Dienstag, 7. Juli 2015

Sommerabschluss: Mit dem Mond in das Land der Träume Anspiel


Mondnacht

Mensch 1:           Ein schöner Spaziergang, oder?
Mensch 2:            Ja, in der Nacht durch die Stadt gehen ist schön.
Mensch 1:            Alles sieht anders aus.
Mensch 2:            Als ob ein Geheimnis an jeder Ecke wartet.
Mensch 1:            Als ob Träume darauf warten, aufzuwachen.
Mensch 2:            Wir werden ja ganz poetisch.
Mensch1:             Kein Wunder. Schau mal, der Mond!
(Mond steht auf den Altarstufen oben ohne sich zu bewegen)
Mensch 2:            Rund und voll.
Mensch 1:            Er ist so hell und klar. Da können sicher viele nicht schlafen.
Mensch 2:            Komm, wir schauen mal durch das Fenster hier.
Mensch 1:            Da liegt eine und dreht sich hin und her.
Mensch 2:            Die kann auch nicht schlafen.
Mensch 1:            Sollen wir ihr was singen, damit sie in ihre Träume findet?
Mensch 2:            Ich kann nicht singen.
Mensch 1:            Warte, ich habe hier was auf mein Handy runtergeladen.
(setzen sich, schlafen selber bei dem Lied ein)

Solo:                   Lullaby 
Clara                    Sollte das ein Schlaflied sein? Mich hat es nun ganz wach gemacht. Ach, ich sehne mich so nach Weite und Abenteuer.
(schaut sich um)
Mama möchte, dass ich mein Zimmer aufräume und morgen früh aufstehe. Damit ich in den Ferien nicht verwahrlose, sagt sie. Blödsinn. Ferien sind dazu da, dass ich endlich mal tun kann, was ich will. In den Tag hineinleben oder auch in die Nacht. Und diese Nacht ist doch sicher nicht zum Schlafen da, wenn der Mond so hell scheint.
(steht auf, stellt sich ans imaginäre Fenster, verträumt)
Der Mond, der Mond, da möchte ich gerne einmal hin. Auf die Erde schauen, weit im Weltall schweben. Oder auf einem Mondstrahl reisen. Wie der kleine Häwelmann.  Durch die ganze Welt in meinem Bett fahren. In Traumwelten.
Wie war das doch? Leuchte alter Mond leuchte? (Pause, energischer) Leuchte, alter Mond, leuchte!
Mond:                  (bewegt sich und tritt zu ihr) Wenn du denkst, ich lass mir diesen Ton noch einmal bieten, hast du dich getäuscht. Der kleine Häwelmann, dem war es nicht genug durch die Stadt zu rollen. Den musste ich in die Stadt bringen und als es ihm zu langweilig war, in den Wald begleiten, und dann auch noch in den Himmel. Da hat er mir die ganzen Sterne durcheinander gebracht und ist mir zuletzt noch über die Nase gerollt. Und die ganze Zeit hat er „Alter“ zu mir gesagt, alter Mond.
Clara:                   Entschuldige.
Mond:                  Was willst du?
Clara:                   Durch die Welt reisen, vielleicht auch in die Träume der Menschen hineinsehen.
Mond:                  Das würde ich dir nicht raten.
Clara:                   In die schönen Träume. In die Träume von einem schönen Leben.
Mond:                  Hm.
Clara:                   Und fliegen, ich will fliegen können!
Mond:                  Dazu musst du mich erst überreden und das geht mit einem einfachen „Ich will“ nicht.
Clara;                   Wie denn?
Mond:                  Du musst mein Herz erweichen.
Clara:                   Seit wann hat der Mond ein Herz?
Mond:                  Wie bitte?
Clara:                   Schon gut. Ich weiß nur nicht, wie ich das mit deinem Herzen hinkriegen soll.
Mond:                  Du musst deine Sehnsucht spüren, damit du bereit bist, ihr zu folgen.
Clara:                   Meine Sehnsucht spüren?  Ich finde das richtig peinlich, was du da gerade abziehst.
Mond:                  Tja, ich bin nichts für Menschen, die nicht mal abheben können und denen alles peinlich ist.
Clara:                   Ja, ja. Sei nicht so empfindlich.
Mond:                  Ich bin der Meister der Träume und ich kenne mein Geschäft und weiß, was da nötig ist, klar?
Clara:                   Ist ja gut. Was soll ich tun?
Mond:                  Konzentriere dich einfach auf deinen Wunsch, auf deinen Traum
Clara:                   (setzt sich, schließt die Augen) Fliegen will ich, zum Mond fliegen, flieg mich zum Mond, dass ich mit den Sternen spielen, flieg mich, flieg mich...

