Mittwoch, 21. August 2013

Anspiel zum Kaufmann und der Perle, Mt 13, 45-46

Für den Vorstellungsgottesdienst der neuen Konfis zum Thema "Perlen des Glaubens"

(Die Figur des Kaufmanns lehnt sich an die Geschichte aus  Von Schafen, Perlen und Häusern: Jesus erzählt von Mick Inkpen an. Sehr zu empfehlen. Vor allem auch sein Bilder-Buch "Jesus nimmt frei.")




Der reiche Kaufmann und seine Perle
Erzählerin:         Was macht Freude, ich meine, was macht euch und Ihnen so richtig Freude? Vielleicht das Reisen oder shoppen gehen oder eine Runde Doppelkopf? 
Jesus behauptet, Leben im Reich Gottes würde Freude machen, so große Freude wie z. B. das Shoppen und weil er, weise wie er nun mal war, schon ahnte, dass Shoppen im Leben der Jugendlichen heute eine große Rolle spielen würde, erzählt er eine Geschichte vom einem Shopping-Tag. Die Geschichte soll zeigen, wie sich die Freude im Reich Gottes anfühlen wird. Doch hören wir ihm zu und erfahren, wie es wirklich dazu kam.

Jesus:                  Kommt Leute, lasst euch nicht hängen. Wir haben noch mindestens eine Stunde Fußmarsch vor uns.
Petrus:                Jesus, du nervst. Wir laufen von einem Dorf zum andern. Das macht keinen Spaß. 
Jesus:                  Was ist los mit euch? So ein schlapper Haufen ist mir ja noch nie begegnet.
Andreas:             Wundert dich das? Wir schuften täglich für das Reich Gottes und kümmern uns mit dir um die Kranken und reden mit den Traurigen und bemühen uns sanftmütig zu sein.
Jesus:                  Weit seid ihr damit aber nicht gekommen.
Johannes:           Was? Selbst als dieser reiche Kaufmann da mit seinem Besitz geprahlt hat und daneben die Armen standen, habe ich den Mund gehalten.
Jesus:                  Mund halten nennst du das? So, so.
Johannes:           Ich habe ihm nur ganz freundlich dein Gleichnis vom Reichen erzählt, der in der Hölle schmort und seine lebenden Brüder warnen will und es nicht darf.
Jesus:                  Da hat er sich aber gefreut.
Johannes:           (reibt sich die Hände)  Ganz blass ist er geworden, der reiche Sack.
Jesus:                  Wie oft soll ich euch das noch sagen: Die Menschen sollen lernen, dass es Freude macht im Reich Gottes zu leben, dass sie gewinnen, nicht dass sie verlieren, wenn sie nach Gottes Geboten leben.
Johannes:           Ja, ja.
Jesus:                  Hört mal. Ich erzähle euch eine Geschichte von einem reichen Kaufmann.
Petrus:                (gelangweilt) Und dann wird er arm und ist total glücklich, dass er betteln darf wie wir, weil wir kein Geld mitnehmen dürfen und fertig ist die Geschichte.
Jesus:                  (forschend) Petrus?
Petrus:                Ja, Jesus?
Jesus:                  Kann es sein, dass dir zur Zeit die rechte Freude fehlt?
Petrus:                Kein Kommentar.
Jesus:                  Hör einfach mal zu. Vielleicht wisst ihr dann wieder, warum wir hier rumlaufen. Die Geschichte handelt vom Kaufen. Stellt euch einen Kaufmann vor. Habt ihr das?
Andreas:             Ja, fett, feist und selbstzufrieden.
Jesus:                  Genau! Und der sagt:

