Donnerstag, 24. März 2016

2 Kor 5 Karfreitag 2016


I.              Karfreitag 1
Ein Bild wird heute gemalt,
ein Bild, an dem wir heute nicht vorbei kommen.
Ein Kreuzigungsbild.
Nehmen Sie sich doch das Liedblatt und schauen auf Chagalls „Weiße Kreuzigung“, die er 1938 malte,
seine Wut und Verzweiflung malte über das, was man seinem Volk antat.
Ein Bild, ein Kreuzigungsbild.
Wir sehen hin und können nicht wegsehen.
Kein Ausweichen möglich. Nicht erlaubt.
Karfreitag.
Ein kalter Tag.  Ein lauter Tag.
Gott schaltet das warme Licht aus,  schickt Schatten über die Sonne.
Gott schaltet den Ton an und es wird laut.
Kaltes Licht und harte Töne.
Im kalten Licht sehen wir Feuer, das aus zerbombten Häusern schlägt.
Menschen bluten, rennen, flüchten,
versuchen ihr Liebstes zu retten, die Thora, das Kind, ihr Leben.
Gewalt, nicht aufzuhalten.
Das Leben zersplittert. Unbarmherzig.
Auf dem Flughafen, in der U-Bahn in Brüssel.
Auf den Einkaufsstraßen in Istanbul.
Auf den letzten noch intakten Straßen Aleppos.
Am Kreuz von Golgatha.
Ein heller Strahl trifft im Bild den Mann am Kreuz.
Alle sehen es: Er erlebt all das Leid am eigenen Leib.
Oh Haupt voll Blut und Wunden.
Nackte Brutalität. Kaltes Licht.
Das Weinen der Opfer, das Stöhnen der Verwundeten hört man kaum.
Statt dessen laute, harte Töne.
Der Schrei aus vielen Kehlen:
Kreuzige ihn, den wir vorhin in der Matthäuspassion gehört haben.
Eindringlich. Laut. Aggressiv.
Keine Güte, kein Mitleid.
Niemand wechselt auf die Seite des sanften Opfers.
Laut hören wir den Spott und Hohn der römischen Soldaten, als sie ihn folterten und dann antrieben auf dem Weg nach Golgatha.
Das Gebrüll deutscher SS-Leute an der Rampe von Auschwitz:
Schneller, schneller.
Soldaten lästern und lachen laut, noch unter dem Kreuz.
Schlagstöcke treffen auf flüchtende Menschen, am Zaun von Idumeni.
Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben und dem Tod ins Auge sehen müssen,
rechts und links neben Jesus am Kreuz,
auch sie höhnen.
Keine Güte, kein Mitleid.
Niemand wechselt die Seiten. Die Härte bleibt.
Selbst am Grab Jesu erscheinen Soldaten,
wachen darüber, dass nichts Lebendiges aus dem Tod entstehe.
Und vertreiben mit ihrem Lärm die trauenden Frauen.

Wir sehen hin und können nicht ausweichen.
Es ist schwer, Leid zu ertragen oder hilflos mitanzusehen.
Soviel Verzweiflung und Wut.
Soviel schmerzhafte Trauer.
Soviel unbarmherzige Härte bei so vielen Menschen.
Und wir alle mit verstrickt in Schuld und Leid durch unser Leben in Europa auf Kosten anderer.
Wie kommen wir da raus? Was können wir tun?
Ich finde keine Antwort, die dem, was ich sehe, etwas entgegensetzen kann.
Es bleibt eine Frage:  
Wo ist Gott? Auf wessen Seite steht er eigentlich?
Steht er drüber, schwebt hilflos über dem Kreuz?
Wo ist Gott in dem kalten Licht,
wo seine Stimme zwischen all den unbarmherzigen Tönen?  