Solo:                   Fly me to the moon        
(nach Worten „hold my hand“ nimmt der Mond Clara bei der Hand und führt sie los, evt. auch mit Tanzen....)

Mond:                  War’s schön, das Fliegen?
Clara:                   Großartig, wunderbar. Und jetzt?
Mond:                  Jetzt sammeln wir Träume.
Clara                    Die guten.
Mond:                  Ja doch.  (Gehen durch die Gemeinde und sammeln Träume ein, greifen dabei über die Köpfe der Leute und tun sie in einen Korb.)
Mond:                  Komm, setzen wir uns. (Bank mit gelbem Tuch)
Clara:                   Wo sind wir hier?
Mond:                  Im Himmel, in der Weite, die ist nötig, damit Träume sich ausbreiten können.
Clara:                   (zeigt auf die Bank) Das sieht aber nicht stabil aus.
Mond:                  Das ist ein Bordstein der Milchstraße. Vertrau mir und setz dich. (setzen sich, Clara sehr vorsichtig) Schauen wir mal, was wir da haben. (greift in den Korb und holt den ersten Traum heraus (Silberpapie ro.ä. ) und wirft ihn in die Luft)
Traum 1:              (kommt mit Bademantel und Schirm) Hach, ein Sandstrand, warme Luft, warmes Meer, in das ich eintauchen kann. Alles loswerden, was mich bedrückt. Freie Zeit, die nur mir gehört. (geht ab)
Clara:                   Der Traum gefällt mir.
Mond:                  Dachte ich mir. Der nächste.
Traum 2:              (kommt mit einem großen Glas Nutella und einem Buch)  Ein Glas Nutella für mich ganz alleine. Und ich kann mich damit einfach ins Bett legen und lesen und das Glas dabei leer essen.
Clara:                   Auch nicht schlecht. Was die Leute so in der Kirche träumen.
Mond:                  Ich wundere mich auch. (hält ihr den Korb hin)  Hier greif du mal rein. (Clara tut es)
Traum 3:              (Kommt mit einer Gitarre) Ich will Musik machen, die die Herzen erreicht. Meine Stimme soll den Himmel und die Erde füllen, wunderbare Melodien will ich mir ausdenken und wie Eric Clapton Gitarre spielen.
Clara:                   Ganz schön selbstbewusster Traum.
Mond:                  Tja, beim Träumen trauen sich die Menschen eben viel mehr zu als beim Wachen. (greift den nächsten Traum)
Traum 3:              (kommt auf hohen Schuhen, mit kurzem Rock)  Ich will die Laufstege erobern und trotzdem weiter Schokolade essen. Ich werde das Model der Zukunft, kompakt und schön! 
Clara:                   Vergiss es. Das setzt sich doch nie durch.
Mond:                  Clara! Wir sind im Land der Träume. Flieg mit ihnen mit, sonst sitzt du hier nicht lange.
Clara:                   Sorry. (zeigt auf den Korb) Darf ich?
Mond:                  Bitte. (Clara wirft Traum)
Traum 4:              (kommt mit einem Bild von Haus, Familie und Geldsack) Ich will glücklich werden, in einem Haus, mit meiner Familie und genügend Geld zu leben.
Mond:                  Ein sehr häufiger Traum.
Clara:                   Ich finde den schön. Träume ich auch ab und zu.
Mond:                  Kindchen, du musst erst mal in die Welt hinaus. Ans Häuserbauen kannst du später denken. (wirft den nächsten)
Traum 5:              (kommt im Arztkittel) Ich will Arzt werden und ein Mittel gegen den Hass erfinden. Dass alle Menschen friedlich sind und sich nicht mehr töten oder schlagen, dass sich ihre Herzen öffnen und sie teilen.
Clara:                   (zweifelnd) Also...
Mond:                  Clara! (Clara hebt begütigend die Hände, wirft den nächsten Traum hoch)
Traum 5:              (kommt mit einem roten Herzen) Ich träume davon, dass er mich liebt, er der Einzige und Wahre, der tolle Junge aus der 10. Klasse. Eines Tages kommt er auf dem Schulhof zu mir und fragt „Hey, Kino heute Abend?“ und ich sage „Ja“ und dann fragt er: „Soll ich dich abholen?“ und ich sage „Ja!“ und dann holt er mich ab und wir fahren U-Bahn und dann reden wir und mir fallen lauter witzige Sachen ein und er ist total begeistert von mir und dann gehen wir ins Kino und er kauft Popcorn für uns beide und hält dann meine Hand im Film und danach fahren wir nicht mit der U-Bahn, sondern laufen durch die Stadt, und reden und lachen und er legt seinen Arm um mich und dann..
Mond:                  Reicht. Ein sehr redseliger Traum. Nächster.
Traum 6:              Ich träume von einer Küsterei ohne Wasserfleck. Mit neuen Möbeln und neuem Boden, eine helle, klare Atmosphäre, ein Ort, den die Menschen gerne aufsuchen und an dem ich gerne arbeite.
Clara:                   Ein sehr praktischer Traum.
Mond:                  Ja, aber einer den man umsetzen kann, wenn andere sich den Traum zu eigen machen. (wühlt im Korb herum) Moment mal, Moment mal, was haben wir denn da? Wie ist denn der hier reingeraten?
Clara:                   Was denn?
Mond:                  Ein alter Traum, ein sehr alter Traum. Wurde reingeschmuggelt und ich kann mir auch schon denken, von wem.
Clara:                   (deutet fragend nach oben)
Mond:                  Richtig. Gott pfuscht mir manchmal ins Handwerk. (schaut nach oben) Entschuldige. Ich meine natürlich, Gott nutzt ab und zu mein Traumland um die Menschen auf die richtige Bahn zu führen und sie auf neue Ideen zu bringen.
Clara:                   Mach’s nicht so spannend.
Mond:                  (wirft den Traum hoch)

