Samstag, 19. September 2015

2 Tim 1, 7-10 16. Trinitatis 2015


2. Tim 1, 1-10 16. Trinitatis 2015
Der Raum ist eng.
Und wird immer enger.
Die Luft wird knapp.
Angst breitet sich aus,
Furcht frisst das Leben auf.
Der Junge Aladin sitzt in einer Höhle.
So erzählt es die Geschichte aus 1000 und einer Nacht.
Reichtum und Macht hat der vermeintliche Onkel, ein böser Zauberer, ihm versprochen,
Flucht aus der Armut, die ihn sein Leben lang begleitet.
Nun geht ihm die Luft aus.
Der Zauberer hat ihn in die Höhle gelockt und allein gelassen, als Aladin nicht tat, was er wollte.
Ahnungslos hält Aladin die Lampe mit dem wundertätigen Geist in der Hand, die der Zauberer haben wollte.
Auch die Kraft des Ringes, den der Zauberer ihm gegeben hat, kennt er noch nicht.
Doch als er sein letztes Gebet spricht und dabei unbewusst am Ring reibt, erscheint der Geist des Ringes und alles ändert sich.
Aladin kommt wieder nach Hause.
Dank der Hilfe des Geistes hat auch die Armut ein Ende.
Essen wird gebracht, kostbare Kleider, alles was sein Herz sich wünscht.
Aladin entdeckt den Geist der Lampe.
Und er entdeckt die Liebe.
Ausgerechnet zur Sultanstochter.
Kein Problem.
Mit dem Geist der Lampe lassen sich alte Grenzen mühelos auflösen.
Die Enge ist Vergangenheit.
Der Raum zum Leben wird weit.
Unglaublich. Zauberei ist in der Welt.
Der Zauberer holt zwar zum Gegenschlag aus und entführt das neue Schloss samt Prinzessin.
Aber Aladin lässt sich nicht wieder in die Enge sperren.
Er hat sich verändert.
Er weiß, dass er sich nicht wieder mit Armut abfinden muss.
Er weiß, dass Zauberei in der Welt ist, vor allem der Zauber der Liebe.
Von ihr lässt er sich leiten, handelt umsichtig, besonnen.
Nichts erinnert mehr an den verwahrlosten, verarmten Jugendlichen von früher, der sein Ziel nicht kennt.
Wie wir wissen, geht alles gut aus.
Das Böse, der Zauberer, wird besiegt.
Zauberei bleibt in der Welt.
Und Aladin nutzt in Zukunft die Kraft des Geistes weise und in Maßen und herrscht gerecht und geliebt über das Volk bis an sein Lebensende.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Der Raum ist eng.
Und wird immer enger.
Die Luft wird knapp.
Angst breitet sich aus,
Furcht frisst das Leben auf.
Kein Ort mehr, der sicher ist.
Schwierig war es schon vorher,
doch sie hatten gelernt mit der Enge zu leben.
Doch jetzt?
Das Haus zerstört, die Zukunft dunkel, ohne Ausweg.
Da öffnet sich ein Weg, wie durch Zauberei.
Unglaublich.
Ein anderer Geist, so hat es den Anschein, regiert plötzlich den Kontinent im Norden,
naja, große Teile davon, oder wenigstens einige Länder.
Mühelos weitet sich die Enge.
Gerechtigkeit, Menschenliebe bekommen auf einmal Raum.
Grenzen öffnen sich.
Menschen strömen herein.
Offene Hände und offene Gesichter empfangen sie.
Trotz aller Mühen der Reise und auch der Ankunft ist die furchtbare Enge verschwunden.