II. Seitenwechsel

Paulus, Paulus auf der Straße nach Damaskus.
Ohne Mitleid jagt er die Christinnen und Christen.
Sie haben nicht den richtigen Glauben.
Sie sind gefährlich für sein Volk.
Immer und immer wieder sorgen sie für Unruhe.
Er tut es für Gott, denkt er.
Dann plötzlich schaltet Gott für ihn das Licht an, das kalte, klare.
Und Paulus sieht, sieht hin.
Sieht Jesus,  blutend am Kreuz, der ihn fragt: Warum, Paulus, warum verfolgst du mich?
Paulus wird schwarz vor Augen. Kein Ausweichen möglich.
Nichts anderes darf Paulus sehen, nicht anderes,
bis er hingesehen hat,
ganz genau mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all seiner Kraft.
Was sieht er?
Er sieht Gott, Gott am Kreuz. Ein Ärgernis, ein Schlag ins Gesicht.
Hier ist keine Rede von Vergeben und Vergessen.
Die Karten liegen offen auf den Tisch.
Gott schreit, Gott streckt die Hände flehend nach ihm aus:
Warum verfolgst du mich? Komm auf meine Seite.  
Nie hat Paulus das vergessen.
Diesen Gott auf Knien, der ihn anfleht:
Werde mein Partner, wechsele die Seiten,
komm auf die Seite der Opfer, auf die Seite des Kreuzes.
Nie hat er das vergessen, diesen Gott, der Verzweiflung aushält,
den Spott und Hohn, die Gewalt.
Und alle Welt zwingt, hinzusehen.

Und Paulus schreibt im 2. Korintherbrief:
19 Ja, in der Person von Christus hat Gott die Welt mit sich versöhnt,
sodass er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnet;
und uns hat er die Aufgabe anvertraut, diese Versöhnungsbotschaft zu verkünden.
20 Deshalb treten wir im Auftrag von Christus als seine Gesandten auf;
Gott selbst ist es, der die Menschen durch uns zur Umkehr ruft.
Wir bitten im Namen von Christus:
Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet!
21 Den, der ohne jede Sünde war, hat Gott für uns zur Sünde gemacht,
damit wir durch die Verbindung mit ihm die Gerechtigkeit bekommen,
mit der wir vor Gott bestehen können.

III: Lasst euch versöhnen
Versöhnung. Es geht um Versöhnung.
Nicht um Vergeben und vergessen.
Nicht um Schwamm drüber, wir fangen einfach neu an.
Gott bietet Versöhnung an.
Die Karten liegen auf dem Tisch. Offen. Kein Joker.
Keine Hintertür für Rechtfertigung.
Nur so geht es. Nur so glauben wir, dass es ernst gemeint ist.
Versöhnen geht nicht aus der Ferne.
Das kann ich nur, wenn ich mich ganz hinein begebe.
Da braucht es Empathie.
Ich nehme dem andern seinen Willen zu Versöhnung nur ab, wenn ich spüre, dass er meine Lage wahrnimmt.
Spürt, wo ich verletzt bin,
meine Wut und meine Schmerzen aushält,
wenn er sich hinein fühlt in mein Leiden und auch in mein Unvermögen, bei der Liebe zu bleiben.
Dann spüre ich, dass der andere es ernst meint.
Das hat Gott getan.
Unser Leid und unsere Gewalt ernstgenommen,
unsere Kraft und unsere Schwäche.
Gott blickt  den harten Tatsachen ins Gesicht. Er hält das aus.
Und so können wir das glauben:
Gott sucht tatsächlich uns als Partner.
Und nichts anderes hat Jesus in seinem Auftrag getan:
Gottes Flehen weitergegeben: Kommt, kehrt um, das Reich ist so nahe.
Jesus, so unerträglich in seinem Friedensweg, in seiner Nächstenliebe, dass keiner es ohne Hilfe schafft, so zu leben.
Gott weiß aus langer Erfahrung, dass wir das nicht alleine schaffen, diese Umkehr von Unrecht und Gewalt.
Es bekümmert ihn zutiefst.
Er sieht das Unrecht in den gewaltsamen Toden.
Er hört Unrecht und Gewalt in unserer Sprache, wenn wir andere verurteilen, lästern
oder in der Lautstärke unseres Schweigens angesichts von Trauer und Not.
Er spürt es in der Härte unserer Herzen,  die uns, seien wir ehrlich, immer wieder erwischt,
in unserer Wut,
unserer Angst um unsere eigenes, wenn zu viele vor uns die Hände aufhalten.
Unrecht zieht sich durch unsere Geschichte.
Warum sollte Gott uns glauben, wenn wir versichern: Wir ändern uns.
Und so schaltet er das Licht an. Für uns.
Das kalte, klare. An dem Tag auf Golgatha.
Und zwingt uns hinzusehen.
Und das schaffen wir: Das Hinsehen.
Das Zuhören, das kriegen wir hin.
Heute. Am Karfreitag.
Wir hören Jesu Schrei am Kreuz,
der mit dem letzten Atemzug Gott bekennt, als seinen einzigen Trost, seine Kraft  in Leid und Tod.
Diesen Schrei hat Gott sich zu eigen gemacht, ihn wiederholt, immer wieder.
Paulus ist darauf eingegangen.
Er hat die Seiten gewechselt mit seinem ganzen Leben.
Er hat Gott ertragen.
Gott schreiend.
Gott auf Knien.
Gott, der bittet, fleht: Lasst euch versöhnen. Wechselt die Seiten.