Traum 6:              Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann, mit hellem Licht und offenen Toren und einem funkelnden Fluss köstlichsten Wassers, an dessen Ufer sich friedliche Völker versammeln. (nach Apk 21)
Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. (Micha 4)

Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach:
Gott:                    Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Und er will bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein,
und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.
Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu (Apk. 21)

Clara:                   Schööön.
Mond:                  Gefällt dir?
Clara:                   Ja. So müsste die Welt sein.
Mond:                  Na, dann tu deinen Teil dazu.
Clara:                   Ich kann nichts.
Mond:                  Moment. (greift über ihren Kopf und holt ihren Traum und wirft ihn in die Luft)
Traum 7:              (kommt mit einer Feder und einer Papierrolle) Ich schreibe Geschichten und Gedichte, die  zu Herzen gehen und die Grenzen der Welt und des Lebens dehnen. (denkt nach)  Hm... (schreibt, dann schwärmerisch) „Die Sterne beugen sich nieder, und der Mond fließt den Fluss hoch“ (Du Fu)
Mond:                  Wow. Ich liebe Gedichte über mich.
Clara:                   Glaube ich dir. Aber du hast recht, Schreiben, das ist mein Traum.
Mond:                  Ich weiß. So genug geträumt. Zeit wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen, was für dich soviel heißt wie „Ab ins Bett.“
Clara:                   Ja, jetzt kann ich schlafen. Ich freue mich schon drauf. Schickst du mir einen schönen Traum?
Mond:                  Ich schau mal. (nimmt sie an der Hand, führt sie wieder runter, sie verabschieden sich, Mond geht nach auf die Altarstufen und erstarrt)
Mensch 1:            (wacht auf, pufft Mensch 2 in die Seite)
Mensch, wach auf. Wir haben uns selber in den Schlaf gesungen.        
Mensch 2:            Tatsächlich. Und ich habe so wunderschön geträumt.
Mensch1:             Was denn?
Mensch 2:            Sag ich nicht. Hatte was mit Schulhof und Kino zu tun.
Mensch 1:            Lass mich raten! Und mit Jonathan!
Mensch 2:            Lass das. (schaut zu Clara)  Schau mal, sie schläft.
Mensch 1:            Und lächelt. (schaut zum Mond)  Und der Mond ist immer noch nicht untergegangen. Komm wir gehen weiter.
Mensch 2:            Kennst du „Der Mond ist aufgegangen“?
Mensch 1:            Klar. Hat meine Mutter öfters am Abend gesungen.
Mensch 2:            Das können wir doch jetzt singen.
Mensch 1:            Das ist doch peinlich.
Mensch 2:            Hört doch keiner. Außerdem: In einer warmen Mondnacht wie dieser ist gar nichts peinlich.
Mensch 1:            Also gut.
Lied:                   (mit Gemeinde) Der Mond ist aufgegangen
Mond:                  Danke Leute, wünsche allerseits viel freie Zeit, neue Weiten und schöne Träume. Ich geh dann mal unter. Bis morgen. (geht ab)

Donnerstag, 4. Juni 2015

Predigt Mk 2,1-11 Steh auf! Zur Kitaeinweihung 31.5. 2015


Predigt Mk 2,1-11 Steh auf! Zur Kitaeinweihung
Steh auf I.

Steh auf!
Wer mag diesen Satz?
Ich nicht.
Steh auf!
Da höre ich meine Mutter rufen:
Steh auf.
Meist früh am Morgen.
Und unangebracht fröhlich.
Steh auf?
Nenn mir einen guten Grund, warum ich aufstehen soll, murmele ich.
Die Sonne scheint, bietet sie mir an.
Reicht nicht. Decke und Bett und Traum wiegen stärker.
Früüühstück, lockt sie.
Brötchen?, frage ich und öffne ein Auge.
Heute nicht.
Reicht nicht.
Schule! Steh auf!!
Die Decke wird zur Seite gezerrt.
Nicht von mir, wohlgemerkt.
Und ich... stehe auf, irgendwie.
Aufstehen...
... in einen Tag mit Mathe und Erdkunde und –
Gott sei’s geklagt –
auch noch Latein...
Wer kann das wollen?
Wer öffnet dafür die Augen?
Wer steht dafür gerne auf?

Steh auf II.

Steh auf!
Sagt die Mutter dem Sohn, dem gelähmten,
sagt es ihm an vielen Morgen.
Steh auf.
Sagt es lockend, liebevoll, verzweifelt und auch voll Wut.
Steh auf!
Er hasst diesen Satz.
Aufstehen? Ja, wie denn?
Die Beine gelähmt.
Die Krücken fasst er nicht an.
Schon lange nicht mehr.
Er liegt ja doch nur herum, am Rand des Lebens anderer.
Steh auf?
Warum?
Um sich ans Tor zu schleppen, zu betteln?
Um den anderen bei ihrem Leben zuzusehen?
Wie sie fröhlich Wasser vom Brunnen holen,
rennen, reden, die Schafe aufs Feld treiben,
und abends mit Wein und Mädchen an den See Genezareth gehen?
Seine Freunde sagen ihn auch, den Satz.
Sagen ihn voller Mitgefühl, freundlich,
wollen ihn dabei haben,
wollen ihm helfen:
Steh auf.
Aber das reicht ihm nicht.
Ich  bin ihnen doch nur eine Last, denkt er.
Er sieht die Welt nur vom Boden her.
Lässt sich vom Blick der Leute niederdrücken,
die ihm sagen:
Geht nicht, das Gehen.
Wird nie gehen.
Wirst nie aufstehen.
Wirst deiner Mutter eine Last sein. Immer.
Er will sein Leben nicht.
So nicht.
Liegen bleiben, beschließt er eines Tages.
Nichts mehr sagen. Nichts mehr tun. Schon gar nicht aufstehen.
Nicht mal ein Auge öffnen.
Wozu auch? Für einen leeren Tag?
Wer kann das wollen?
Wer öffnet dafür die Augen?
Wer steht dafür gerne auf?