Die Furcht, die die Kraft der Menschen fraß, weicht schon etwas.
Der Raum zum Leben wird weiter.
Eine zauberhafte Leichtigkeit breitet sich in der Welt aus.
Ein paar Tage lang.
Vorher haben wir auf Bilder von ertrinkenden Menschen gestarrt,
mit schlechtem Gewissen,
Nun dürfen wir tun, was das Herz uns sagt,
wir Hippies der neuen Welt:
Wir dürfen helfen.
Wir dürfen in einer Welt leben, wo Grenzen, politische Interessen,
unwürdige Abkommen einfach zur Seite geschoben werden.
Voller Kraft gehen Menschen ans Werk.
Nächstenliebe ist nichts mehr, wofür man sich schämen muss.
Nicht alles läuft nach Plan, aber doch durchdacht und so geordnet, wie nur möglich.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Alles ist vorbei,
die Hoffnung gestorben,
der Raum zum Leben eng.
Trauer und Furcht vor dem, was kommt, frisst das Leben auf.
Maria und Marta trauern um ihren Bruder Lazarus.
Vier Tage ist er schon tot.
Wie sollen sie ohne ihn leben?
Jesus kommt nach Bethanien.
Zu spät.
Gegen die Realität des verwesenden Leichnams kann er nichts tun.
Sagt Marta, sagt Maria.
Ach, wenn du doch eher gekommen wärst.
Jetzt lässt sich nichts mehr verschieben.
Der Stein liegt vor dem Grab.
Und Jesus gehen die Augen über.
Er weint mit ihnen, schluchzt.
Er wütet gegen den Tod. Gegen die Enge des Lebens.
Wütet gegen das Herzeleid, gegen den Verlust des geliebten Freundes.
Mit den anderen steht er vor dieser unbeweglichen Grenze.
Alle Gefühle laufen ins Leere.
Eine Welt ohne Zauber.
Da betet er.
Betet zu Gott, dass hier der Glaube nicht endet.
Dass die Menschen mit ihm weitergehen und nicht aufhören, an eine Welt zu glauben, in der der Zauber der Liebe lebt.
Und er erlebt es.
Erlebt Gottes Liebe.
Erlebt Gottes Kraft.
Erlebt, dass Trauer und Furcht weichen und ein anderer Geist in ihm Platz nimmt.
Der macht ihm Mut, sich Freiheiten heraus zu nehmen, wie sie nur in Märchen vorkommen, Märchen, wie die Liebe sie schreibt.
Jesus darf seine Stimme erheben.
Darf rufen: Komm heraus, Lazarus.
Erlebt mit den anderen:
Da kommt einer wieder ins Leben, der eigentlich nicht mehr dazu gehört,
der abgeschrieben war.
Zauberei ist in der Welt. Unglaublich.
Sie wissen alle: Es ist noch nicht das Ende der Welt,
es ist auch noch nicht das Ende des Todes.
Aber es ist das Ende der Enge, die Maria und Martha die Kehle zuschnürt.
Furcht und Trauer weichen einer zauberhaften Leichtigkeit,
zeigen eine andere Welt, genauso real wie die Enge zuvor.
So undenkbar und doch so einfach: Gott ist da.
Er ist da, und wir stehen nicht alleine vor den Grenzen und den Gräbern.
mit unserem Schmerz und unserer Trauer und unsere Wut über die Ungerechtigkeit.
Gott ist da, hier in unserer Welt, und bringt Leben in unbewegliche Steine, immer wieder.
Die Welt rückt sich zurecht wie durch Zauberei. Unglaublich.