Gott selbst ist es, sagt Paulus,
Gott selbst ist es, der die Menschen durch uns zur Umkehr ruft.
Wir bitten im Namen von Christus:
Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet!

IV Karfreitag 2
Karfreitag.
Gott schreit.
Gott sieht uns an, aus den Augen des Menschen am Kreuz,
aus den Augen von gefolterten, getöteten und vertriebenen Menschen.
Keiner von uns, behaupte ich, schafft es wie Jesus ganz und gar auf der Seite Gottes zu leben.
Immer wieder holt die Angst uns ein.
Und die Wut. Und die Selbstsucht.
Und die Gewalt in Wort und Tat.
Immer wieder brauchen wir es, dass Gott genau weiß, wie Leid und Angst sich anfühlen und uns dennoch die Hand hinhält.
 Sagt: Komm, Partner. Auf ein Neues.
Ich biete dir Versöhnung an und Leben auf den Wegen des Friedens.
Sei mein Bote, sei meine Botin.

Doch soweit sind wir heute noch nicht, am Karfreitag.
Noch schweigt Gott.
Hat sich ausgeschrien am Kreuz.
Hat sich in unser Herz geschrieen mit dem Leid der ganzen Welt.
Wird schweigen müssen, drei Tage lang, bis er wieder zu seiner Stimme findet.
Will, dass wir die Stille nutzen, hinsehen auf das Leid vergangener und heutiger Tage,
und uns Umkehr wünschen von ganzem Herzen,
wünschen auf seiner Seite leben wollen, aus ganzer Seele
und mit all unserer Kraft andere auffordern:
Lasst euch versöhnen mit Gott.
Geht den Weg seines Friedens und seiner Gerechtigkeit.
Nehmt die ausgestreckte Hand Gottes und schlagt ein, greift zu.
Gott kann euch nicht zwingen, er kann euch nur bitten.
Amen

Samstag, 9. Januar 2016

Predigt Heilig Abend 2016 zum Krippenspiel


Predigt Heilig Abend 2015

1. Es ist so leicht, das Licht weiterzugeben.
Es ist so leicht, sagt der Wichtel Tomte,
gib, was du hast, gib, was du geben kannst.
Er zeigt es uns,
der Wächterwichtel für Kinder und Tiere.
Er weicht trotzige Herzen auf
und der Esel geht weiter.
Die Kuh gibt Milch, der Wirt den Stall,
die Hirten hören dem Engel zu
und Maria wird die Maria, die wir lieben,
glücklich mit ihrem kleinen Kind und ihrer großen Hoffnung,
freundlich zu ihrem Josef.
Es ist so leicht.