Kaufmann:         (tritt lässig von der Seite auf, redet langsam, mit Pausen und ein bisschen snobistisch) Hi, wie geht’s? Gut? Mir auch. Bin Kaufmann und sehr reich. Habe alles. Total coole Sachen.
Ein riesiges Haus, einen Swimmingpool, 5 Kühlschränke voll mit Pommes und Pizza, Klamotten vom Feinsten. Habe ausgesorgt und muss nicht mehr arbeiten. Mein Konto wird nie wieder leer.
Geht’s mir gut! Jeden Tag Pommes auf den Tisch, ein Ründchen im Swimmingpool drehen, dass ich nicht verfette, genügend Schlaf und abends ein oder zwei Filmchen. Was will ich mehr vom Leben?
Andreas:             Ich versteh nur Bahnhof.
Jesus:                  Ich erzähle nicht nur für euch, sondern auch für künftige Generationen.
Andreas:             Aha.
Jesus:                  Eines Tages aber, an einem der seltenen Tage, als der Kaufmann ausging, da fand er in einem Laden eine Perle, eine wunderbare Perle. So eine schöne, große, schimmernde Perle hatte er noch nie gesehen.
Kaufmann:         (steht vor einem der eine Perle auf einem Kissen hält, redet nicht mehr snobistisch, sondern aufgeregt) Ohhhh, ist die schööön. Wunderbar. Mein Herz wird ganz warm. Muss das eine Freude sein, sie zu besitzen. Den ganzen Tag würde ich davor sitzen und sie anschauen. Ich muss sie haben! Unbedingt!! Wieviel kostet sie?         
Mann:                 3 Millionen Euro.
Kaufmann:         Drei Millionen??? Das ist Wahnsinn!! Vergiss es!
Jesus:                  Und der Mann ging nach Hause. Aber die Perle ging ihm nicht mehr aus dem Sinn. Er dachte an sie Tag und Nacht. Die Pommes vergammelten im Kühlschrank, das Wasser im Swimmingpool blieb unberührt und die DVDs, die er sich hatte schicken lassen, lagen unbeachtet herum.
Nichts machte ihm mehr Freude. Da, eines Tages, fasste er einen Entschluss.
Petrus:                Er überfiel den Perlenhändler.
Jesus:                  Nicht doch. Hör zu.
Kaufmann:         (läuft unruhig hin und her) Ich muss diese Perle haben. Alle werden mich auslachen, das weiß ich, wenn ich alles verkaufe nur wegen dieser einen Perle. Aber das ist mir egal. Wozu brauche ich einen Swimmingpool, ein 15-Zimmer-Haus? Und die Pommes hängen mir auch zum Hals raus. Ich brauche drei Millionen Euro. Zwei Millionen habe ich auf dem Konto, der Rest muss vom Haus und den Kühlschränken und meinem Besitz kommen.  Perle, ich komme! (verschwindet und zieht sich in der Sakristei um)
Jesus:                  Und der Mann ging hin und verkaufte alles, was er hatte.
Andreas:             Alles?
Jesus:                  Alles, außer seinem Lieblingshut. Schaut.
Kaufmann:         (Kommt in einfacher Kleidung mit zwei prall gefüllten Tüten voller Geld an oder einer Schubkarre und stellt es vor dem Perlenhändler ab.)  So, alles verkauft. Das müsste reichen.
Jesus:                  Und der Perlenhändler zählte und sagte:
Mann:                 Es fehlen noch 50 Euro.
Kaufmann:         So ein Mist. Ich habe aber nichts mehr, was 50 Euro wert ist.
Mann:                 Dann gib mir deinen Hut und wir sind quitt.
Kaufmann:         Wirklich? Also gut, es ist mein Lieblingshut.
Mann:                 (setzt ihn sich auf) Er ist sehr schön. Hier ist die Perle.
Kaufmann:         (fasst die Perle vorsichtig an) Oh, wie schön, wie wunderschön. Ach, bin ich glücklich, so überglücklich. (hüpft in Richtung Sakristei und ruft weiter) Ich freue mich, ach wie ich mich freue!
Johannes:           Süß.
Jesus:                  Nicht wahr?
Andreas:             Ich mag solche Spinner.
Jesus:                  Ich weiß. Erinnert euch die Geschichte nicht an etwas? Na, Petrus?
Petrus:                (etwas verlegen) Naja, ja. An den Tag, als du an den See Genezareth kamst und mir in die Augen schautest und sagtest, ich dürfe mitkommen und Menschen fischen.
Jesus:                  Und? Hast du dich da gefreut?
Petrus:                Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so eine Freude empfunden wie in dem Moment. (wird immer schwärmerischer) Mein Herz wurde warm und weit. Ich glaubte plötzlich, dass sich die ganze Welt ändern kann. Frieden, Freude überall. Es war toll, es war so schön, so wunderschön. Ich war so glücklich, so überglücklich.
Johannes:           (legt ihm die Hand auf die Schulter) Hey, Alter, entspann dich.
Petrus:                (normal) Hast du dich damals nicht gefreut, Johannes?
Johannes:           Doch, klar, aber ich bin dennoch ein Mann geblieben und nicht so ein Weichei geworden wie..
Petrus:                (gefährlich) Wie wer.
Jesus:                  Leute, Friede.
Andreas:             Jesus?
Jesus:                  Ja, Andreas?
Andreas:             Du hast ja recht mit der Freude und dem Reich Gottes und meistens sind wir ja auch einer Meinung und sind ganz erfüllt von deiner tollen Gegenwart und dem, was wir alles tun und bewegen.
Jesus:                  Ich weiß, Andreas und das schätze ich sehr an euch.
Andreas:             Aber...
Jesus:                  Aber was?
Andreas:             Wir haben früher viel mehr gefeiert. Wisst ihr noch, bei Zachäus? Das war doch eine Bombenstimmung,. Erst den Zöllner bekehrt und dann kamen der Lammbraten und der Wein...
Petrus:                Das war eine Freude!
Jesus:                  Ihr habt Recht. Übrigens. In Kafernaum, da sitzt neuerdings ein Mann im Zollhäuschen, der heißt Matthäus.
Petrus:                Heißt das...?
Jesus:                  Wollen wir den mal auf den rechten Weg führen?
Johannes:           Ja!
Andreas:             Und mit einer Feier in unsere Runde aufnehmen?
Jesus:                  Ich denke, das wäre angemessen. Würde euch das Freude machen?
Alle 3:                  Ja!

