 Joh 3, 1.2 und Ich steh an deiner Krippen hier. 1. Weihnachtstag 2017


Aufbau der Predigt

Seht, welch eine Liebe I
(Die Hirten auf dem Feld.)
Str. 1 Ich steh an deiner Krippen hier
Seht, welch eine Liebe II
(Paul Gerhard vor der Krippe, 1)
Str. 2. 5. 12
Seht, welch eine Liebe III
(Paul Gerhard vor der Krippe, 2)
Str. 3.4
Seht, welch eine Liebe IV
(Krippe unter dem Weihnachtsbaum)
Str. 14
Seht welch eine Liebe V
(Unser Weg von der Krippe in die Welt)
Schluss.
Im Anschluss Musik

1 Johannes 3, 1-2 Weihnachten 2017

Der Predigttext für den 1. Weihnachtstag steht im 1. Johbrief, im 3. Kapitel.
1 Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch! Darum erkennt uns die Welt nicht; denn sie hat ihn nicht erkannt.
2 Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Seht, welch eine Liebe I
(Die Hirten auf dem Feld.)

Seht!
Welch eine Liebe!,
sagt der Engel und deutet mit dem Finger oder vielleicht ist es auch ein Flügel auf den Feldweg in Richtung Bethlehem.
Seht! Ihr werdet finden das Kind in der Krippe.
Die Hirten schauen erstaunt auf eine helle Gestalt in den leuchtenden gelben Gewändern, leichter Stich ins Blaue.
Ihr werdet sehen, antwortet der Engel.
Was genau werden wir sehen?, fragt der eine.
Gott, sagt der Engel.
‚Ein Kind’ hast du gerade gesagt, antwortet er.
Der Engel seufzt: Wenn es offenbar wird, werdet ihr ihm gleich sein; denn ihr werdet ihn sehen, wie er ist.
Wie Gott ist, fragt ein anderer ungläubig?
Ja, sagt der Engel etwas ungeduldig. Ihr werdet ein Herz und eine Seele mit ihm sein.
Der Hirte schaut an sich herunter.
Ein Umhang, fleckig, leicht angerissen.
Was soll das, fragt er, willst du uns hochnehmen?
Der Engel seufzt.
Er blickt nach oben und nickt.
Die himmlischen Heerscharen haben nur auf den Moment gewartet, scheint es.
Sie fliegen, schweben oder lassen sich einfach herab, genauer kann man ihr Erscheinen nicht beschreiben.
Sie stimmen ihren Gesang an und die skeptischen Stimmen der Hirten verstummen.
Eingehüllt sind sie in klingenden Lobpreis und hellen Frieden auf Erden.
Einen Moment, so scheint es ihnen, werden ihre Füße so leicht, dass sie den Boden nicht mehr spüren.
Dann entzieht sich das singende Volk wieder in himmlische Sphären und die Hirten bleiben allein.
Sie schauen sich stumm an.
Dann machen sie sich auf den Weg. Sie können gar nicht anders.
Sie kommen zum Stall, öffnen die Tür, sehen kurz zu den Eltern, die erschöpft im Stroh neben der Krippe sitzen.
Sie schauen in die Krippe hinein, auf das Kind,
seinen kleinen Kopf,
sehen das Haar, das daran klebt,
die kleine Nase,  die runden Wangen,
kurz öffnen sich die Augen,
richten sich auf die Gesichter, die sich über die Krippe neigen.
Und auf einmal wird etwas ganz weich und zart in ihnen.
Es ist es, als ob sich die ganze Welt ihnen öffnet:
Das Kind schaut sie an und schläft wieder ein.
Und in dieser Zartheit, da sehen sie, sehen tatsächlich, wie Gott ist und wie sehr er ihnen gleicht.
Seht, welch eine Liebe hat uns unser Gott erwiesen, dass wir seine Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!
Langsam richten sich die Hirten auf, heben den Kopf:
Selbstbewusst und ein wenig stolz lächeln sie sich zu.
Sie stehen mitten in einem hellen Frieden voller Liebe und spüren zum ersten Mal:
Wir sind mittendrin, bereit alles zu geben,
unser Herz, unsere Seele, unseren Mut,
bereit alles von Gott zu empfangen.
Seht!
Welch eine Liebe!
Wir bleiben an ihrer Seite und besingen diesen Moment:
1. Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;
Ich komme, bring und schenke dir,

Was du mir hast gegeben.

Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,

Herz, Seel und Mut, nimm alles hin

und lass dir's wohlgefallen.



Seht, welche eine Liebe II
(Paul Gerhard vor der Krippe, 1)

Seht!
Welch eine Liebe!
Im Jahr 1651 sitzt einer versunken in seinem Haus.
Weihnachten ist in Mittenwalde.
Paul Gerhard ist Pfarrer dort.
Die Schrecken des 30 Jährigen Krieges stecken drei Jahre nach seinem Ende allen im Geist und in den Gliedern.
Frieden ist noch ein Fremdwort.
Das Land ist verödet, ganze Dörfer in Brandenburg entvölkert.
Viele Menschen sind Epidemien, dem Hunger oder den Heeren zum Opfer gefallen.
Die überlebt haben, sind verroht und orientierungslos.
Paul Gerhard war elf Jahre, als die Kriege begannen.
Jetzt ist er 44.
Und allein. Eine Frau und Kinder hat er nicht.
Wer könnte auch an Liebe denken in diesen Zeiten oder gar eine Familie gründen?
Paul Gerhard versenkt sich in die Weihnachtsgeschichte.
Er tritt mit den Hirten in den Stall.
Er beugt sich mit ihnen über die Krippe und schaut auf das Kind.
Er sieht den kleinen Kopf, das Haar, das daran klebt,
die kleine Nase,  die runden Wangen,
kurz öffnen sich die Augen,
richten sich auf sein Gesicht.
Die schwarze Dürre des Lebens, das zerstörte, öde Land tritt zur Seite.
Etwas bricht auf, das macht ihn zum Menschen, zum Ebenbild Gottes.
Seht, welch eine Liebe hat uns Gott erwiesen, dass wir seine Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!
Zärtlichkeit erfüllt ihn,
ein ungewohntes Gefühl:
Das hatte im Kampf ums Überleben keinen Raum.
Jetzt steht er plötzlich mitten in einem hellen Frieden voller Liebe und spürt:
Ich bin mittendrin, bereit alles zu geben, mein Herz, meine Seele, meinen Mut,
bereit alles von Gott zu empfangen.
„Ich steh an deiner Krippen hier, oh Jesu du mein Leben.
Ich komme bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.“
Ein Liebesgedicht schreibt er unter dem Eindruck dieses Erlebnisses.
Und findet wunderschöne Worte, um diese Beziehung zu beschreiben.
„Meine Seele, mein Herz, nimm alles hin.“
Im Kind in der Krippe tritt ihm ein göttliches Du auf Augenhöhe entgegen.
Es öffnet ihn und er spürt eine Sehnsucht, die über alle Grenzen hinausgeht.
„Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen.
Oh, dass mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen.“
Alles, alles möchte er für das Kind tun, sein Freund sein, seine Krippe schmücken.
Er ist ein Mann, der es sich in diesen Zeiten gestattet, die Zärtlichkeit, die ihn ganz erfüllt, in Worte zu fassen.
Die waren dann teilweise für ein protestantisches Gesangbuch doch etwas zu viel.
Aber wir sind nicht zimperlich und schwelgen mit ihm:

2.
Du hast mit deiner Lieb erfüllt

mein Adern und Geblüte.
Dein schöner Glanz, dein süßes Bild

liegt mir ganz im Gemüte.