2. Es ist so leicht auf  das Dunkel zu hören.
Es ist leicht, bitter zu werden.
Der Staat jagt mich schwangere Frau durch das Bergland Judäas oder auch quer durch Europa. Wieso?!
Es ist leicht, böse zu werden.
Jemand lässt seine Wut an mir aus, tut mir weh.
Da gehe ich keinen Schritt weiter oder trete sogar zurück.
Es ist leicht hart zu werden.
Ich sorge mich um meine Familie, meine wirtschaftliche Existenz.
Da verdränge ich mein Mitgefühl, vergesse die warmen Decken und den Stall, den ich doch ganz leicht öffnen kann.
Es ist leicht, in die Sprache der Waffen einzustimmen, wenn immer mehr sie verwenden,
und der Raum für die Sprache der Liebe kleiner und kleiner wird.
So viele sagen „Leider, aber...“.
Dürfen wir sagen: Ihr habt recht?
Es wäre so leicht, es liegt so nahe.

3. Es ist schwer, manchmal, Weihnachten zu feiern.
Da ist viel Dunkel geschehen,
Abschied von einem geliebten Menschen,
Sorgen im Alltag,
Gewalt und Angst, die so viele Menschen auf der Welt umtreiben, auf die Flucht treiben,
und uns auch hier in den Weihnachtsgottesdiensten nicht loslassen.
Leichte Worte finden, die uns feiern lassen, dass Gott uns nahe gekommen ist,
aber kein Lametta verteilen, das einfach zudeckt.
Nicht so leicht.


4. Der Engel Gottes auf dem Feld versucht es:
Fürchtet euch nicht, sagt er und blickt in die harten Gesichter der Hirten,
die mit Freude und Frieden und Gerechtigkeit schon lange nicht mehr rechnen.
Freude kommt, sagt der Engel,  und Frieden auf Erden.
Gott macht es euch ganz leicht.
Er schenkt euch ein Kind.
Gott weiß:
Ein Kind zu lieben ist leicht.
Ein Kind bringt uns zum Lächeln,
einfach so.
Unsere Hand streckt sich von selber aus und fängt es auf, wenn es fällt.
Ein Kind kann auf unsere Hilfe zählen, immer.
Ein Eis, Liebe, Fürsorge auf seinem Weg in die Welt.
Wir geben, was wir können,
ganz selbstverständlich. Ganz leicht.

Das Kind in der Krippe in einem Stall rührt die Herzen.
Das ist kein Kitsch. Genauso hat es sich Gott gedacht.
Gott drängt sich durch das Kind hinein,
in unsere Härte, in unsere Angst, in unsere Wut und in unsere Nüchternheit und sagt:
Leichter kann ich es euch nicht mehr machen.
Lasst dieses Kind in euer Leben kommen.
Lasst euch von diesem Kind zur Liebe verführen.
Gebt einfach, was ihr zu geben habt.
Macht es euch gegenseitig leichter, lächelt,
reicht dem anderen die Hand, vergebt, versöhnt.
Lasst das sein mit der Gewalt der Faust und der Gewalt der Worte,
lasst es einfach sein.
Denn nur so wird wirklich Frieden auf Erden,  
auf diese leichte, nicht auf die harte Tour.
Friede auf Erden, bei den Menschen, bei allen!
Was für eine Erleichterung wäre das!  
Und mit welchem Wohlgefallen würde Gott auf uns blicken!
Nehmen wir uns ein Beispiel an dem Wichtel und erinnern uns gegenseitig daran:
Es ist so leicht, das Licht von Gottes Liebe weiterzugeben.
Frohe Weihnachten!


