Steh auf III.

Steh auf, Friedensgemeinde,
sagen die Zahlen, sagt die Vernunft, sagt Mutter Kirche.
Sagt nüchterne Sätze wie:
Das Geld reicht nicht.
Die Personalstellen reichen nicht.
Ihr müsst etwas tun. Verkaufen, verkleinern.
Die Gemeinde kann so nicht leben, nicht arbeiten.
Nicht in der Zukunft.
So geht es nicht.
Nicht, nicht, nicht.
Da hören wir weg.
Da drehen wir uns auf die andere Seite,
ziehen die Decke über den Kopf, jahrelang.
Verkaufen, verkleinern.
Das kann uns nicht locken.
Wer kann das wollen?
Wer öffnet dafür die Augen?
Wer steht dafür gerne auf?

IV. Steh auf und sieh in den Himmel

Steh auf, sagt der Mann, den Gott uns schickt, damit wir aufstehn.
Steh auf und lass dich vom ziehenden Boden befreien,
von der Unlust des Schultages,
von der Last der gelähmten Jahre,
von der Enge der Zukunft,
von der Fessel des Mammon.
Schau hoch in das Loch im Dach!
Da lacht dir der Himmel zu, da lacht dir das Leben.
Da tanzen die Verrückten, die die Tür nicht nehmen
und nicht warten, bis sie an der Reihe sind.
Die ein Dach aufbrechen, einfach so,
und im Himmel beginnen, was sie auf der Erde nicht bewegen können.

Steh auf
und wenn dir Mathe und Latein begegnen,
dann ist das nur die Hälfte des Tages,
die andere, das bist du im warmen Frühlingstag,
morgens auf dem Fahrrad,
ein Stück vom Himmel,
das ist das Lachen mit deiner Freundin und das Eis nach der letzten Stunde.
Und vielleicht fällt die sogar aus.

Steh auf,
und wenn sie dir „Geht nicht, das Gehen!“ sagen, hör nicht hin.
Lass nicht zu, dass sie dich lähmen und ausgrenzen.
Sie schauen auf dich nieder,
aber du schaust durch das Loch im Dach.
Du siehst die Sonne tanzen,
siehst deine Freunde, die dich in den Himmel ziehen wollen,
und stimmst ein in ihr Lachen.
Du lässt dir von Gott, dem großen Freund, unter die Arme greifen.
Du nimmst sein Geschenk an und liebst zurück, liebst in die Welt.
Du nimmst dein Bett in die Hand und dein Leben.
Und dann noch ein Wunder: Du gehst.

Steh auf,
und wenn sie sagen: „Ihr müsst!“, dann ist das nur die Hälfte der Wahrheit.
Lasst euch nieder im Traum von lebendiger Gemeinde.
Hört auf eine, die träumt von einem bunten Haus und einem Garten
und Kindern und Erwachsenen, die dort munter spielen und reden,
über Gott und seine Welt.
(Falls Felicia da ist: Und wenn ihr euch schwer tut, ins Träumen zu kommen, dann holt euch eine mit Flügeln im Gepäck, die zeigt euch, wie man sie gebraucht.)
Und wenn ihr Schwierigkeiten habt, das Haus zu malen, dann holt euch Hilfe.
Die gibt es und die können das sehr gut. Und können sogar bauen.
Und auch noch schön!
Und denkt nicht nach, ob ihr das wohl schafft.
Dann fangt ihr nämlich gar nicht erst an.
Geht gemeinsam los, steht euch gegenseitig bei.
Lasst euch auch mal unter die Arme greifen und  staunt über das, was geht.
Und wenn ihr Geld braucht, dann bittet Gott, das Wasser beiseite zu schieben,
und der tut das tatsächlich manchmal auch
und schickt euch den Käufer und den Kirchenkreis und die Landeskirche dazu.
Und nehmt alle mit in die Leichtigkeit  und Farben des Traumes.
Dann schmerzt mancher Abschied immer noch, aber vielleicht etwas weniger.  
Dann baut ihr das Haus und den Himmel bekommt ihr dazu geschenkt.
Und teilen dürft ihr ihn auch.