Uns gehen die Augen auf.
Wir sehen: Gott hat vor der Zeit diese Welt mit Liebe geschaffen.
Wir spüren die unvergängliche Kraft dieser Liebe zu allen Menschen,
in allen Kontinenten.
Gott ist da und deshalb sitzen sie nun tatsächlich wieder zusammen,
Maria und Marta und Lazarus,
und essen mit Jesus und den anderen.
Die Sonne scheint.
Langsam nimmt das Leben wieder Fahrt auf.
Die ersten Worte fallen.
Ein Lachen, ein liebevoller Blick.
Ein offener Raum mit Tagen, die vor ihnen liegen.
Undenkbar, sich jemals wieder zu fürchten.

7 (Denn) Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 8 Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.
9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, 10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.

Die Furcht weicht.
Es ist ans Licht gebracht worden.
Wir sehen:
Die Enge, das Leid vieler Menschen in dieser Welt ist nicht Gottes Werk.
Auch nicht die Sorge: Was geschieht, wenn noch mehr kommen?
Wie sollen wir das schaffen?
Auch nicht die Kontrollsucht: Wir können das doch nicht einfach laufen lassen, sie nicht einfach hineinlaufen lassen zu uns, in unsere sichere Burg.
Schon gar nicht die hilflose Brutalität: Bis hierher und nicht weiter,
die in den letzten Tagen versucht die Welt wieder eng werden zu lassen.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Eine andere Kraft ist in der Welt, eine andere Kraft als die Furcht.
Diese Kraft war schon immer da, hat sich immer wieder gezeigt, auch durch Menschen.
In den letzten Wochen hat sie uns in Bewegung gebracht.
Und Gott sei Dank: Das wirkt so, aber es ist keine Zauberei.
Die Liebe ist da, weil Gott da ist.
Wir können sie nicht selber schaffen.
Aber wir können ihr Raum geben,
uns selig, glücklich machen lassen von Gott,
der uns auf den freien Weg Jesu berufen hat.
Wir können uns von Gott bewegen lassen, herausholen lassen aus der Furcht.

Denn etwas Unvergängliches ist ans Licht gekommen.
Gott hat uns die Welt im rechten Licht gezeigt.
Das, was wir an Sicherheit meinten zu haben, ist falscher Zauber.
Unser Wohlstand, alles Materielle, worauf wir unser Leben bauen,
das kann so plötzlich verschwinden wie Aladins Schloss.
Das ist uns ganz klar geworden.
Denn jetzt kommt Bewegung in das festgefahrene Leid.
Gott sei Dank. Denn das konnte ja nicht so weiter gehen.
Jetzt, ein wenig, aber immerhin, kommt Licht in scheinbar Unveränderliches.
Leicht eigentlich, ohne Gewalt, fast selbstverständlich.

Der Raum zum Leben weitet sich,
Menschen gehen weiter und lassen sich nicht aufhalten,
sie vertrauen uns, dass wir sie aufnehmen werden,
sie sind sicher, dass das Mitgefühl siegen wird.
Und wir sind erleichtert darüber, dass Menschen aus der Hölle des Krieges entkommen sind.
Der Raum zum Leben weitet sich.
Und wird immer weiter werden.
Wir haben keine Angst vor Veränderung mehr.
Wir tun, was wir eben tun können.
So wie in diesen Tagen etwa.
Die Luft zum Atmen strömt herein.
Liebe und Freundlichkeit breiten sich aus,
Und die Furcht, die das Leben auffrisst, weicht.
Wir sitzen mit den neuen Menschen in unserem Leben an einem Tisch,
so wie es eigentlich gedacht war und können es kaum glauben.
Aber es ist wahr.
Es geht und es wird und muss weitergehen.
So etwas Großartiges kann man doch nicht aufhalten wollen.
Die Sonne scheint viel in den letzten Tagen.
Langsam nimmt das Leben wieder Fahrt auf.
Wir teilen das Essen auf dem Tisch.
Und wenn man uns Hippies schimpft, dann lächeln wir.
Es ist leicht, viel leichter als gedacht.
Die ersten Worte fallen.
Ein Lachen, ein freundlicher Blick.
Ein offener Raum mit Tagen, die vor uns liegen.
Undenkbar, sich jemals wieder zu fürchten.

Ich weiß, ich sollte jetzt von der zunehmenden Enge reden, die die letzten Tagen bestimmt hat,
auch von den Menschen, die erschöpft festsitzen in Ungarn, in Kroatien.
Aber ich will nicht.
Ich denke, wir wissen alle:
Das können die Regierenden versuchen, aber das lässt sich nicht mehr aufhalten.

Gott sei Dank.
Wir dürfen in einer Welt leben, in der die Liebe zu den Menschen das Wort ergreift, gegen alle Widerstände.
In diesen Tagen hat die Liebe die Furcht überredet, den Mund zu halten,
und diese Tage werden weiter gehen.
Die Menschen werden weiter zu uns kommen.
Ganz sicher.
Die Grenzen werden sich weiten.
Und wir, wir werden uns den Zauber der Liebe nicht aus der Hand nehmen lassen.
Ganz sicher.
Wir werden daran festhalten, wie Aladin an seiner Lampe und an seinem Glück.
Und wir werden besonnen und voller Kraft weiter tun, was zu tun ist.
Gott hat uns die Liebe überreichlich geschenkt,
Und Gott nimmt kein Geschenk wieder zurück.
Er ist so zauberhaft und gütig.
Immer wieder steht er uns in der Enge bei und öffnet uns die Augen.
Immer wieder.