Röm 12, 1-7 1. Epiphanias 2016


Römer 12,1-8
Ich bitte euch, liebe Geschwister, dass ihr um des Erbarmens Gottes willen eure Körper, euch selbst darbringt zu einem lebendigen, heiligen Opfer, das Gott gefällt, zu eurem geistigen Gottesdienst. Und passt euch nicht dieser Welt an, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Denkens, um zu prüfen, was der Wille Gottes ist: das Gute, und das, was Gott gefällt, und das Vollkommene.
Denn ich sage euch durch die Gnade, die mir gegeben wurde, allen, die bei euch sind: Überschätzt euch nicht über das hinaus, was schätzenswert ist, sondern schätzt euch vernünftig ein, jeder so, wie Gott das Maß des Glaubens zugemessen hat.
Wie wir ja in einem Körper viele Organe besitzen, die Organe aber nicht alle die selbe Funktion haben, so sind wir alle ein Körper in Christus, aber untereinander sind wir Organe. Wir besitzen ja unterschiedliche Gaben entsprechend der Gnade, die uns gegeben wurde, sei es Prophetie in Übereinstimmung mit dem Glauben, sei es Dienst als Diakonin, sei es Unterricht als Lehrer, sei es Seelsorge als Seelsorgerin. Wer Almosen gibt, tue es ohne Berechnung; wer der Gemeinde vorsteht, tue es eifrig; wer Barmherzigkeit übt, tue es heiter.
(Übersetzung Güntzel Schmidt, Göttinger Predigten online)


In der Arena 1: Der Stierkampf

Das Tor geht auf.
Die Menschen halten den Atem an.
Der Stier kommt!  Er kommt in die Arena!
Er gilt als gefährlich, kampfeslustig, wild.
Ferdinand, der Furchtbare.
Gleich werden sie ein Schauspiel sehen.
Gleich wird der Matador den Stier mit rotem Tuch herausfordern.
Die Piccadores warten noch, bevor sie den Stier mit Lanzen reizen.
Vielleicht ist das gar nicht nötig.  
Das Tier trabt langsam in die Mitte.
Was ist das?
Der Stier hebt den Kopf, schaut in die Reihen,
sieht die Damen mit den Blumen an den Hüten, im Haar,
schnuppert, schnuppert noch einmal,
setzt sich entspannt in die Mitte der Arena,
schließt die Augen.
Atmet tief, atmet den Blumengeruch ein. Genießt.
Einen Augenblick entsetzte Stille.
Das gab es noch nie.
Dann brüllt Matador, provoziert den Stier, weint vor Verzweiflung.
Der aber öffnet nur ein Auge.
Und schließt es wieder.
Kein Kampf.
Gar nicht möglich.
Der Matador lässt das Tuch, die Piccadores ihre Lanzen sinken.
Wer hat ihnen denn diesen Stier angeschleppt?
Der hat doch in einer Arena nicht zu suchen.
Wie kann man gegen einen kämpfen, der gar nicht will?

Ich bitte euch, liebe Geschwister, dass ihr um des Erbarmens Gottes willen eure Körper, euch selbst darbringt zu einem lebendigen, heiligen Opfer, das Gott gefällt, zu eurem geistigen Gottesdienst. Und passt euch nicht dieser Welt an, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Denkens, um zu prüfen, was der Wille Gottes ist: das Gute, und das, was Gott gefällt, und das Vollkommene.

In der Arena 2 Auf der Wiese

„Ferdinand, der Stier“ heißt dieses alte Kinderbuch.
Ferdinand liebt die Blumen, nicht den Kampf.
Alle anderen jungen Stiere balgen sich munter auf der Wiese und träumen vom großen Tag in der Arena.
Ferdinand sitzt unter einem Baum und genießt den Duft, der von der Wiese aufsteigt.
Seine Mutter, anfangs besorgt, akzeptiert diesen merkwürdigen Sohn.
Doch die Arena bleibt Ferdinand nicht erspart.
Er setzt sich auf eine Hornisse und bietet den Männern, die einen Stier für die Arena auswählen wollen, in seinem Schmerzensrasen, ein eindrückliches Schauspiel.
Und sie wählen ihn aus.
Doch Kämpfen ist nicht seine Natur.
Ferdinand in der Arena. Das geht gar nicht.
Anders als viele Geschichten endet diese nicht in der Arena.
Ferdinand darf sich selber treu bleiben. Er wird auch nicht vernichtet.
Er darf wieder zurück auf seine Weide und den Blumenduft genießen bis ans Ende seiner Tage.
Es heißt, dass diese Geschichte zu den Lieblingsgeschichten Mahatma Ghandis gehörte.