V. Steh auf und geh.

Öffne die Augen und schau nach oben,
in das Loch im Dach, das Gott immer für dich bereit hält.
Himmel scheint herein.
Sonne und Wolken.
Der Flug eines Vogels.
Für einen Moment: Vergiss den Boden, auf dem du liegst.
Für einen Moment: Sei dort oben und erlaube deinem Leben, sich in den Himmel zu weiten.
Leicht, ganz leicht ist alles, für Momente.
Vergeben und vergessen die Schwere, die dich am Boden hält.
Das Wollen nimmt das Können an die Hand.
Du spürst, wie die Erde sich dreht.
Spürst Gottes Hand, der die Dinge am Laufen hält.
Hörst seine Stimme: Steh auf.
Und gehst.  
Amen.

Samstag, 9. Mai 2015

Lk 11 5- 13 Rogate


Es ist Nacht. Alles schläft. Keiner wacht.
Und keiner wacht gerne auf in der Nacht.
Ich auch nicht.
Auch nicht, wenn es klopft.
Da höre ich weg.
Ein höfliches Pochen?
Das kann man einbauen in den Traum.
Einmal geht das, auch zweimal, dreimal.
Doch dann,
plötzlich,
sitze ich im Bett,
kerzengerade.
Ja, ist da einer verrückt geworden?
Was für eine Unverschämtheit!
Das klingt, als ob jemand die Tür einschlagen möchte.
Es ist etwas passiert, denke ich,
und die Füße schießen aus dem Bett.
Die Beine nehmen den müden Körper mit.
Die Augen öffnen sich beim Laufen.
Ich reiße die Tür auf:
Mein Freund steht da, mein Freund und Nachbar.
Er blutet nicht, er sieht auch nicht sonderlich erregt aus.

Mit einem entschuldigenden Lächeln reicht er mir einen Korb.
Ich brauche Brot für einen Gast, sagt er.
Meins ist alle.
Ich bin sprachlos.
„Die Kinder schlafen“, will ich ihm sagen.
„ Es ist mitten in der Nacht und du holst mich aus dem Bett wegen Brot?“
Aber ich sage nichts.
Ich sehe ihn an, sehe meinen Freund.
Den kenne ich gut.
Wir sind auf einer Wellenlänge, er und ich.
Jeden Tag sehen wir uns, helfen uns bei der Arbeit, trinken Wein an den Festtagen.
Ich spüre genau, es ist ihm ernst.
Gastfreundschaft ist ihm heiliger als meine Nachtruhe.
Die Peinlichkeit, jemandem auf die Nerven zu fallen zur Unzeit,
die nimmt er in Kauf.
Auch mit einer Bitte, bei der es nicht gerade um Leben und Tod geht,
jedenfalls kann ich das nicht erkennen.
Mein Freund lächelt mich an, zwinkernd, ein bisschen verschmitzt.
Er kennt meine Gedanken genau.
Es macht ihm nichts aus, dass ich ihn für unverschämt halte.
Und er ist sich sicher, dass ich tue, um was er mich bittet.
Natürlich hat er Recht.
Ich hole das Brot, hebe abwinkend die Hand, als er mir danken will,
lächele ihm zu, weil ich gar nicht anders kann
und dann, endlich, kann ich die Tür schließen, unter die Decke kriechen
und versuchen, wieder ins Land der Träume zu finden,
während das Lachen und Reden aus dem Haus meines Freundes zu mir herüber weht.