Erzähler:             Jesus war ein ernsthafter Mensch, aber viele seine Geschichten enthalten ein Augenzwinkern, das wir nicht bemerken, weil Jesus diese Geschichten eben nicht der Nachwelt, sondern seinen Leuten erzählt hat, die häufig Bauern und einfache Leute waren. Eines aber ist klar. Es ging ihm nicht darum, Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen. Sie sollten merken, dass ein Leben in Gemeinschaft, in Frieden und Gerechtigkeit, um hier mal ein paar Schlagwörter in die Menge zu werfen, dass sie das mit Freude erfüllt. Ob das stimmt oder leere Versprechungen sind, ob wir wirklich Perlen finden, die uns erfreuen und bereichern, wenn wir uns mit dem Glauben und der Kirche beschäftigen, das werden wir in den nächsten 1,5 Jahren gemeinsam prüfen.
(Und dann sagt die Erzählerin noch dies und das, aber dafür lässt sie dann die Predigt weg...)



Sonntag, 11. August 2013

Predigt Lk 7, 36 - 50



Zeit, hat Albert Einstein gesagt, ist etwas Relatives.
Und er erklärt:
 „Wenn man zwei Stunden lang mit einem netten Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute.
Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.“
Ferienzeit gleicht wohl der ersten Kategorie.
Wo sind bloß die 6 langen Wochen geblieben?
Ein Teil davon jedenfalls blieb in Dänemark,
eine Zeit, die wir mit 16 Jugendlichen und einigen Erwachsenen dort verbracht haben und uns neben Kopenhagenreisen, Kartenspielen, Schwimmen
auch Gedanken über die Zeit gemacht haben,
unsere Lebenszeit und die Art und Weise, wie wir sie leben.
Manchmal, diese Erfahrungen haben einige von euch auch gemacht,
ändern sich die Zeiten, aber man selber hängt noch in der alten Zeit fest oder wird dort festgehalten.
Ich selber habe mich verändert, möchte anders weiter machen, neu beginnen, doch das ist nicht so leicht.
Die anderen haben noch zu viele Erinnerungen an die alte Zeit und an mich, an meine Rolle in ihr.
Sie können sich das nicht vorstellen, dass einer oder eine die alte Zeit abschüttelt wie eine Schlange eine alte Haut.
Und geht das überhaupt?
Damit beschäftigt sich der Predigttext für den heutigen Sonntag.
Die Bibel erzählt im 7. Kapitel des Lukasevangeliums, Vers 36:

36 Es bat Jesus aber einer der Pharisäer, bei ihm zu essen. Und Jesus ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch.

Der Gastgeber heißt Simon. Simon ist überzeugter Pharisäer, was soviel wie Abgesonderter heißt.
Die Pharisäer haben dafür gesorgt, dass das Volk Israel seine Identität auch ohne den von den Römern zerstörten Tempel erhält.
Die Gebote Gottes ganz genau im Alltag befolgen, ihn mit dem eigenen Leben heiligen,  das ist ihnen wichtig.
Darauf achten sie, bei sich und auch bei anderen.
Manchmal sehr streng.
Simon gehört zu den aufgeschlossenen Pharisäern.
Ihn interessieren neue, lebensnahe Auslegungen der Gebote immer.
Er hat schon einiges von diesem Wanderrabbi gehört, von seinen Heilungen, seiner Lehre vom Reich Gottes, das die Welt auf den Kopf stellt.
Er macht sich auf einiges gefasst, denn er hat auch gehört, dass Jesus sich immer wieder mit merkwürdigen Leuten umgibt.
Schon die Schar seiner Anhänger, seiner Jünger besteht aus rauen Fischern, Zöllnern,
unreinen Menschen also, mit denen man sich als Mann der Gebote eigentlich nicht abgibt. 
Und Wein und gutes Essen scheint eine wichtige Sache zu sein für diesen merkwürdigen Mann Gottes.
Simon freut sich auf einen Gedankenaustausch, aber er ist auch vorsichtig.
Das Abendessen steht bereit.
Wein gibt es, aber nur einen Krug.
Die Schüsseln mit Wasser für die Füße, mit der sonst jeder Gast begrüßt wird, die hat er  in der Aufregung vergessen.
Man setzt sich gleich zu Tisch, isst, plaudert höflich.
Jesus berichtet von seiner letzten Reise. 
Ein Essen unter gebildeten Menschen.
Die Jünger bleiben stumm, essen, trinken, eine leicht angespannte Atmosphäre. Da, so berichtet die Bibel, geschieht Folgendes:

37 Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, dass Jesus zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein Glas mit Salböl
38 und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit Salböl.