Doch jetzt gerade, jetzt singt er fröhlich und reibt sich die Hände:
Tatsächlich, sie haben es verstanden.
Ich habe ihnen nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
Amen

Samstag, 29. August 2015

Kinderbibelwoche 2015 zum Thema Schöpfung. Predigt zu der Geschichte "Menschen im Meer" und Lk 10


Predigt zur Kinderbibelwoche 2015
Thema:      Schöpfung ( mit der Geschichte „Menschen im Meer“)

Eine Insel wird überflutet.
Die Insel der Großen.
„Warum habt ihr die Insel durchlöchert auf der Suche nach Gold?“,
kann man da fragen.
Und was tun wir, damit es nie mehr passiert?
Das sind wichtige Fragen.
Aber jetzt schwimmen gerade Menschen im Meer.
Kämpfen gegen die Wellen.
Jetzt muss etwas getan werden,
das Naheliegende.
Also werden Boote ins Wasser gelassen.
Alle retten, was und wer zu retten ist.
Auch den uneinsichtigen König.
Keine Diskussion.
Sie helfen und bauen die Insel wieder auf.
Selbstverständlich.
So einfach ist das.

Ein Verletzter liegt am Weg.
Er ist unter die Räuber gefallen.
Da halten Ängste und Egoismus den Mund,
rücken zur Seite.
Da liegt ein Mann, verletzt, blutend.
Da liegt es nahe, ihm zu helfen.
Undenkbar, da vorbei zu gehen.
Keine Diskussion.
Der Samariter holt das Verbandszeug raus
und rettet und wird zum Nächsten für den Verletzten.
Zeit und Geld gibt er dafür.
Selbstverständlich.
So einfach ist das.

Menschen kommen an.
Nach einer langen Reise.
Sie sind unter die Räuber gefallen und geflohen
aus einer Heimat voll Krieg und Verfolgung und Not.
Verletzt sind sie, bluten,
manchmal am Körper,  aber immer an ihrer Seele.
Da fragen doch einige hier tatsächlich:
Was wollt ihr denn hier?
Da schreien sie im Ernst: Haut ab. Und Schlimmeres.
Da weichen Dummheit und Egoismus und Hetze nicht zur Seite
und machen dem Naheliegenden Platz.
Da brennen sie Notunterkünfte ab, wie in den letzten Tagen und Wochen,
in unserem Land.

Da sagen wir „Nein“.
Selbstverständlich.
Das ist doch einfach klar.
Laut und unmissverständlich „Nein“.
„Nein“ ohne Diskussion, ohne jegliches Verständnis für die Menschen,
die solches sagen und tun und das Naheliegende zur Seite fegen.
Und wir tun, was zu tun ist.
Helfen, wie die Menschen in Wilmersdorf beispielsweise in der letzten Woche.
Wie viele Menschen hier in Charlottenburg.
Selbstverständlich.
So einfach ist das.
Für sehr viele Menschen in unserem Land.

Die Kinder haben uns Sätze gesagt, Mahnungen, Regeln, Vorschläge.
Einfache, klar und gut zu befolgende Sätze:
Entspannt und glücklich leben,
die Natur bewahren,
weniger oder wenn es nach Alma geht, gar kein Fleisch essen,
damit diese Pupserei aufhört, die die Atmosphäre vergiftet,
kein Krieg, keine Ausgrenzung, keine Gier,
helfen, selbstverständlich,
bescheiden sein, damit alle genug zum Leben haben.
Eigentlich ganz einfach, oder nicht?

Wenn ich Gott wäre, sagte ein Junge in der KiBiWo,
dann würde ich das nicht zulassen,
nicht den Krieg, nicht das Böse.
Warum ist das so?
Warum werden Menschen zu Räubern und werden gewalttätig,
böse, ungerecht, hassen?
Und warum fallen so viele Menschen unter die Räuber und keiner verhindert das?