Und wie mag es auch anders sein:

Wie könnt ich dich, mein Herzelein,

aus meinem Herzen lassen!


5.
Ich sehe dich mit Freuden an

und kann mich nicht satt sehen.
Und weil ich nun nicht weiter kann,

bleib ich anbetend stehen.

O dass mein Sinn ein Abgrund wär

und meine Seel ein weites Meer,

dass ich dich möchte fassen!



12. Zur Seiten will ich hier und dar
viel weißer Lilien stecken.
Die sollen seiner Äuglein Paar

im Schlafe sanft bedecken.

Doch liebt viel mehr das dürre Gras

Dir, Kindelein, als alles das,

was ich hier nenn und denke.



Seht welch eine Liebe III
(Paul Gerhard vor der Krippe, 2)

Seht!
Welch eine Liebe!
Weihnachten ist.
Die trostlose Welt um ihn herum ist noch da.
Paul Gerhard hat sie nicht vergessen.
Er sieht in dem Kind, wie Gott ist,
hilflos und wehrlos dem Dunkel ausgeliefert,
und doch voller Macht, die Herzen zu rühren.
So ist Gott und so ist er selber.
Wie ein Kind sehnt er sich nach Nähe, Geborgenheit und Liebe in schwarzen Zeiten und weiß jetzt: Gott teilt meine Sehnsucht.
In den Augen dieses Kindes sieht er, was noch nicht offenbar ist, aber was seit Anbeginn der Zeit, als er noch nicht geboren waren, die Welt erfüllt:
Gottes Augen schauen mich an,
wie ein Vater, wie eine Mutter,
voller Liebe.
Was ich mir selber nicht sagen kann,
das sagt Gott mir und allen Menschen seit Beginn der Schöpfung,
voller Zärtlichkeit und Liebe:
Sehr gut seid ihr, wirklich sehr gut, meine Kinder.
Paul Gerhard richtet sich auf, selbstbewusst, voller Freude.
Er spürt:
Ich stehe mitten in einem hellen Frieden voller Liebe.
Ich bin mittendrin, bereit alles von Gott zu empfangen,
alles zu geben.
Paul Gerhard erlebt durch das Kind in der Krippe die Botschaft des Jesus von Nazareth hautnah, die sagt:
Keiner kann euch diese Würde nehmen.
Eure Gotteskindschaft,
die setzt eine Grenze für alle, die die Augen verschließen vor der Zärtlichkeit, zu der Gott alle Welt einlädt, vom ersten Tag an.
Diese Zärtlichkeit mag nicht offenbar sein, aber sie ist in der Welt.
Auch heute, allem zum Trotz, dürft und könnt ihr sie leben.
In ihr begegnet ihr Gott.
Paul Gerhard hat sich dieser Zärtlichkeit geöffnet.
Er hat es noch mit Mitte Vierzig in diesen schweren Zeiten gewagt eine Frau zu lieben und seine Kinder.
Er hat immer wieder Bitteres erlebt in der Folge.
Aber er ist Gott auf Augenhöhe begegnet, hat es gewagt, mit seinen Augen die Welt zu betrachten.
Er weiß, Gott ist in der Welt, und damit ist meine Zukunft trotz allem offen.
Seht!
Welch eine Liebe!
Wir singen:
3.
Da ich noch nicht geboren war,

da bist du mir geboren.
Und hast mich dir zu eigen gar,

Eh ich dich kannt, erkoren.

Eh ich durch deine Hand gemacht.
Da hast du schon bei dir bedacht,

wie du mein wolltest werden

4.
Ich lag in tiefster Todesnacht.
du warest meine Sonne,

Die Sonne, die mir zugebracht

Licht, Leben, Freud und Wonne.

O Sonne, die das werte Licht

des Glaubens in mir zugericht't,

wie schön sind deine Strahlen!

Seht welch eine Liebe IV
(Die Krippe unter dem Weihnachtsbaum)

Seht!
Welche eine Liebe!
Sie stellt die Figuren der Weihnachtsgeschichte auf unter dem Weihnachtsbaum.
Wie jedes Jahr.
Ein Bein der Krippe ist abgebrochen.
Sorgsam klebt sie wieder an.
Alle umstehen sie das Kind.
Die Hirten, die Sterndeuter, hinter der Krippe Maria und Josef.
Schöne Figuren sind es, geschmackvoll geschnitzt.
Sie liebt ihre Krippe, kennt die Figuren von klein auf, sie hat sie von den Eltern geerbt.
Jedes Jahr wird es für sie Weihnachten, wenn sie diese Szene, diesen wichtigen Moment der Weihnachtsgeschichte aufbaut.
Sie weiß: Jedes Jahr in allen Ländern der Welt wird es Weihnachten in vielen Häusern, Geschäften, Kirchen.
Wie sie stehen Menschen vor der Krippe und werden einen Moment still, schauen und lassen sich anschauen.
Seht! Welch eine Liebe!
Und immer wieder spüren Menschen den Wunsch, dass an Weihnachten doch einmal alle und alles ein Herz und eine Seele sind.
Sie teilen die Sehnsucht des Kindes in der Krippe, die nicht aufhört, sondern weitergeht und weitergeht seit tausenden von Jahren.
Sie seufzt.
Tante Gerda wird es ihnen wie immer schwer machen mit dem Frieden, verbittert wie sie ist.
Und hoffentlich wird keines der Kinder noch krank.
Die Weihnachtsfreude ist zerbrechlich.
Deshalb ist ihr dieser Moment wichtig, sie alleine mit der Krippe.
Kaum kann sie ihn genießen. Es ist noch viel zu tun.
Einen Moment noch wartet sie.
Und dann kommt es doch, ein heller Frieden voller Liebe
Und die Gewissheit: Ich bin mittendrin.
Weihnachten.
Wir singen mit ihr:

14.
 Eins aber, hoff ich, wirst du mir,

mein Heiland, nicht versagen:

Dass ich dich möge für und für

in, bei und an mir tragen.

So lass mich doch dein Kripplein sein.
Komm, komm und lege bei mir ein

Dich und all deine Freuden.