Die Frau, die da so einfach in diese Männerrunde eintritt, ist eine Prostituierte.
Vielleicht eine Witwe, die sich nicht anders ernähren kann, vielleicht eine Waise, die von ihren Verwandten nicht mehr unterstützt wird, wir wissen es nicht.
Sie dagegen weiß, dass es für sie k
ein Zurück mehr gibt aus ihrem Dasein als Hure.
Sie ist stadtbekannt und kein Mann wird mehr eine Ehe, eine ernsthafte Beziehung mit ihr ins Auge fassen.
Aber sie hat sich etwas erhalten, das nun deutlich hervortritt:
Sie kann die Enge ihres Daseins noch empfinden und daran leiden,
weil sie ihre Liebesfähigkeit, ihre Zärtlichkeit nicht aufgegeben hat.
In ihr gibt es immer noch den Wunsch und auch die Fähigkeit, sich anderen zu nähern und ihnen jenseits von Geld und dem Befriedigen sexueller Bedürfnisse einfach nur Gutes zu tun.
Sie hat sich ihren Liebesreichtum erhalten, aber sie merkt auch, dass der immer mehr zerstört wird durch das, was sie da tut, Tag für Tag.  
Sie will da raus, aber keiner wird ihr das erlauben.
Kein Zutritt in eine neue Zeit.
Dieser Jesus, so hat sie gehört, predigt eine neue Zeit,
eine Zeit der Umkehr zu einem liebevollen Gott,
der jede einlädt ist, die die alte Zeit hinter sich lassen will,
wie eine Schlange ihre alte Haut.
Wie das gehen soll, weiß sie nicht genau.
Auf ihrer Haut kleben die Erfahrungen mit hunderten Männern fest,
ihrer Seele ist zutiefst verletzt von der Verachtung, mit der die Männer ihr trotz ihrer Begierde begegnen. 
Aber sie will es versuchen.
All ihr Erspartes nimmt sie und kauft teures Öl, Öl, das nur für die Salbung eines Königs verwendet wird.
Sie kommt hinein, sieht Jesus und etwas löst sich unter seinem Blick in ihr.
Sie erkennt, dass er mehr sieht als die anderen.
Zum ersten Mal seit langem begegnet ihr ein Mann mit einem liebevollen Blick, der auf ihre eigene Liebe antwortet.
Ein Tränenstrom bricht aus ihr hervor, der das vergessene Wasser von Simon reichlich ersetzt.
Sie wirft sich vor Jesus hin, ihre Tränen fallen auf  seine Füße,
sie küsst seine Füße überschwänglich,
sie trocknet sie mit ihren Haaren
und dann, als die Tränen allmählich versiegen, öffnet sie die Flasche und salbt seine Füße, reibt sie ein, massiert sie, küsst sie immer wieder.
Sie gibt sich ihm hin und findet sich dabei.
Die anderen sind wie erstarrt und beobachten die Szene,
diese Frau ohne jede Scham,
diesen Jesus, der die Berührung zulässt in aller Öffentlichkeit und sie offensichtlich sogar genießt,
der gemeinsam abhebt mit dieser Frau.
Die Bibel lässt diese Stimmung zu,
aber sie verliert auch nicht den Blick auf all das, was diese Stimmung,
diese Befreiung der Frau in eine neue Zeit hinein, verhindert.
Und das sind vor allem die Gedanken und die Starrheit der anderen, die Jesus sehr wohl wahrnimmt, auch wenn niemand sie ausspricht.  
Die Bibel erzählt weiter:

39 Als aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte:
Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin.
40 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen.
Er aber sprach: Meister, sag es!
41 Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig.
42 Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er's beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben?
43 Simon antwortete: Ich denke, der, dem er am meisten geschenkt hat.
Jesus aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt.
44 Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet.
45 Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen.
46 Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt.
47 Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.
48 Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben.
49 Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt?
50 Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!

Jesus lebt in einer anderen Welt,
er lebt schon in der Zeit, von der die anderen glauben, dass sie irgendwann mal anbrechen wird,
die Zeit, in der Gott die Welt zum Guten verändern und auf den Kopf stellen wird.
Jesus sagt: Schon jetzt sehen die Blinden, jetzt gehen die Lahmen, jetzt hören die Armen gute Nachrichten.
Schon jetzt fließt die Zeit anders, leichter, in einem weiten Raum.
Das können nicht alle wahrnehmen.
Das merken die, die loslassen, fließen, die viel Liebe in sich tragen und den Schmerz über zerstörtes Leben empfinden können. 
Das merkt auch eine Prostituierte, dass sie gehen darf,
raus aus ihrem Leben, das Gott ihr das zutraut.
Darauf vertraut sie plötzlich, auch wenn es ihr wie ein Wunder vorkommt, nicht ganz real.
Aber sie merkt plötzlich, wieviel Kraft sie eigentlich hat und an wen sie sie verschwendet.
Jesus versucht, auch Simon mitzunehmen.
Er nennt seine Starrheit mit Namen, du hast mir weder Wasser gegeben, noch mich zur Begrüßung geküsst, sagt er.
Aber er traut Simon Einsicht zu,
er lobt ihn, als Simon das Gleichnis mit den Schuldnern richtig deutet.
Er traut ihm zu, auch diese Frau mit anderen Augen zu sehen, ihre Liebe zu erkennen, ihre Hingabe und sich anders zu ihr zu verhalten.
Ob das geklappt hat, wissen wir nicht, auch nicht, ob sich das Leben der Frau wirklich geändert hat.
Das letzte Wort dieser Geschichte ist verheißungsvoll.
Das letzte Wort lautet Frieden.
Dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden, sagt Jesus der Frau.
Frieden, Schalom, meint nicht einfach sich gegenseitig in Frieden und sein lassen, wie man ist.
Frieden im biblischen Sinn ist Bewegung,
ein Ausgleich zwischen den Menschen, der immer wieder neu gesucht werden muss und mit den Veränderungen fertig werden muss.
Aber Frieden, so wie ihn Jesus gelebt und weitergegeben hat,
hat auch immer etwas Leichtes,
die Leichtigkeit von warmen Ferienzeiten,
den Geschmack von französischem Wein,
die Weichheit langer Haare und feinfühliger Hände,
die Heiterkeit und den Humor, den wir immer wieder brauchen, wenn wir miteinander zu tun haben,
und die Offenheit, sich mit allen an einen Tisch zu setzen und zuzulassen, was da geschieht.
Frieden in Jesu Sinn öffnet uns eine Freiheit, die wir spüren,
wenn wir uns Zeit nehmen, uns zu öffnen,
dann können wir unsere eigene Schuld, unsere Verstrickungen betrachten,
ohne daran zu verzweifeln,
und wir können sie Gott anvertrauen, dass er sie löst,
wir können unseren Wünschen nach Veränderung trauen und sie uns gegenseitig zeigen,
uns lösen und davonfließen, wie es die Frau zu Füßen Jesu getan hat,
uns nicht gegenseitig aufhalten,
sondern liebevoll begleiten, wie es Jesus der Frau gegenüber getan hat.