Bittet, so wird euch gegeben.
Suchet, so werdet ihr finden.
Klopfet an, so wird euch aufgetan.
Denn wer da bittet, der empfängt.
Und wer da sucht, der findet;
Und wer da anklopft, dem wird aufgetan.


Einen Freund haben, eine Freundin,
da ist einer, da kann ich immer anklopfen,
da ist eine, die schlägt mir nichts ab,
sie gibt mir, was ich brauche und fragt nicht.
Unverhüllt zeige ich, wer ich bin.
Manchmal reichen halbe Sätze,
meine Freundin weiß sofort, was ich meine.
Sie kennt mich,
aus vielen Gesprächen,
durch den Wechsel der Zeiten,
wir haben genug Leben geteilt.
Und wenn ich ihr das Weinglas aus der Hand nehme und einen Schluck trinke,
dann überschreite ich keine Grenze.
Pausen gibt es auch, bis wir uns wiedersehn, lange Pausen,
doch der Faden reißt nicht ab.
Und sie nachts anrufen, wenn ich stecken geblieben bin in meinem Leben,
das mag sie nicht, das weiß ich,
denn sie geht früh schlafen.
Aber ich würde es tun,
anklopfen, ohne nachzudenken.
Ganz un-verschämt.
Und ich glaube, sie auch im umgekehrten Fall.

Bittet, so wird euch gegeben.
Suchet, so werdet ihr finden.
Klopfet an, so wird euch aufgetan.
Denn wer da bittet, der empfängt.
Und wer da sucht, der findet;
Und wer da anklopft, dem wird aufgetan.


Warum so zaghaft, fragt er uns.
Traut ihr euch nicht?
Wir schauen alle zu Boden.
Peinlich, denke ich, Jesus ist peinlich.
Beten, das ist eine Sache am Sabbat,
oder der Dank für Brot und Wein vor dem Essen:
Gepriesen seist du, ewiger Gott, König der Welt.
Wir sitzen am Feldrand, kurz vor Kapernaum.
Und wir üben beten.
Das heißt, Jesus will es üben.
Ich nicht.
Ich bin ein Mann und kein wimmerndes Weib,
das über die Wäsche klagt oder über den Regen zur Unzeit.
Beten, fährt Jesus fort, beten das ist, als spräche man zu einem guten Freund.
Stellt euch das doch einfach mal vor,
Gott als Freund, als Kumpel,
einer, da klopft ihr nachts an  die Tür ohne nachzudenken und bittet um Brot für einen Gast.
Jetzt ist es aber gut, denke ich.
Sollen wir jetzt Gott um einen Laib Brot bitten?
Und dann wirft er es vom Himmel, oder wie?
Aber Jesus hat noch mehr auf Lager.
Einfach unverschämt sein, sagt er,
Gott auf die Nerven gehen, bitten, egal um was,
aber bitten aus vollem Herzen, aus ganzer Seele, mit aller Kraft,
das dürft ihr und das sollt ihr.
Fangt mit den kleinen Wünschen an.