Seht welch eine Liebe V
(Unser Weg von der Krippe in die Welt)
1 Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch! Darum erkennt uns die Welt nicht; denn sie hat ihn nicht erkannt.
2 Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Mit all diesen Menschen stehen auch wir heute vor der Krippe hier in der Kreuzkirche.
Wir schauen sie an und werden angeschaut.
Gott ist nicht fertig mit uns, niemals.
Gott schaut uns an, richtet uns auf.
Selbstbewusst und ein wenig stolz dürfen wir uns zulächeln, Kinder Gottes, jeder und jede von uns.
Ich wünsche Ihnen und euch allen, dass Sie diesen besonderen Moment, an dem Weihnachten geschieht, erleben und zulassen,
einfach überfließen vor Zärtlichkeit, auch die Männer.
Das ist ok an Weihnachten. Das ist auch kein Kitsch.
Das ist von Gott so gedacht, der uns nicht umsonst als Mensch anlächelt.
Gott wünscht und schickt uns diese Momente:
Da stehen wir gemeinsam mittendrin in einem hellen Frieden voller Liebe,
sind ein Herz und eine Seele miteinander und mit Gott,
wollen einfach nur unser Bestes geben, füreinander, für die Welt.
Nehmen wir diese Sehnsucht nach einer offenen Welt mit in das Neue Jahr.
Bleiben wir wach für diese kostbaren Momente.
Da  verlieren unsere Füße ein wenig den Kontakt zur Erde.
Wir lächeln einander zu und sagen:
Seht, welch eine Liebe.
Amen.


Montag, 18. Dezember 2017

Röm 15, 4- 13 3. Advent 2017


I. Vom Backen
Gott ist verliebt.
Ins Gelingen.
Nicht ins Scheitern.
(Bloch, Wir sollten ins Gelingen verliebt sein, nicht ins Scheitern.)
Gott ist verliebt.
In die fröhliche Freude.
In den beweglichen Frieden.
Da gibt ein Wort das andere, ohne sich ins Wort zu fallen.
Da reicht eine Hand der anderen das Sieb, das Mehl.
Butterflocken lassen sich von knetenden Händen erweichen,
verbinden sich mit Mehl und Zucker und Eiern zu einem geschmeidigen Teig.
Zusammen werden sie Duft.
Der erfüllt die Küche, dringt  in die Räume, und darüber hinaus.
So gelingen Plätzchen. Wenn alle sich verbinden.
Gott ist verliebt.
Ins Gelingen.
Nicht ins Scheitern.

II. Vom Scheitern
Gott ist verliebt.
Aber nicht blind.
Er sieht wie seine Kinder scheitern und setzt doch alle Hoffnung auf sie.
Das braucht Geduld, viel Liebe und manchen Trost,
damit die Hoffnung ihr Ziel behält.

Tröstet, tröstet mein Volk! fordert Gott in der heutigen Lesung seine Propheten auf. 
Israel ist gescheitert.
Von Freude und Friede ist nichts zu sehen.
Sie wollten eine Weltmacht werden und nun liegen sie am Boden.
Ihr Land ist in der Hand der Fremden, sie selbst sitzen deportiert im fremden Babylon.
Geduld, meine Lieben, sagt Gott, Geduld.
Ja, ihr habt euch verrannt.
Wer ist auch so blöd und mischt Machthunger und Gewalt in meinen Teig.
Das kann nur schiefgehen. 
Aber jetzt, meine Propheten, jetzt ist es Zeit zum Trösten:
„Redet mit der Stadt Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist.“
Fangt noch einmal an.
Werft alles zusammen in einen Topf.
Gebt die Freude hinein, dass ihr lebt, 
mischt eine Prise Sehnsucht dazu,
die Sehnsucht nach eurem Zuhause, nach Frieden,
dazu etwas Lobpreis für mich, den Schöpfer der Welt, der bei euch ist, alle Tage,
Knetet das durch, kräftig.
Knetet gemeinsam die Gegenwart einmal durch.
Ihr werdet sehen, das verbindet sich zu etwas, dass ihr leben könnt.
Das Scheitern hat nicht das letzte Wort.

III. Wie der Teig gelingt
Gott ist verliebt.
Ins Gelingen.
Nicht ins Scheitern.
„Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.“
Das schreibt Paulus an die Christinnen und Christen in Rom:
Die Gemeinde in Rom hat diese Worte nötig.
Sie zanken sich.
Götzenopferfleisch essen, ja oder nein?
Die Schwachen, die Vorsichtigen sagen:
Auf keinen Fall. Wir halten uns an Gottes Gebote in jeder Beziehung. Die Freiheit in Christo hat ihre Grenzen.
Die Starken, die Draufgänger sagen:
Essensgebote, das ist doch kein Thema mehr.
Jesus hat uns dazu befreit, dass alle mitmischen sollen, auch die Heiden.
Wir lassen uns keine Grenzen setzen. Schon gar nicht so kleinkarierte. –
Halten wir uns nicht lange mit ihrem Streit auf.
Wir haben unsere eigenen Streitigkeiten.
Und Paulus schickt ein Rezept für  eine besondere Backmischung nach Rom.
Die könnte auch uns interessieren.
Sie enthält Geduld, Trost, Hoffnung und sehr viel Lobpreis.
Paulus mahnt die Gemeinde, das gemeinsame, einträchtige Kneten und Backen nicht aus dem Blick zu verlieren, sich zu verbinden miteinander, statt gegeneinander.
Schließlich soll der Teig gelingen, das Reich Gottes aufgehen in dieser Welt.
Er schreibt:

Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben.
5 Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht,
6 damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.
7 Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre.

Paulus macht eine Pause.
Christus ist doch beides, denkt er, Jude nach dem Gesetz und gleichzeitig Gottes Bote der Barmherzigkeit für alle Welt.
Juden und Nichtjuden sollten sich verbinden im Lob Gottes, so dass die ganze Welt aufhorcht, beide ihres dazugeben.
Wie mache ich ihnen das klar?
Er  überlegt: Lasse ich doch die Heilige Schrift auf sie niederprasseln,
alle Zutaten, um vereint den Willen Gottes zu leben und so schreibt er weiter:

8 Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Beschneidung geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind;
9 die Heiden aber sollen Gott die Ehre geben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht »Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.«
10 Und wiederum heißt es »Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!«
11 Und wiederum (Psalm 117,1): »Lobet den Herrn, alle Heiden, und preisen sollen ihn alle Völker
12 Und wiederum spricht Jesaja (Jesaja 11,10): »Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais, und der wird aufstehen, zu herrschen über die Völker; auf den werden alle Völker hoffen.«