Das Leben in dieser Gemeinde,
die sich nach diesem Frieden benannt hat, ist manchmal nicht so leicht,
von schweren Entscheidungen geprägt, durchaus auch von schwerer Arbeit.
Aber es gibt auch anderes,
es gibt Menschen, die immer wieder Heiterkeit und Lachen hineinbringen,
wie Marlon und andere Jugendliche und dadurch andere anziehen, wie zum Beispiel z. Zt. 67 neue Konfirmanden und neue Teamer.
Es gibt Menschen, die uns trauen und sich uns anvertrauen,
ihre Lasten mit uns teilen,
ihren Wunsch aufzubrechen in eine neue Zeit und  uns damit helfen,
alte Bilder loszulassen und ungewohnte Wege zu gehen.
Es gibt hier die Offenheit, bei allen Gegensätzlichkeiten und Widersprüchen, sich immer wieder zu begegnen, sich zu verzeihen und mit neuen Augen zu betrachten,
einen Teamgeist, von dem ich mir wünsche,
dass er nicht nur eine Fußballmannschaft prägt, sondern auch hier immer mehr Menschen sieht und beteiligt,
Wir feiern gemeinsam Gottesdienst und ertragen es, wenn neue Menschen eine neue Atmosphäre mit sich bringen.
Auch wenn wir manchmal wie Simon den Kopf schütteln und denken:
Muss das denn sein?
Wir bewegen uns miteinander und ich wünsche mir, dass das ausstrahlt,
andere einlädt sich zu öffnen und mit uns  den Frieden, den Gott sich für diese Welt wünscht, zu leben.

Noch ist die Ferienzeit spürbar und sichtbar,
in der Wärme der Sonne,
in den erholten, gebräunten Gesichtern.
Lassen wir das jetzt mit dem Reden.
Singen wir lieber.
Loben wir Gott, der unsere Zeit in Händen hält,
liebevoll unsere Augen öffnet für das, was viele sich nicht trauen zu sehen, wie es Jaspers Taufspruch ausdrückt,
eben die Zeit Gottes, die uns immer und ewig offensteht, in ihr zu leben. Gemeinsam.
Amen



Freitag, 14. Juni 2013

Sommerabschluss 2013 Gen 15, 1-7 Anspiel und Predigt


Auf welche Sterne ist Verlass? 

(nach den schönen Ideen aus: Carloa L'hoest (Hg.), Macht alle mit! 
45 Familiengottesdienste für Gottesdienste und Feste, Sterne des Vertrauens, S. 130ff)