Eigentlich ist das wirklich nicht zu verstehen.
Denn eigentlich ist doch so einfach.
Eigentlich brauchen wir alle uns nur dafür entscheiden,
das Naheliegende zu tun:
Gott, unserem Schöpfer, aus tiefstem Herzen dafür zu danken, dass es uns gibt,
wir, seine Lieblinge,
Meisterwerke aus Meisterhand.
Gott hat uns, seinen Lieblingen, die Erde zu Füßen gelegt hat,
ein Paradies.
Wer Gott dafür liebt,
aus ganzer Seele, von ganzem Herzen, mit all seiner Kraft,
der und die wird es einfach tun,
das Naheliegende,
wird teilen und abgeben,
wird zufrieden sein, wenn alle satt werden,
wird nicht reich werden wollen auf Kosten anderer,
wird leben wollen wie es in der Geschichte der Menschen im Meer von der kleinen Insel erzählt wird:
„Denn hier gibt es weder Herren noch Knechte.
Die Kleinen machen alles gemeinsam.
Darum ist auch keiner arm oder reich. Und reich will keiner werden.
Sie pflanzen und fangen, was sie zum Leben brauchten. Nicht mehr.
Und daher haben sie auch viel Zeit zum spielen, zum Singen, zum Tanzen, zum Drachenfliegen und überhaupt auch zum Leben.“
So einfach ist das.
Dann brauchen Menschen nicht mehr unter die Räuber zu fallen.
Dann teilen wir Jesu einfachen Traum vom Paradies, vom Himmel auf Erden.
Dann wird ein Mordinstrument wie das Kreuz hier vorne
zum grünen Baum des Lebens, der Himmel und Erde verbindet
und wir sehen in den Seiten Gottes ausgebreitete Arme,
der alle und alles an sein Herz nehmen will.
(Kreuz wurde von den Kindern geschmückt)

Wir wünschen uns, dass alle glücklich sind, habt ihr Kinder uns gesagt.
Einfach und klar.
Und eigentlich so selbstverständlich.
Da treten Egoismus und Angst zur Seite.
Auch alles Planen und Sorgen.
Da vertrauen wir darauf, dass Gott bei uns ist, bei seinen Lieblingen
Und sagen Ja zu den Menschen, ja zum Leben
und Nein zu Gewalt und Ungerechtigkeit.
Ohne Diskussion.
Nutzen unsere Kraft, um zu tun, was naheliegt,
helfen, selbstverständlich,
und feiern und besingen das Leben aus ganzer Seele wie in diesem Gottesdienst.

Mache ich es mir zu einfach?
Kann schon sein.
Aber das möchte ich in der nächsten Zeit einfach mal versuchen:
Nicht planen, nicht viel diskutieren,
einfach nur Ja sagen oder auch mal Nein
und einfach nur das Naheliegende  tun.
Vielleicht versuchen wir das alle einmal.
Amen




Dienstag, 7. Juli 2015

Sommerabschluss: Mit dem Mond in das Land der Träume Anspiel


Mondnacht

Mensch 1:           Ein schöner Spaziergang, oder?
Mensch 2:            Ja, in der Nacht durch die Stadt gehen ist schön.
Mensch 1:            Alles sieht anders aus.
Mensch 2:            Als ob ein Geheimnis an jeder Ecke wartet.
Mensch 1:            Als ob Träume darauf warten, aufzuwachen.
Mensch 2:            Wir werden ja ganz poetisch.
Mensch1:             Kein Wunder. Schau mal, der Mond!
(Mond steht auf den Altarstufen oben ohne sich zu bewegen)
Mensch 2:            Rund und voll.
Mensch 1:            Er ist so hell und klar. Da können sicher viele nicht schlafen.
Mensch 2:            Komm, wir schauen mal durch das Fenster hier.
Mensch 1:            Da liegt eine und dreht sich hin und her.
Mensch 2:            Die kann auch nicht schlafen.
Mensch 1:            Sollen wir ihr was singen, damit sie in ihre Träume findet?
Mensch 2:            Ich kann nicht singen.
Mensch 1:            Warte, ich habe hier was auf mein Handy runtergeladen.
(setzen sich, schlafen selber bei dem Lied ein)