So, sagt Paulus und reibt sich die Hände,
jetzt weiß hoffentlich jeder, was er zu tun hat.
Die Juden halten allen die Verheißungen Gottes und seine Gebote im Gedächtnis.
Die Heiden ehren Gott und verkünden seine Barmherzigkeit für alle. 
Nun noch ein versöhnlicher Schluss und er fasst sein Rezept noch einmal zusammen:
13 Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Ich gebe zu: Eine etwas umständliche, langwierige Backanleitung.
Ich bin versucht sie beiseite zu legen.
Schließlich ist Adventszeit.
Eine Zeit mit wenig Zeit für solche Dinge.
Geduld gehört nicht zu meinen Stärken.
Immerhin habe ich gelernt, dass es keinen Sinn macht, immer noch mehr und mehr Butter in einen Teig zu werfen, damit sich das Mehl schneller bindet.
Kann ich nur von abraten.
So wie Paulus den Christinnen und Christen davon abrät, die Geduld und das  Wichtigste aus dem Blick zu verlieren:
Ihre Gemeinschaft.
Sie ist wichtig, damit Gottes Rezept von der Liebe gelingt.
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre.
Das braucht Zeit, Leute, sagt Paulus, das braucht Geduld, das braucht sehr viel Liebe und Verständnis.
Gott setzt seine Hoffnung auf euch, mahnt er.
Schließlich soll der Teig gelingen, sein Reich aufgehen in dieser Welt.
Ihr sollt einen Teig kneten, dessen Duft die ganze Welt verführt.
Verführt zur Freude, zu Frieden, zu Gerechtigkeit.
Wie könnt ihr das hinkriegen, wenn ihr Zwietracht, Arroganz und Ungeduld mit hineinmischt,
wenn jeder von euch an einem eigenen Teig bastelt?! Hm?
Das duftet nicht.
Das stinkt zum Himmel!
Wer soll sich denn davon angezogen fühlen?

IV. Jesus, der vorbildliche Bäcker
Gott ist verliebt.
Ins Gelingen.
Nicht ins Scheitern.
Gott ist verliebt.
In die fröhliche Freude.
In den beweglichen Frieden.
Gott ist verliebt, aber nicht blind.

Er weiß, wie schwer uns das fällt.
Ganz schnell kippt die Stimmung.
Da stößt mich einer unbedacht vor dem Kopf.
Schon sinkt meine Offenheit in sich zusammen.
Ich bin gekränkt, werde misstrauisch.
Vielleicht halte ich an mich, aber ich sehe mich vor. Man weiß ja nie.
Es ist schwer wieder da rauszukommen, locker zu werden, wieder zur Freude aneinander zurückzufinden.
Und es ist wichtig, im Blick zu behalten, was wir eigentlich teilen und gemeinsam leben wollen.
Dann gelingt es uns vielleicht nachsichtig miteinander zu sein, uns zu zeigen, dass wir uns achten.
Zur Liebe gehört die Geduld, die aushält und nach vorne blickt,
anstatt sich gegenseitig aufzurechnen, was gescheitert ist.
Zur Freundschaft gehört der lange Atem, der das Gemeinsame immer wieder sucht.
Zu der Gemeinschaft von Christinnen und Christen gehört es,
auszuhalten, dass vieles nicht gelingt und doch immer wieder das eigene dazuzugeben und das Gelingen von Gottes Rezept für den Weg zu halten, der uns hilft in Frieden zu leben.
Gott weiß, wie sehr die Welt in  das Scheitern verstrickt ist.
Und wir wissen es auch: Die Zeitungen sind voll davon.
Gott kennt diese Menschen, die Unfrieden säen mit ihrer Arroganz, ihrem Machthunger.
Sie benutzen sogar sein geliebtes Jerusalem dazu.
Gott kennt die Verzagtheit der Kirchen, der Gemeinden.
Wir haben Wichtiges beizutragen, doch offenbar keinen Platz auf den Podien der Mächtigen.

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.
Das ist das Rezept, das Paulus uns gibt.
Jesus hat es gelebt.
Für uns.
Als Einladung, es ihm nachzutun.
Jesus wusste, er hat nicht viel Zeit. Und Macht schon gar nicht.
Er hat seine Zutaten dazu gegeben, damit das Reich Gottes aufscheine in dieser Welt.
Er hat sich auf das konzentriert, was er gut  konnte:
er hat Geschichten über die Freude und den Frieden Gottes erzählt und
Menschen heil werden lassen an Körper und Seele.
Er war für die da, die die Hoffnung am Wegesrand hat liegen lassen.
In seinen Tagen ist das Rezept aufgegangen,
so leuchtend, dass sogar Johannes im Gefängnis trotz des nahenden Todes davon hörte:
Blinde sehen, Lahme gehen und die gute Nachricht wurde verkündet, dass die Armen strahlen und sich freuen. 
Johannes war sich sicher, es ist nichts gescheitert. Es geht weiter.

Jesus hat sich nicht ablenken lassen, nicht vom Besitzdenken,
nicht von der Angst vor Gewalt,
nicht von den Streitigkeiten und Schwächen seiner Jüngerinnen und Jünger.
Er ist seinen Weg gegangen, er hat sich seinen Teig nicht verderben lassen,
ja, er ist zum Brot des Lebens geworden,
dessen Duft die ganze Welt zum Frieden verführen möchte.

V. Bäckerinnen und Bäcker in der Nachfolge

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.
Paulus weist uns aneinander.
Er weist uns auf die Aufgabe hin, die wir als Bäckerinnen und Bäcker des Teiges Gottes haben und gibt uns damit Jesu Rezept weiter:
Gebt das dazu, was ihr wirklich geben könnt als Christinnen und Christen in der Nachfolge Jesus:
Nehmt euch Zeit, wenn keiner sich Zeit nimmt.
Tröstet den Traurigen, vor dessen Schmerz andere zurückweichen.
Hört geduldig der zu, für die keiner Geduld aufbringt.
Streicht dem über die Schulter, vor dem alle  zurückschrecken.
Sprecht Mut zu, wenn die Hoffnung aussichtlos erscheint.
Holt die von der Straße herein, vor denen sich alle Türen verschließen.
Haltet den Frieden für möglich, auch wenn andere euch naiv schimpfen.
Lasst Arroganz und Geltungsdrang einfach sein.
Weigert euch, falsche Zutaten in den Teig zu geben, damit ihr den verführerischen Duft nicht verderbt, der von Gottes Reich ausgeht.
Ihr wisst: So viele glauben mittlerweile, dass die Welt den Bach herunter geht. Aber unser Gott redet anders, geduldig, tröstend,
wie zu seinem Volk Israel in den Tagen der Verzagtheit,
wie Jesus geredet hat mit den Menschen auf seinem Weg.
Gott setzt alle Hoffnung auf uns und auf sein Rezept.
Er sagt:
Seid nicht ins Scheitern, seid ins Gelingen verliebt, meine Kinder. Wie ich.
Werft alles zusammen in einen Topf.
In euren Kirchen, in eurer Gemeinde.
Gebt die Freude hinein, dass ihr lebt, 
mischt eine Prise Sehnsucht dazu, Sehnsucht nach einer friedlichen Welt,
dazu etwas Lobpreis für mich, den Schöpfer der Welt,
der bei euch ist, alle Tage,
Knetet das durch, kräftig.
Knetet gemeinsam die Gegenwart einmal durch.
Ihr werdet sehen, das verbindet sich zu etwas,
das duftet einfach unwiderstehlich.

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Amen.