Gloria Stern:       Das Hotel. Endlich. 50 km bin ich gefahren. Extra um in diesem Hotel zu speisen. Es soll hervorragend sein, sagt meine Freundin und auf deren Geschmack kann man sich verlassen. Portier?!
Portier:               (eilt herbei) Ich begrüße Sie herzlich in unserem 5 Sternehotel Orion. Ihr Name?
Gloria Stern.       Gloria Stern, geb. Schnuppe. Bekannte Schauspielerin.
Portier:               Aha. Frau, äh,.. Stern, herzlich willkommen.  Was kann ich für Sie tun?
G. Stern:              Ich möchte in Ihrem 5 Sterne-Restaurant dinieren.
Portier:               Tut mir leid, meine Dame, alles ausgebucht für heute Abend.
G. Stern:              Was? Das gibt’s doch nicht. Ich habe mich darauf verlassen, dass ich heute ein 5 Gänge Menu erster Klasse zu mir nehmen kann.
Portier:               Es wäre sinnvoll gewesen, zu reservieren, Frau Stern. In Ferienzeiten kann man sich nicht darauf verlassen, dass bei uns etwas frei ist.
G. Stern:              Wer sich auf  Sie verlässt, ist verlassen.
Portier:               Aber meine Dame, das ist doch stark übertrieben. Auf unsere Sterne ist Verlass!
G. Stern:              Wissen Sie wohin Sie sich Ihre Sterne stecken können...?! (rauscht heraus)
Portier:               Gäste! Sollte man abschaffen. (geht ans Telefon) 5 Sterne-Hotel Orion?
Was? Der Kran hat einen Betonklotz fallen lassen? Pause
Auf einen Mercedes? Pause
Auf den Mercedes von Frau Supernova? Pause
Der Mercedes ist hin? Kein Wunder. Und der Mercedesstern? Pause Auch, na klar. Pause
Frau Supernova ist in Ordnung? Weiß ich, sie sitzt hier in der Lobby. Pause
 Ich soll es ihr sagen? Na, vielen Dank. Dieser Tag steht wirklich nicht unter einem guten Stern. Wiederhörn. (legt auf)
Frau Supernova:      (kommt zum Portier) Was habe ich da gehört?
Portier:               Tja, Frau Supernova. Es war nicht so günstig, das Auto gegen meinen Rat an der Baustelle zu parken. Unser Parkhaus kostet zwar etwas, ist aber unvergleichlich viel sicherer.
Frau Supernova: Was ist mit meinem Auto?
Portier:               Totalschaden aufgrund einer Kollision mit einem Betonklotz.
Fr. Supernova:   Das ist unmöglich. Mein Horoskop hat eindeutig gesagt, dass heute alles bestens läuft. Und auf meine Sterne war immer Verlass.
Portier:               Frau Supernova, ich kann für die 5 Sterne in unserem Hotel garantieren, aber nicht für die Sterne im allgemeinen.
Fr. Supernova:   Und jetzt?
Portier:               Jetzt ist ihr Auto auf dem Schrottplatz.
Fr. Supernova:   Aber... mein Auto...
Portier:               Frau Supernova, ich habe noch andere Gäste, um die ich mich kümmern muss.
Fr. Supernova:   Aber...
Portier:               Entschuldigen Sie mich. Ja?
Abraham:           (war unterdessen herangekommen) Ich suche einen Schlafplatz. Für mich und meine Frau.
Portier:               Und Sie heißen Scheich...?
Abraham:           Ich heiße Abraham.
Portier:               Und weiter?
Abraham:           Nichts weiter. Nur Abraham.
Sara:                    Und ich heiße Sara.  Nur Sara. Und unser Sohn Isaak.
Isaak:                  Hi!
Portier:               Scheich Abraham und Frau.
Sara:                    Sara.
Portier:               Scheich Abraham und Frau Sara und Sohn Isaak. Korrekt?
Sara:                    Die Namen stimmen. Aber der Scheich nicht.
Portier:               (guckt zum Himmel und seufzt) Wir hätten da noch die Präsidentensuite und die Hochzeitssuite. In unserem 5 Sterne-Hotel ist sonst alles ausgebucht.
Abraham:           5 Sterne nur?
Portier:               Mehr gibt’s nicht.
Abraham:           Ich bin gewöhnt, mich auf 1000e von Sterne zu verlassen.
Portier:               Mein Herr?
Sara:                    Schatz, das interessiert den Herrn nicht.
Portier:               Doch, das Hotelgewerbe in den arabischen Gegenden kennen zu lernen interessiert mich sehr. 1000 Sterne, sagten Sie?
Sara:                    (hebt die Hände) Dann müssen Sie das jetzt aushalten.
Abraham:           (weihevoll) Und Gott sprach zu mir und schickt mich fort aus dem fruchtbaren Haran, weg in ein neues Leben. Und ich verließ mich auf ihn und ging. Da stand ich also im fremden Land, in das mich Gott, der Herr geschickt hatte, auf dass ich mit Sara, meinem Weib, Kinder zeugen und ein großes Volk mein eigen nennen sollte.
Und da das Leben im neuen Land doch recht mühsam war und wir ja schon alt waren und Sara einfach nicht schwanger werden wollte,...
Sara:                    Was heißt hier nicht wollte...
Abraham:           Da war ich eines Abend doch recht deprimiert und Angst vor der Zukunft in der Fremde erfasste mich und ich trat vor unser Zelt, und sah hinaus in den Abend und hoch in den Himmel.
Portier:               (schüttelt irritiert den Kopf)
Abraham:           Und da sah ich all die tausenden von Sternen funkeln in unendlicher Pracht und plötzlich war die Stimme Gottes um mich und in mir und sprach in unvergesslicher Deutlichkeit:
Gott:                    Fürchte dich nicht, Abraham, ich passe auf dich auf und dein Lohn wird groß sein.
Abraham:           Und da klagte ich Gott mein Leid, dass wohl mein Haussklave mich beerben müsse, da ich ohne Erben dahinginge und Gott antwortete mir:
Gott:                    Dein leiblicher Sohn wird dein Erbe sein. Sieh in den Himmel und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst. So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
Portier:               Und darauf haben Sie sich verlassen?
Abraham            Auf Gottes Sterne? Natürlich!
Portier:               Und? Ist es eingetroffen?
Abraham:           Was?
Portier:               Das große Volk?
Isaak:                  Na, ich bin doch da!
Abraham:           Erstmal ein Sohn. Der Rest ergibt sich von selbst. Da verlasse ich mich ganz auf Gott.
Portier:               So, so.
Abraham            Aber Sara ist ja nun schon recht alt und erschöpft von der Geburt und da dachte ich, machen wir Urlaub und...
Sara:                    ...wir haben uns darauf verlassen, dass Gott schon für eine schöne Unterkunft sorgen wird.
Portier:               Äh, Sie haben kein Geld.
Abraham:           Nein. Ein Kamel kann ich Ihnen anbieten.
Portier                Ein Kamel?
Sara:                    Es steht draußen bei der Baustelle. Sollen wir es herein holen?
Portier:               Lassen Sie es ruhig da stehen.
Abraham:           Gut. Ich verlasse mich völlig auf Gottes Sterne. Er hat mir gesagt, ich soll vertrauen.
Portier:               Tja, dann...
Sara:                    Danke, mein Herr. Unser Gepäck ist auf dem Kamel. Wir nehmen die Präsidentensuite. Wo geht es lang?
Portier:               Aber...
Sara:                    Aber? Wollen Sie sagen, wir können uns auf Gott nicht verlassen? Wo wir doch entgegen allen Unkenrufen einen Sohn bekommen haben?
Portier:               Nein, natürlich nicht, aber...
Sara:                    Na, also. Komm Abraham. Isaak.
Isaak:                  Ja, Mama. (dreht sich um, zum Portier) Auf Mama kann man sich immer verlassen...