Solo:                   Lullaby 
Clara                    Sollte das ein Schlaflied sein? Mich hat es nun ganz wach gemacht. Ach, ich sehne mich so nach Weite und Abenteuer.
(schaut sich um)
Mama möchte, dass ich mein Zimmer aufräume und morgen früh aufstehe. Damit ich in den Ferien nicht verwahrlose, sagt sie. Blödsinn. Ferien sind dazu da, dass ich endlich mal tun kann, was ich will. In den Tag hineinleben oder auch in die Nacht. Und diese Nacht ist doch sicher nicht zum Schlafen da, wenn der Mond so hell scheint.
(steht auf, stellt sich ans imaginäre Fenster, verträumt)
Der Mond, der Mond, da möchte ich gerne einmal hin. Auf die Erde schauen, weit im Weltall schweben. Oder auf einem Mondstrahl reisen. Wie der kleine Häwelmann.  Durch die ganze Welt in meinem Bett fahren. In Traumwelten.
Wie war das doch? Leuchte alter Mond leuchte? (Pause, energischer) Leuchte, alter Mond, leuchte!
Mond:                  (bewegt sich und tritt zu ihr) Wenn du denkst, ich lass mir diesen Ton noch einmal bieten, hast du dich getäuscht. Der kleine Häwelmann, dem war es nicht genug durch die Stadt zu rollen. Den musste ich in die Stadt bringen und als es ihm zu langweilig war, in den Wald begleiten, und dann auch noch in den Himmel. Da hat er mir die ganzen Sterne durcheinander gebracht und ist mir zuletzt noch über die Nase gerollt. Und die ganze Zeit hat er „Alter“ zu mir gesagt, alter Mond.
Clara:                   Entschuldige.
Mond:                  Was willst du?
Clara:                   Durch die Welt reisen, vielleicht auch in die Träume der Menschen hineinsehen.
Mond:                  Das würde ich dir nicht raten.
Clara:                   In die schönen Träume. In die Träume von einem schönen Leben.
Mond:                  Hm.
Clara:                   Und fliegen, ich will fliegen können!
Mond:                  Dazu musst du mich erst überreden und das geht mit einem einfachen „Ich will“ nicht.
Clara;                   Wie denn?
Mond:                  Du musst mein Herz erweichen.
Clara:                   Seit wann hat der Mond ein Herz?
Mond:                  Wie bitte?
Clara:                   Schon gut. Ich weiß nur nicht, wie ich das mit deinem Herzen hinkriegen soll.
Mond:                  Du musst deine Sehnsucht spüren, damit du bereit bist, ihr zu folgen.
Clara:                   Meine Sehnsucht spüren?  Ich finde das richtig peinlich, was du da gerade abziehst.
Mond:                  Tja, ich bin nichts für Menschen, die nicht mal abheben können und denen alles peinlich ist.
Clara:                   Ja, ja. Sei nicht so empfindlich.
Mond:                  Ich bin der Meister der Träume und ich kenne mein Geschäft und weiß, was da nötig ist, klar?
Clara:                   Ist ja gut. Was soll ich tun?
Mond:                  Konzentriere dich einfach auf deinen Wunsch, auf deinen Traum
Clara:                   (setzt sich, schließt die Augen) Fliegen will ich, zum Mond fliegen, flieg mich zum Mond, dass ich mit den Sternen spielen, flieg mich, flieg mich...

Solo:                   Fly me to the moon        
(nach Worten „hold my hand“ nimmt der Mond Clara bei der Hand und führt sie los, evt. auch mit Tanzen....)