Samstag, 11. November 2017

Lk 11, 14-23 Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr 2017


I. Es ist Nacht.
Ein Traum greift nach mir.
Die Saat geht auf.
Was ich weggesteckt habe am Tag, kommt hoch im Schlaf, gewinnt Gestalt.
eine Welt, der ich nicht entrinnen kann.
Dunkle, dämonische Gestalten,
greifen nach mir, treiben mich in die Enge.
Kalt und unbarmherzig.
Lähmen meinen Körper.
Verschließen meinen Mund.
Sprachloses Entsetzen.
Und dann zieht mich etwas aus dem Schlaf.
Ich wache auf.
Greife um mich.
Spüre die Decke, das Bett.
Blicke um mich: Vertrauter Raum.
Tiefes Durchatmen.
Ich bewege mich.
Gott lockt mit seinem Finger den Morgen hervor.
Wie immer.
Menschen gehen auf der Straße zur Arbeit, bringen ihre Kinder in die Kita.
Die Welt hat mich wieder.
Liegt offen und frei vor mir.
Alles gar nicht so schlimm.
Ich kann sehen, reden, handeln, kann leben.
Was für eine Erleichterung!

Es ist Tag, ein Tag in dieser Welt.
Einer steht vor der Kirche in seiner kleinen Stadt,
irgendwo im Nirgendwo von Gods own country.
Ein Gewehr hat er in der Hand.
Er hört das Reden und Lachen und Singen der Menschen.
Doch sein Herz rührt sich nicht.
Schweigen und Bitterkeit, Hass und etwas Rotes in seinen Augen lähmen es.
Er findet keine Worte für diese Menschen, nie mehr.
Nur eine Tat löst sich aus der Enge seines Alptraums,
den er lebt mit offenen Augen.
Und er stößt die Tür auf –
und durchbricht die Wand zu den anderen mit der einzigen Sprache, die ihm noch geblieben ist.
Hinterlässt Tod und sprachloses Entsetzen.
Alptraum Leben.
Kein Morgen folgt.

Es ist Tag, ein Tag in dieser Welt.
Und die Sonne glüht und Wasser ist fern.
Die Menschen im Jemen wissen:
Keine Macht der Welt interessiert sich für sie.
Eingesperrt sind sie zwischen dem mörderischen Hass der Rebellen und der Profitgier der Großen.
Und sterben ihren Alptraum Leben.
An Cholera. An Schüssen. An Hunger und Durst.
Mit den Booten aus Deutschland blockieren die Saudis die Häfen.
Keine Flucht möglich.
Die UNO malt die größte Hungerkatastrophe seit Jahrzehnten an die Wand, die die Menschen dort von dem Rest der Welt trennen.
Doch keiner antwortet.
Das tödliche Schweigen vernichtet die Kinder des Jemen.
Alptraum Leben.

Gibt es da noch einen Morgen?
Ein erleichtertes Aufatmen?
Wir können das doch mit dem Mitgefühl oder haben wir die Worte verlernt und Gott ausgesperrt?
Wie lösen wir uns aus den Alpträumen, die uns die Sprache rauben?
Wie finden wir Worte, die trennende Wände durch Mitgefühl niederreißen und nicht wie Gewehrkugeln durch die Welt schießen, einander stoßen und verletzen?
Und hilft uns Gott dabei, diese Worte zu sammeln und uns den Mund zu öffnen?

Eine Geschichte aus der Bibel erzählt davon, erzählt von einem Tag,
der beginnt als Alptraum und endet paradiesisch.
Ein Märchen, so scheint es und doch ein Tag in unserer Welt.
II. Es ist Tag.
Und doch kein Leben um ihn.
Kein Geräusch dringt durch sein Ohr.
Er sieht lautloses Geschehen an sich vorbeilaufen,
Kinder spielen,
Bauern auf dem Markt reißen die Münder auf und preisen ihre Ware an.
Männer stehen in Gruppen auf der Straße, Frauen am Brunnen.
Ihre Hände bewegen sich in der Hitze ihrer Gespräche.
Er kann es nicht hören, er kann nicht eingreifen in dieses lautlose Geschehen.
Er spürt eine Wand um sich wie in einem bösen Traum.
Sein Mund ist verschlossen. Seine Zunge liegt lahm in ihrer Höhle.
Er sieht, ja, aber kein Mensch sieht ihn.
Er steht mittendrin und ist doch draußen,
erbarmungslos getrennt von allem,
von den Menschen und auch von Gott, den er nicht spürt in seiner Welt.
Sprachlos.
Einsam und allein.
Keine Macht der Welt interessiert sich für ihn.
Alptraum Leben.
Und  da kommt einer und  lockt mit Gottes Finger Leben herein in seine Starrheit.
Sein Mund bewegt sich.
Etwas Liebevolles, Zuversichtliches hat ihn gestreift, sein Herz bewegt,
sanft und doch machtvoll.

Und die Wand fällt in sich zusammen und sein Raum weitet sich.
Leichtes verscheucht den dunklen Traum.
Sonne spürt er
und den Wind hört er rauschen.
Menschen reden.
Er weiß: Die Welt hat mich wieder.
Liegt offen und frei vor mir.

Was für eine Erleichterung!

Und Jesus trieb einen bösen Dämon aus, der war taub und stumm.
Und es geschah, als der Dämon ausfuhr, da redete der Taubstumme. Und die Menge verwunderte sich.


Und alles hört zu.
Alle schauen ihn an, als ob sie ihn zum ersten Mal sehen.
Die Bauern haben ihren Stand verlassen, die Frauen die Wasserkrüge vergessen,
sie umstehen ihn staunend.
Er sieht ihnen in die Augen,
fängt ein vorsichtiges Lächeln auf, gibt es zurück, merkt:
wir teilen denselben Raum.
Er hält ihnen Worte hin wie Blumen,
möchte gemeinsam mit ihnen Helles zaubern gegen die Dunkelheit.

III.
Doch schon löst sich der Blick der Leute von ihm, heftet sich auf Jesus, fragt:
Ist es Tag oder ist es Nacht?
Welche Macht will da über uns kommen?
Dieser Mensch da, der gebietet so selbstverständlich über Dämonen. Tödliche, verderbliche Kräfte sind das doch,
Werkzeuge des Teufels, die das Gute im Menschen auffressen,
unersättlich sind und sein werden, bis sie alle Macht über uns haben und über die ganze Welt.
Ist er mit ihm im Bunde?
Verführt uns ein teuflischer Alptraum oder lockt Gott uns durch ihn mit einer leuchtenden Vision seines Reiches?
Sie zögern.
Schon wächst Misstrauen und Furcht, kriecht in ihre Herzen und lähmt ihre Zunge.
Eine Mauer des Schweigens zieht sich langsam hoch.
Doch da weht ein Wind zwischen ihnen.
Und etwas rührt an ihr Herz, ganz sanft, ganz leicht nur.
Doch sie spüren es und Mut kommt und sie tun den Mund auf.
Gott sei Dank.
Behalten es nicht für sich.
Reden und geben dem Leben und diesem fremden Wundertäter eine Chance, der sie aufmunternd anlächelt.

Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die bösen Geister aus durch Beelzebul, ihren Obersten. Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.
Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet und ein Haus fällt über das andre.
 Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die bösen Geister aus durch Beelzebul. Wenn aber ich die bösen Geister durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein.
Wenn ich aber durch Gottes Finger die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.
Wenn ein Starker gewappnet seinen Palast bewacht, so bleibt, was er hat, in Frieden.
Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute.
Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“


Und viele folgen der Einladung,
trauen ihren Herzen, dem Guten, das sie sehen, vernehmen die Worte des einstigen Stummen und sagen sich:
Nein, wirklich, da würde sich der Teufel tatsächlich ein Eigentor schießen. Das ist nicht in seinem Sinn. Das ist nicht er.
Und sie holen Wein und Brot und noch dies und das und sitzen die ganze Nacht mit diesem Rabbi aus Nazareth.
Ein Wort hält dem anderen die Hand hin, verbindet sich, holt andere dazu, gewinnt an Farbe.
Gottes Finger lockt ihre Träume hervor, ihr Hoffen, ihre Kraft.
So ist das Reich Gottes ja zu euch gekommen.
Eine Nacht lang glauben sie, dass das Leben sich in Gottes Takt bewegt.
Und manche nehmen das am nächsten Morgen mit in ihr Leben,
trauen weiter der sanften Macht Gottes,
testen die Grenzen aus mit ihrem friedlichem Willen,
sehen den anderen, den Fremden, blicken in ihre Zukunft,
zum ersten Mal mit Mut und ohne Angst und wissen in ihrem Herzen:
Mitten unter uns ist er, der treue Gott mit seinem sanften Geist.
Was für eine Erleichterung!

IV. So ist das Reich Gottes ja zu euch gekommen, versichert uns Jesus.
Mitten unter uns lebt Gott,
lockt mit seinem Finger hinein in die Weite.  
Doch nicht jeder folgt seinem Fingerzeig.
Viele schießen ihre Wörter wie Kugeln durch den Raum der Welt,
sie prallen aneinander, verletzen sich,
bauen Wände, Mauern, ganz hohe,
hinter denen sich Dämonen einrichten, die gefräßig alles Mitgefühl und alle Zukunft in sich aufsaugen,
andere in die Nacht ihrer Alpträume ziehen,
blutige Spuren hinterlassen,
Menschen gegeneinander aufbringen und sie zu Analphabeten des Friedens machen.
Wir mögen uns fragen, warum Gottes Finger so sanft nur an Herzen rührt
und freundliche Worte wie ein Hauch erscheinen
und der Ruf nach Frieden und Gerechtigkeit oft wie Hohn.
Aber seine Geschichten erzählen auch, wie unbeirrbar Gott redet und lockt.
Jeden Tag, auch in der tiefsten Schwärze des Todes, der Jesus sich ausgesetzt hat, für uns, antwortet Gott mit Leben:
Er weckt uns mit guten Worten,
er lässt einen Wind aufkommen,  der unser starres Denken verwirrt,
er lockt Leben in die von Dämonen des Hasses und der Angst verseuchten Gegenden unseres Leben.
Unser Gott spricht  und spricht,
wie am ersten Tag
vom Guten, immer vom Guten
und hält uns seine Worte hin wie Blumen.
Wir wachen auf und sehen:
Die
Welt liegt offen und frei vor uns.
Wir sehen, reden, handeln, leben
.
Es ist an uns die Blumen anzunehmen aus seiner Hand und daraus einen Strauß zu binden, der bunt ist und nach Sommer duftet,
andere verführt, ihre Worte dazuzutun.
Wir wissen: Wir sind auf der sicheren Seite.
Die Welt ist nicht des Teufels.
Es ist und bleibt Gottes Welt. Heute und alle Tage.
Setzen wir uns gemeinsam an den Tisch,
teilen Brot und Wein und dehnen die Enden der Nacht,
testen die Grenzen aus mit unserem friedlichem Willen,
bringen Mauern ins Wanken,
sehen den anderen, den Fremden, blicken in die Zukunft,
mit Mut und ohne Angst und vertrauen in unseren Herzen:
Mitten unter uns ist er, der treue Gott mit seinem sanften Geist.
Was für eine Erleichterung!
Amen.



Freitag, 3. November 2017

Mt 10, 34-39 Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Von schwierigen Entscheidungend


Jeden Tag entscheiden wir uns,
im Kleinen und manchmal auch im Großen.
Diese Hose oder jene,
diesen Weg oder gehe ich heute mal anders,
der Regen hat nachgelassen, soll ich walken gehen? Gut wäre es ja.
Soll ich Rosenkohl in den Einkaufswagen legen, obwohl meine Kinder ihn nicht mögen?
Ja, sollen sie leiden, heute bin ich mal dran.
Kleine Entscheidungen und manchmal auch große,
Entscheidungen, die mein Leben bestimmen.
Mathestunde schwänzen? Ja oder Nein.
Gut, dass ich es getan habe.
Denn auf dem Spielplatz, auf den ich mich mit meiner Freundin zurückgezogen habe, da konnte ich die große Frage klären, was werden soll nach dem Abi und Theologie gewählt.
Sie kennen das auch, vermute ich,
diese kleinen und großen Entscheidungen,
im täglichen Leben und die großen, die Ihr weiteres Leben prägen,
der Partner, die Partnerin, mit dem, mit der  Sie es teilen,
der Ort, an dem Sie leben und vieles mehr.
Vielleicht teilen Sie auch meine Bewunderung für Menschen,
die ihr ganzes Leben unter eine große Entscheidung stellen.
Sie  entscheiden sich voller Leidenschaft für ein großes Ziel,
leben es ohne Wenn und Aber, ordnen alles andere dem unter.
Tolstois Anna Karenina verlässt Mann und Kind und lebt kompromisslos ihre Liebe zu dem schönen Alexej Wronski.
Sie lässt ihr Leben am Ende.
Aber es gibt kein Zurück in das Gleichmaß ihres bürgerlichen und farblosen  Daseins.
Undenkbar.
Marilyn Monroe ist leidenschaftlich in das Bild der erfolgreichen Schauspielerin verliebt.
Sie lebt es, auch wenn es über ihre Kräfte geht und versucht das unsichere, misshandelte Kind vor sich und anderen zu verstecken.
Nie wieder will sie sich dem Grau einer Nebenrolle ausliefern.
Nicht im Beruf, nicht im Leben.
Nelson Mandela entscheidet sich für die Liebe zur Gerechtigkeit:
Er will die Unterdrückung seiner Leute, der Schwarzen in Südafrika beenden.
Das lebt er, ohne Rücksicht auf seine Liebe zu seiner Frau, seinen Kindern.
Die Liebe für ein befreites Südafrika überlebt auch 27 Jahre Gefangenschaft auf Robben Island.
Am Ende ist noch Kraft da, um das Leben dort zu gestalten.
Seine Frau hat er auf dem Weg verloren.