Predigt: Auf welche Sterne ist Verlass?

Abraham hat sich auf seiner Schlafmatte gewälzt und gewälzt.
In der Dunkelheit und Unbeweglichkeit der Nacht lastet  das ganze Gewicht der Ängste und Sorgen drückend auf ihm.
Abraham hat eine Krise.
Er hat sich auf Gott verlassen.
Er ist mit seiner Frau Sara gereist, weit gereist, mit einem Fahrschein ohne Rückkehr. 
Ein alter Mann, eine alte Frau auf dem Weg in ein neues Leben.
Das macht man nicht ohne Not.
Aber ohne Kinder, ohne die Möglichkeit den Erwerb eines ganzen Lebens in ihre Hände zu geben, ohne die Freude, die nächste Generation heranwachsen zu sehen und ohne ihre Hilfe? 
Für Menschen damals unvorstellbar.
Jeder Weg, dieses Ziel zu erreichen, ist ihnen recht.
Und daher haben sich Abraham und Sara auch darauf eingelassen, diesem Ruf Gottes zu folgen:
„Geh mit meinem Segen in ein neues Land.
Du sollst zum Segen und Vater eines großen Volkes werden.“
Sie haben sich auf diesen Ruf verlassen, Gott als Reiseleiter akzeptiert.
Hauptsache ein Kind.
Gründer eines Volkes? Nun, man wird sehen.
Abraham geht vor das Zelt.
Über ihm der sternklare Himmel.
Wer nachts unter einem solchen Himmel steht, der schaut hoch.
Abraham wird es so ergehen, wie es manchem von uns ergeht, wenn wir in den Sternenhimmel schauen:
Der Himmel ist groß, die Zahl der Sterne gigantisch, man selber so verschwindend gering und klein.
Abraham fühlt sich nicht erhaben angesichts der Weite des Sternenhimmels.
Er spürt nur Kälte und Gleichgültigkeit.
Wer bin ich schon, was kann ich schon?
Wen kümmert schon ein Abraham, der da unter der Eiche in Mamre, im fremden Land sein Zelt aufgeschlagen hat?
Zum Segen werden, Vater eines Volkes, wo noch nicht mal ein einziges Kind in Sicht ist?
Wohin hat ihn dieser Reiseleiter geführt?
Sein größter Wunsch nach einem Kind wird klein und unbedeutend.
Und als Abraham beginnt angesichts der Kälte des Himmels zu frieren, kommt Gottes Stimme zu ihm:
„Warum so kleinmütig, Abraham?
Ich bin der Herr des Alls, aber ich sehe dich, dich persönlich, und deinen Wunsch und nehme ihn mir zu Herzen.
Dein Wunsch ist wichtig, aber noch zu klein, zu klein für mich, zu klein für diese Welt, in die ich dich geführt habe.  
Ich werde deinen Wunsch erfüllen, du bekommst dein Kind, aber ich erinnere dich daran:
Ich erfülle deinen Wunsch nicht allein für dein privates Glück,
ich erfülle ihn, damit sich etwas ausbreitet,
 so weit wie die Sterne, die du hier am Himmel siehst,
damit Menschen sich ausbreiten, die meine Gebote und meinen Frieden in die Welt tragen.“
Und Abraham spürt, dass er gesehen wird.
Er spürt, er ist ein kleines Licht unter den Lichtern der Welt und Gott sieht ihn dennoch.
Er kann sich auf ihn verlassen, wie sich die tausenden anderen Lichter dieser Welt auf Gott verlassen können.
Und durch diesen Blick führt Gott Abraham aus seiner Enge heraus.
Gott macht Abraham nicht größer als er ist.
Aber er weitet seinen Blick für die Welt, die ihn umgibt
und gibt ihm die Kraft, Gottes Licht in seinem kleinen Leben entdecken und weiterzugeben,
an sein Kind und damit an alle, die sich später die Kinder Abrahams nennen werden.
Wer sich in dieser Weise auf Gott als Reiseleiter verlässt,
dem kann es dann sogar passieren,
dass Gott nach langen Jahren in der Steppe auch schon mal für Urlaub in einem 5 Sterne-Hotel sorgt
und sich zwar nicht unbedingt um den Schutz eines Mercedes kümmert oder um einen Platz im Restaurant,
aber um einen Platz in einer  Präsidentensuite.
Aber vor allem kann man sich darauf verlassen,
dass der Reiseleiter Gott uns nicht bei uns selber stehen lässt und bei der Bewahrung unseres privaten Kreises,
sondern unseren Blick immer wieder auf die große Familie der Welt richten wird und uns über uns selbst hinausführt.