Mond:                  War’s schön, das Fliegen?
Clara:                   Großartig, wunderbar. Und jetzt?
Mond:                  Jetzt sammeln wir Träume.
Clara                    Die guten.
Mond:                  Ja doch.  (Gehen durch die Gemeinde und sammeln Träume ein, greifen dabei über die Köpfe der Leute und tun sie in einen Korb.)
Mond:                  Komm, setzen wir uns. (Bank mit gelbem Tuch)
Clara:                   Wo sind wir hier?
Mond:                  Im Himmel, in der Weite, die ist nötig, damit Träume sich ausbreiten können.
Clara:                   (zeigt auf die Bank) Das sieht aber nicht stabil aus.
Mond:                  Das ist ein Bordstein der Milchstraße. Vertrau mir und setz dich. (setzen sich, Clara sehr vorsichtig) Schauen wir mal, was wir da haben. (greift in den Korb und holt den ersten Traum heraus (Silberpapie ro.ä. ) und wirft ihn in die Luft)
Traum 1:              (kommt mit Bademantel und Schirm) Hach, ein Sandstrand, warme Luft, warmes Meer, in das ich eintauchen kann. Alles loswerden, was mich bedrückt. Freie Zeit, die nur mir gehört. (geht ab)
Clara:                   Der Traum gefällt mir.
Mond:                  Dachte ich mir. Der nächste.
Traum 2:              (kommt mit einem großen Glas Nutella und einem Buch)  Ein Glas Nutella für mich ganz alleine. Und ich kann mich damit einfach ins Bett legen und lesen und das Glas dabei leer essen.
Clara:                   Auch nicht schlecht. Was die Leute so in der Kirche träumen.
Mond:                  Ich wundere mich auch. (hält ihr den Korb hin)  Hier greif du mal rein. (Clara tut es)
Traum 3:              (Kommt mit einer Gitarre) Ich will Musik machen, die die Herzen erreicht. Meine Stimme soll den Himmel und die Erde füllen, wunderbare Melodien will ich mir ausdenken und wie Eric Clapton Gitarre spielen.
Clara:                   Ganz schön selbstbewusster Traum.
Mond:                  Tja, beim Träumen trauen sich die Menschen eben viel mehr zu als beim Wachen. (greift den nächsten Traum)
Traum 3:              (kommt auf hohen Schuhen, mit kurzem Rock)  Ich will die Laufstege erobern und trotzdem weiter Schokolade essen. Ich werde das Model der Zukunft, kompakt und schön! 
Clara:                   Vergiss es. Das setzt sich doch nie durch.
Mond:                  Clara! Wir sind im Land der Träume. Flieg mit ihnen mit, sonst sitzt du hier nicht lange.
Clara:                   Sorry. (zeigt auf den Korb) Darf ich?
Mond:                  Bitte. (Clara wirft Traum)
Traum 4:              (kommt mit einem Bild von Haus, Familie und Geldsack) Ich will glücklich werden, in einem Haus, mit meiner Familie und genügend Geld zu leben.
Mond:                  Ein sehr häufiger Traum.
Clara:                   Ich finde den schön. Träume ich auch ab und zu.
Mond:                  Kindchen, du musst erst mal in die Welt hinaus. Ans Häuserbauen kannst du später denken. (wirft den nächsten)
Traum 5:              (kommt im Arztkittel) Ich will Arzt werden und ein Mittel gegen den Hass erfinden. Dass alle Menschen friedlich sind und sich nicht mehr töten oder schlagen, dass sich ihre Herzen öffnen und sie teilen.
Clara:                   (zweifelnd) Also...
Mond:                  Clara! (Clara hebt begütigend die Hände, wirft den nächsten Traum hoch)
Traum 5:              (kommt mit einem roten Herzen) Ich träume davon, dass er mich liebt, er der Einzige und Wahre, der tolle Junge aus der 10. Klasse. Eines Tages kommt er auf dem Schulhof zu mir und fragt „Hey, Kino heute Abend?“ und ich sage „Ja“ und dann fragt er: „Soll ich dich abholen?“ und ich sage „Ja!“ und dann holt er mich ab und wir fahren U-Bahn und dann reden wir und mir fallen lauter witzige Sachen ein und er ist total begeistert von mir und dann gehen wir ins Kino und er kauft Popcorn für uns beide und hält dann meine Hand im Film und danach fahren wir nicht mit der U-Bahn, sondern laufen durch die Stadt, und reden und lachen und er legt seinen Arm um mich und dann..
Mond:                  Reicht. Ein sehr redseliger Traum. Nächster.
Traum 6:              Ich träume von einer Küsterei ohne Wasserfleck. Mit neuen Möbeln und neuem Boden, eine helle, klare Atmosphäre, ein Ort, den die Menschen gerne aufsuchen und an dem ich gerne arbeite.
Clara:                   Ein sehr praktischer Traum.
Mond:                  Ja, aber einer den man umsetzen kann, wenn andere sich den Traum zu eigen machen. (wühlt im Korb herum) Moment mal, Moment mal, was haben wir denn da? Wie ist denn der hier reingeraten?
Clara:                   Was denn?
Mond:                  Ein alter Traum, ein sehr alter Traum. Wurde reingeschmuggelt und ich kann mir auch schon denken, von wem.
Clara:                   (deutet fragend nach oben)
Mond:                  Richtig. Gott pfuscht mir manchmal ins Handwerk. (schaut nach oben) Entschuldige. Ich meine natürlich, Gott nutzt ab und zu mein Traumland um die Menschen auf die richtige Bahn zu führen und sie auf neue Ideen zu bringen.
Clara:                   Mach’s nicht so spannend.
Mond:                  (wirft den Traum hoch)