Manchmal frage ich mich, ob ich mich nicht immer wieder deutlicher entscheiden muss,
intensiver leben, mich intensiver und klarer einsetzen für andere,
den Lauf der Welt nicht so voll ohnmächtiger Wut oder Angst hinnehmen, intensiver...
Tja, sagt da einer neben mir.
Ich warte gerade an der Kasse mit meinem Rosenkohl im Wagen.
Du mal wieder, sage ich. Was liegt an?
Ich habe dein inneres Gemurmel gehört, sagt Jesus.
Wundern Sie sich nicht.
Der kommt ab und zu vorbei, auch wenn  er stört.
Und?, frage ich.
Entscheidungen sind wichtig, sagt er ernst.
Was du nicht sagst, erwidere ich ironisch.
Klare Entscheidungen, die auch mal wehtun, vermisse ich bei euch ab und zu.
Ich deute auf den Rosenkohl.
Vergiss deinen Rosenkohl, sagt Jesus abschätzig.
Ich vermisse in euren Entscheidungen die Größe,
dass ihr die Welt im Blick habt,
die Gerechtigkeit, die Gott wünscht,
dass ihr ohne Wenn und Aber der Klarheit folgt, die Gott euch ins Herz gelegt hat, und nicht nur euer Mittagessen im Kopf habt.
Komm schon, Jesus, sage ich, ich bin beim Einkaufen.
Er zieht mich aus der Schlange vor der Kasse, direkt vor das Regal mit tausendundeiner Süßigkeit.
Ich wende seufzend den Blick ab.
Hast du einen Tipp?, frage ich ihn. Kleine Entscheidungshilfe?
Natürlich, sagt er und sein Ton wird etwas weihevoll, sein Blick streng.
Höre denn.

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.
36 Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.
37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.
38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert.
39 Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden.