Bedrängt Gott täglich mit kleinen Wünschen,
und keine Sorge, die werden von selber größer.
Er lächelt.
„Macht es so wie die Kinder,
die ihre Eltern bitten, quengeln, drängeln,
mit spitzen Stimmen auf sie einstechen, bis jeder Nerv vibriert.
Und dann gibt doch der Vater ein Ei und keinen Skorpion
Und einen Fisch und keine Schlange.
Wir bleiben stumm.
Ich sehe, dass Jesus allmählich ungeduldig wird.
Wie, sage ich, um die Stille zu unterbrechen, wie sollen wir Gott denn anreden?
Hallo Kumpel, was liegt an?
Jesus lacht.
Gar nicht schlecht, Petrus, sagt er.
Man kann auch mit Gott plaudern,  über dies und das,
sollte man auch, damit er als guter Freund Platz nimmt in deinem Leben.
Aber heute geht es um Wünsche, um Bitten,
um das, was du brauchst und was dir wirklich am Herzen liegt.
Ich seufze.
„Ich habe Hunger“, sage ich, „können wir das nicht verschieben?“
„Bitte Gott um Essen“, sagt Jesus.
Die anderen schauen mich erwartungsvoll an.
Äh, sage ich.
Sehr überzeugend, erwidert Jesus spöttisch.
Ich werde wütend.
Gott, sage ich energisch und stocke wieder.
Versuch’s mit „mein Freund“ oder mein Papa, sagt Jesus.
Papa? Von mir aus.
Papa, rufe ich,
ich habe Hunger, verdammt noch mal.
Wie jeden Tag.
Ich will essen.
Nicht nur einen Brotkanten.
Ich habe einen großen Magen, wie du weißt und der ist immer leer.
Lamm will ich und Wein dazu.
Lamm satt und nicht nur einmal.
Täglich, genug Brot, genug Lamm, genug Wein.
Wie die Reichen.
Und Fisch und Gemüse und Obst.
Mein Blick fällt auf mein Dorf, auf Kapernaum,
und mir fallen die Missernten ein und dass alle dort immer wieder ums Überleben kämpfen.
Ein großer Zorn steigt in mir hoch.
Für alle, schreie ich plötzlich, tägliches Brot für alle.
Nie wieder Hunger, nie wieder Ungerechtigkeit, Gott,
kriegst du das hin?
Oder hilf uns wenigstens, etwas zu tun, hilf uns endlich!
„Was ist denn hier los,“ fragt eine Stimme vom Wegesrand.
Ein Bauer steht da.
Er hat Hunger, sagt Jesus.
Und er wütet gegen den Hunger der Welt.
Der Bauer nickt.
„Kommt mit“, sagt er, „wir haben gerade geschlachtet.“
Und Wein ist da und wir stoßen an, auf das Brot für alle und dann schauen wir weiter.
Ich bin sprachlos.
Das kann nicht sein, das geht doch nicht so einfach.
Das ist ja Hohn angesichts der unabänderlichen Armut und Gewalt und Sklaverei.
Das ist...
Jesus sieht mich an und zuckt mit den Schultern:

Bittet, so wird euch gegeben, sagt er.
Suchet, so werdet ihr finden.
Klopfet an, so wird euch aufgetan.
Denn wer da bittet, der empfängt.
Und wer da sucht, der findet;
Und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

Was für eine Welt wäre das,
wenn Menschen die Freundschaft mit Gott offen leben,
laut werden, schreien, rufen, klagen und lachen,
ihren Wünschen erlauben der Gerechtigkeit Gottes das Wort zu geben.
Freunde und Freundinnen Gottes,
die prosten ihm zu mit Wein und feiern das Leben wie in Kana,
die schauen nicht weg bei Krieg und Tod und Gewalt.
die schreien ihren Freund auch an: Wie kannst du das zulassen?
Den Tod von Millionen damals vor 70 und mehr Jahren und auch heute,
die teilen sein Schweigen, wenn auch ihm keine Antwort einfällt,
aber er uns spüren lässt:
Das denke ich auch:
Niemals darf man sich abfinden, verharmlosen,
niemals vergessen.
Die fordern, dass Brot für alle da ist,
laut und un-verschämt.
Sie teilen viel Leben mit Gott,
dann kennt man sich irgendwann ganz gut.
Und auch wenn es Pausen gibt –
es ist leicht wieder anzuknüpfen,
wenn sie an seine Tür klopfen,
sicher, dass er da ist.
Und Gott öffnet,
manchmal dauert es, manchmal zögert er,
aber er ist unser Freund.
Er öffnet die Tür, reicht uns das Brot und lächelt uns an,
weil er gar nicht anders kann.

Bittet, so wird euch gegeben.
Suchet, so werdet ihr finden.
Klopfet an, so wird euch aufgetan.
Denn wer da bittet, der empfängt.
Und wer da sucht, der findet;
Und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

Amen.