Traum 6:              Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann, mit hellem Licht und offenen Toren und einem funkelnden Fluss köstlichsten Wassers, an dessen Ufer sich friedliche Völker versammeln. (nach Apk 21)
Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. (Micha 4)

Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach:
Gott:                    Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Und er will bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein,
und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.
Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu (Apk. 21)

Clara:                   Schööön.
Mond:                  Gefällt dir?
Clara:                   Ja. So müsste die Welt sein.
Mond:                  Na, dann tu deinen Teil dazu.
Clara:                   Ich kann nichts.
Mond:                  Moment. (greift über ihren Kopf und holt ihren Traum und wirft ihn in die Luft)
Traum 7:              (kommt mit einer Feder und einer Papierrolle) Ich schreibe Geschichten und Gedichte, die  zu Herzen gehen und die Grenzen der Welt und des Lebens dehnen. (denkt nach)  Hm... (schreibt, dann schwärmerisch) „Die Sterne beugen sich nieder, und der Mond fließt den Fluss hoch“ (Du Fu)
Mond:                  Wow. Ich liebe Gedichte über mich.
Clara:                   Glaube ich dir. Aber du hast recht, Schreiben, das ist mein Traum.
Mond:                  Ich weiß. So genug geträumt. Zeit wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen, was für dich soviel heißt wie „Ab ins Bett.“
Clara:                   Ja, jetzt kann ich schlafen. Ich freue mich schon drauf. Schickst du mir einen schönen Traum?
Mond:                  Ich schau mal. (nimmt sie an der Hand, führt sie wieder runter, sie verabschieden sich, Mond geht nach auf die Altarstufen und erstarrt)
Mensch 1:            (wacht auf, pufft Mensch 2 in die Seite)
Mensch, wach auf. Wir haben uns selber in den Schlaf gesungen.        
Mensch 2:            Tatsächlich. Und ich habe so wunderschön geträumt.
Mensch1:             Was denn?
Mensch 2:            Sag ich nicht. Hatte was mit Schulhof und Kino zu tun.
Mensch 1:            Lass mich raten! Und mit Jonathan!
Mensch 2:            Lass das. (schaut zu Clara)  Schau mal, sie schläft.
Mensch 1:            Und lächelt. (schaut zum Mond)  Und der Mond ist immer noch nicht untergegangen. Komm wir gehen weiter.
Mensch 2:            Kennst du „Der Mond ist aufgegangen“?
Mensch 1:            Klar. Hat meine Mutter öfters am Abend gesungen.
Mensch 2:            Das können wir doch jetzt singen.
Mensch 1:            Das ist doch peinlich.
Mensch 2:            Hört doch keiner. Außerdem: In einer warmen Mondnacht wie dieser ist gar nichts peinlich.
Mensch 1:            Also gut.
Lied:                   (mit Gemeinde) Der Mond ist aufgegangen
Mond:                  Danke Leute, wünsche allerseits viel freie Zeit, neue Weiten und schöne Träume. Ich geh dann mal unter. Bis morgen. (geht ab)