12. Juni 2013. Berlin. Soorstr. 63.
Die Welt ist zu Gast dort.
Menschen aus Syrien, Aserbeidschan, Zentralafrikanische Republik, Afghanistan, Vietnam und anderen Ländern kommen,
weil Krieg und Verfolgung sie aus ihrer Heimat vertrieben haben und sie haben sich darauf verlassen bei uns Aufnahme zu finden.
Eine Infoveranstaltung an diesem Tag soll den Dialog über das neue Flüchtlingsheim mit den teilweise aufgebrachten Nachbarn in Gang bringen.
Angesichts der Lautstärke des Klatschens bei den Beiträgen wird deutlich, dass die Solidarisierer in der Überzahl sind.
Aber es reden auch andere. 
Ein Mann versichert, man habe nichts gegen die Flüchtlinge.
Die seien durch ihre Erfahrungen traumatisiert und bräuchten Hilfe.
Und ich atme schon auf und denke, wenn der es schafft,
diese Menschen so in den Blick zu nehmen,
dann sieht er auch wie begrenzt wichtig seine eigenen Befürchtungen sind. 
Aber dann kommt das Aber.
Aber, sagt er, hat das Bezirksamt auch daran gedacht,
dass durch so viele zusätzliche Menschen (230) auch der Müll auf den Straßen mehr würde
und ob da an eine zusätzliche Versorgung gedacht sei.
Der Mann nimmt den umgekehrten Weg wie Abraham.
Der Blick auf die Weite der Welt, auf den Schmerz der Menschen, die da kommen,
bringt ihn nicht dazu, seine eigenen Befürchtungen zu überdenken,
sondern im Gegenteil:
Er wird kleinlicher, ängstlicher und in seinen weiteren Äußerungen bösartiger, als es vielleicht sonst seine Art ist.
Er verteidigt sein Reich und lässt andere draußen stehen.
Er sieht überfließende Mülleimer und nicht die hilfebedürftigen Menschen.
Seine Sorge ist natürlich berechtigt.
Wenn neue, fremde Menschen hinzukommen, dann verändert sich etwas, dann kann es auch schwierig werden,
dann kann man das auch als Infragestellung seines eigenen privaten Königreiches sehen.
Aber das ist eigentlich schade,
denn es könnte auch spannend werden,
eine Chance sein, die Welt in den Blick zu nehmen,
wie Gott es sich von Abraham gewünscht hat, eine Chance, über sich selber hinauszuwachsen.
 
Ich hoffe, dass wir  uns als Reisende begreifen, die sich Gott als Reiseleiter anvertrauen.
Ich wünsche dem Täufling, dass er gute Erfahrungen mit diesem Reiseleiter macht und es als Hilfe und Freude erlebt, sich von Gott den Weg zeigen zu lassen.
Viele von uns werden in diesem Sommer reisen, Jugendliche mit mir nach Dänemark,
viele von Ihnen in andere Länder oder Gegenden, raus aus dem Alltag, raus aus dem kleinen Reich, das unser Leben prägt.
Man kann vieles planen, aber wir wissen, Reisen ist ein Abenteuer, immer wieder, das so oder so ausgehen kann.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie neben den Landkarten und Veranstaltern auch Gott als Reiseleiter vertrauen,
dass Sie auf Ihren Reisen auf warmherzige, freundliche Menschen stoßen, die Sie herzlich aufnehmen,
dass sich die Welt für sie öffnet in der warmen Sonne, am Meer oder in den Bergen,
dass Ihr Herz frei wird von der Enge und den Belastungen, die unser Leben nun mal neben allem Schönem immer wieder prägen
und dass Sie und ihr wiederkommt,
zufrieden mit Gott dem Reiseleiter,
offen und mit neuem Blick für Ihr Leben
und bereit, die Reise dieser Gemeinde in die Zukunft mitzugehen,
auch mit den fremden Reisenden, die Gott zu uns geschickt hat.
Dann zeigen wir, dass auch wir uns Kinder Abrahams nennen dürfen, 
Kinder einer großen Familie,
lebendige Steine, mit denen Gott am Frieden in dieser Welt bauen möchte.
Amen.