Na, holla, holla, Jesus, sage ich erschüttert. Das ist aber starker Stoff.
Wie meinst du das?, fragt er erstaunt.
Das klingt sehr anstrengend. Und brutal. Und verletzend.
Wie war das mit der Liebe und der Gewaltlosigkeit?
Ich meine das mit dem Schwert doch nicht wörtlich, sagt er gereizt.
Du kennst mich doch.
Was kann ich dafür, dass Menschen meine Worte missbrauchen, aus dem Kontext reißen und Kreuzzüge anzetteln, diese Kretins.
Nein, ich will,  dass ihr euch einsetzt, ganz und gar, mit Haut und Haaren, für das Reich Gottes.
Seid kompromisslos. Seid klar.
Brennt, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, mit aller Kraft,
Nährt euch einzig und allein aus der Flamme der Liebe Gottes.
Schneidet alles ab, werft aus eurem Leben, was diese Flamme in euch verdeckt oder löschen könnte.
Haltet euch an das Gute, um jeden Preis!
Da müssen manchmal klare Entscheidungen getroffen werden, die weh tun, dir selber und anderen auch.
Mit deiner Mutter warst du ganz schön grob, versuche ich ihn zu bremsen.
Meine Mutter, sagt er mürrisch.
Die hat gesagt, ich habe einen Knall.
Die Römer bestimmen hier, hat sie gesagt, das weiß doch jeder.
Wir müssen sehen, wie wir über die Runden kommen.
Du als der Älteste hast Pflichten, hat sie gesagt.
Reiß dich zusammen und tu, was von dir erwartet wird.
Und du hast sie einfach stehen lassen, erinnere ich ihn und hast von da an auf der Straße gelebt.
So ist es, erwidert er,
die Vögel haben Nester, aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann.  
Klingt verführerisch, sage ich spöttisch.
Ja, sagt er, viele sind mir gefolgt.
Zwölf, berichtige ich ihn.
Ach was, erwidert er, glaub doch nicht alles, was das du liest.
An manchen Tagen waren wir zu 100en unterwegs.
Hier, schau mal.
Und er legt mir eine Hand auf den Kopf und mein Blick verschwimmt.
Ich sehe eine große Gruppe von Menschen auf einer staubigen Landstraße hinter Jesus hergehen,
Männer und Frauen.
Einer hebt den Blick und sieht mich an:
Er isst mit den Sündern, sagt er, er hat mir die Tür zum Leben geöffnet, als ich noch Zöllner war.
Jetzt helfe ich und öffne anderen die Türen.
Er berührt die Verachteten und Ausgestoßenen, fährt eine Frau fort und es ist ihm egal, ob er Ärger mit den Pharisäern bekommt.
Jetzt kriege ich meine Tage wieder regelmäßig.
Er hat gesagt, tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen, sagt ein Jugendlicher, ja, es ist schon mitten unter euch. Durch mich.
Und er hat recht. Es geschehen Zeichen und Wunder.
Und wir gehen seinen Weg mit.
Aber die Welt ist doch gefährlich und brutal, erwidere ich und rast auf den Abgrund zu, heute noch mehr als damals.
Reich Gottes? Wo denn?
Das Reich Gottes ist eben nichts für Memmen, mischt sich eine große Frau ein.
Es ist da, wenn du ihm eine Chance gibst.
Wir haben unser altes Leben verloren, aber haben wir ein neues gewonnen, mitten in dieser verkorksten Welt.
Aber es ist gefährlich und kann euch euer Leben kosten, werfe ich ein.
Und Jesus wird...
Doch ich bremse mich. Das Ende kommt früh genug.
Sollen sie doch die Zeit mit ihm auskosten.
Ja, es ist gefährlich, fährt die Frau fort, und manchmal auch schmerzhaft, aber der Gewinn ist groß.
Wir sind frei.
Leben wie die Lilien auf dem Feld. Gott sorgt für uns.
Nehmen uns die Freiheit für den Frieden zu leben in gewalttätigen Zeiten.
Ich habe mein Herz ganz der Lebendigkeit und Liebe Gottes geöffnet.
Es ist wunderbar zu handeln und zu reden, wo andere nur ohnmächtig die Hände heben und schweigen.
Hm, sage ich, nun doch etwas beeindruckt.
Sicher, wagt sich ein kleiner schüchtern wirkender Mann vor, in dieser Welt schmerzt diese Klarheit.
Familien zerbrechen, und Freundschaften und Lebenskonzepte, ja.
Es gibt Streit, es gibt Tränen,
es gibt Unverständnis und Beziehungen, die nicht zu heilen sind.
Es gibt Verfolgung, das wird bei euch nicht anders sein.
Jesus schließt auch Türen, um die Tür zu Gottes Frieden und Gerechtigkeit offen zu halten.
Für alle.
Wir müssen weiter, sagt ein anderer ungeduldig.
Und ich sehe, dass sich die anderen aus der großen Gruppe schon um einiges auf der Straße entfernt haben.
Na, dann, sagt die große Frau, mach’s gut. Und mach was draus.
Und langsam verschwimmt das Bild vor meinen Augen und ich blicke wieder auf das Regal, Milka, die zarteste Versuchung.
Ich seufze und schaue schnell weg.
Und?, fragt Jesus.
Jesus, sage ich vorsichtig, ich will dir nichts vormachen.
Du bist hier unter nüchternen Protestanten im wohlhabenden Westen.
Ja, wir hatten einen Luther, der vermutlich mehr nach deinem Herzen ist mit seinen rigorosen Entscheidungen.
Geht so, meint Jesus lakonisch.
Aber wir, fahre ich fort, wir sind nicht so einfach zu kriegen mit der Vision: Lebt ungebunden auf der Straße und folgt mir nach und verändert die Welt, koste es was es wolle.
Oder gar wer sein Leben gewinnt, der wird es verlieren und wer es verliert um meinetwillen, der wird es gewinnen.
Ich weiß nicht.
Ich glaube, du machst es dir zu einfach, weist mich Jesus zurecht.
Es gibt doch viele Menschen, auch heute, die sich ganz und gar einem Ziel verschreiben und danach leben,
Nelson Mandela, die Leute, die in der Bahnhofsmission arbeiten oder...Greenpeace, wäre das nichts für dich?
Schau mich doch an, Jesus, sage ich gereizt, ich bin nicht sportlich genug.
Und außerdem arbeite ich ständig für dich und in meiner Freizeit möchte ich mal ins Kino gehen.
Jesus hebt eine Augenbraue.
Gefährliches Zeichen, wie ich weiß.
Meine Liebe, sagt er streng, ich glaube, du weißt genau, was ich meine.
Glaube nicht, dass ich euch nicht kenne.
Glaube nicht, dass ich blöd bin und weiß, dass es schwer ist, euch in Bewegung zu setzen,
obwohl ihr auf Kosten anderer lebt mit eurer brutalen Wirtschaftsordnung, obwohl die Umwelt gefährdet ist.
Ich erwarte ja gar nicht, dass ihr euch ans Kreuz nageln lasst.
Nett von dir, versuche ich den Ernst seiner Rede etwas aufzulockern.
Sei still, fährt er mich streng an.
Aber ihr sollt ernst nehmen, dass ich alle Türen geöffnet habe und ihr alle den Weg zum Frieden gehen könnt.
Gott hat dafür gesorgt, dass das weitergeht, bis in alle Ewigkeit.
Ich erwarte, dass ihr  in euren Entscheidungen immer auch dem weiten Blick Gottes auf die Welt, auf die anderen eine Chance gebt.
Wie meinst du das?, frage ich.
Na, nimm zum Beispiel diesen Weinstein, diesen Filmproduzent.
Diesen miesen Sack?, frage ich, der über Jahrzehnte Frauen missbraucht und sogar vergewaltigt hat?
Genau den, antwortet er.
Was weißt du denn davon?
Jesus sieht mich nur bedeutungsvoll an.
Schon gut, sage ich. Und? Was soll ich mit dem?
Na, sagt Jesus, nehmen wir mal eine Frau, die unbedingt Schauspielerin werden will, wie diese Marilyn Monroe.
Sie hat Talent, sie weiß, sie hat das Zeug zu etwas Großem und will es um jeden Preis leben.
Und dann gerät sie an diesen Weinstein.
Verstanden, sage ich.
Sie verliert ihr Leben, wenn sie es eigentlich gewinnen will, weil ihr Leben vergiftet wird,
weil sie sich zeitlebens schämt oder zeitlebens mit dieser Verletzung herumläuft.
Moment, sagt Jesus, ich bin noch nicht fertig.
Nehmen wir an, sie entscheidet sich, das zuzulassen, lässt sich von ihm befummeln oder geht sogar mit ihm ins Bett.
Jesus, sage ich schockiert.
Hergott, Mädchen, sagt er, stell dich nicht so an.
Also, sie lässt sich auf die Wünsche des Herrn Weinstein ein.
Und ist stark.
Und steckt das weg.
Und kann es vergessen. So was gibt’s.
Sie erreicht ihre Ziele und wird eine der ganz Großen.
Na super, sage ich, und was ist mit den anderen?
Genau, sagt Jesus, was ist mit den anderen?
Ihre Entscheidung, das mit sich machen zu lassen, hat Folgen.
Für andere.
Die nicht so stark sind.
Die verletzt werden.
Die tatsächlich ihr Leben verlieren und es nicht ertragen mit dem Gedanken daran zu leben.
Diese eine Frau stützt ein System des Unrechts, auch wenn sie persönlich gewinnt.
Genau wie die Reporter und Regisseure, die es alle wussten und am Ball bleiben wollten und es mitgetragen haben.
Hm, sage ich.
Ihr sollt anders leben.
Das ist das Mindeste, was ich erwarte.
Verliert in euren Entscheidungen die anderen, die Welt nicht aus dem Blick.
Traut euch in euren Herzen Gottes ganze Liebe zu spüren, die er hineingelegt hat.
Fühlt mit den anderen und bleibt klar und gebraucht das Schwert meiner Klarheit,
auch wenn es schmerzt und ihr Leute vor den Kopf stoßt,
selbst dann, wenn ihr eure persönlichen Ziele nicht erreicht und euer Leben verliert.
Verstanden?
Ja, sage ich.
Dann ist es ja gut, sagt Jesus wieder freundlich.
Ich muss los, meint er.
Und ich muss Mittagsessen kochen, erwidere ich.
Mach’s gut, bis zum nächsten Mal.
Schalom, sagt Jesus bedeutungsvoll.
Und dann stehe ich wieder in der Schlange und bezahle und mache mich mit meinem Rosenkohl auf den Heimweg, wo mich der Zorn meiner Kinder erwartet.
Es mag wunderbar sein, diese Freiheit, etwas tun zu können, wo andere nur ohnmächtig die Hände heben.
Und es gibt wirklich schönere Worte als diesen Predigttext aus dem Matthäusevangelium.
Ich bin mir auch nach dem Gespräch mit Jesus nicht ganz sicher, ob das der richtige Weg ist, uns zu ermahnen.
Aber ich nehme mir vor, wieder mehr daran zu denken,
dass Gott Raum braucht, um zu handeln,
ich Raum in meinem Leben  offen halte,
Kraft bereit halte, für die Momente, in denen meine Klarheit und mein Handeln gebraucht wird.
Gott braucht unsere Hände, unsere Sprache, unsere aufrechte Haltung.
Wir alle haben Ziele im Leben, Dinge und Menschen, die uns wichtig sind und an denen unser Herz hängt.
Vergessen wir aber nicht:
Wir nennen uns Christinnen und Christen,
und sind auch auf dem Weg, wie die, die Jesus auf staubigen Straßen folgten.
Memmen oder Egozentriker sind da nicht gefragt.
Es braucht Menschen, die durch ihr Handeln anderen Mut machen, an andere zu denken und danach zu handeln.
Es braucht Menschen, die sich trauen zu erkennen:
Gott lebt in meinem Herzen mit seiner brennenden Liebe.
Ich folge seiner Spur und gebe mich nicht damit zufrieden, dass die Welt so bleiben muss, wie sie ist.
Wir leben in einer Welt, in der wir uns entscheiden müssen. Immer wieder.
Im Kleinen und im Großen.
Es braucht Menschen, die die Freiheit ergreifen, die Gott uns durch Jesus versprochen hat,
die Freiheit immer wieder auch die richtigen Entscheidungen zu treffen, wie es der Wochenspruch uns nahelegt:
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Amen