Passt euch nicht dieser Welt an, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Denkens, um zu prüfen, was der Wille Gottes ist: das Gute, und das, was Gott gefällt, und das Vollkommene.
Denn ich sage euch durch die Gnade, die mir gegeben wurde, allen, die bei euch sind: Überschätzt euch nicht über das hinaus, was schätzenswert ist, sondern schätzt euch vernünftig ein, jeder so, wie Gott das Maß des Glaubens zugemessen hat.

Arena 3 Jesus in der Arena
Eine andere Arena.
Menschen am Jordan.
Sie warten auf den, der kommt, in diese Welt,
in die Arena ihres Lebens voller Gewalt und Armut.
Sie wollen sich erneuern, die Welt erneuern,
mit einem, der der Welt die Stirn bietet,
im Namen Gottes.
Johannes der Täufer hat Erwartungen geweckt.
„Tut Buße“,  ruft er, „er wird kommen, die Stimme aus der Wüste,
er wird nicht mit Wasser taufen wie ich, sondern mit Feuer und  dem Heiligen Geist.
Ich sage euch, der wird reden. Da werdet ihr euch noch umsehen.
Die Spreu wird er vom Weizen trennen und verbrennen und ...
Da kommt er ja.“
Die Menschen drehen sich um.
Sehen einen einfachen Mann, gekleidet wie sie alle zum Jordan kommen.
Hören seinen Wunsch von Johannes getauft zu werden wie alle anderen sündigen Menschen und die Einwände des Johannes.
Werden Zeugen seiner Taufe.
Erwarten Großes.
Schließlich tritt Gott in die Arena.
Geist und Feuer, hat Johannes gesagt, Geist und Feuer.
Der Himmel öffnet sich und...
Der Geist kommt.
Aber kein Feuer, eher eine Taube,
ein sanfter Flügelschlag der Liebe,
strahlendes Wohlgefallen, aber kein Feuer.
Die Menschen sind ratlos.
Der Mann tritt wieder aus dem Wasser. Schaut sie an.
Sie sehen das Leuchten in seinen Augen.
Aber reicht das, für die Arena dieser Welt?
Der Mann wendet sich ab von ihnen und geht weg, läuft in die Wüste und bleibt erst einmal unsichtbar.
Die Menschen ratlos.
Auch Johannes ist verdutzt.
Wie soll man der Welt die Stirn bieten, kämpfen, mit einem, der das gar nicht will.

Ich bitte euch, liebe Geschwister, dass ihr um des Erbarmens Gottes willen eure Körper, euch selbst darbringt zu einem lebendigen, heiligen Opfer, das Gott gefällt, zu eurem geistigen Gottesdienst. Und passt euch nicht dieser Welt an, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Denkens, um zu prüfen, was der Wille Gottes ist: das Gute, und das, was Gott gefällt, und das Vollkommene.


Arena 4: Christen in der Arena
Paulus schreibt an Menschen, die in der Arena leben,
mitten in Rom,
mitten in einer Welt mit Kaiserkult und aufgerichteten Kreuzen,
an die die Römer aufrührerische Menschen hängen.
Bringt euch selbst zum Opfer dar, schreibt er.
Setzt euch ein, ein jeder so, wie es seiner, wie es ihrer Kraft entspricht.
Bleibt vernünftig.
Sanft wie die Tauben und klug wie die Schlangen.
So hat es Jesus den Menschen ans Herz gelegt.
Und das sollen sie beherzigen.
Und sich nicht verführen lassen.
Sie müssen nicht mithalten,
nicht in der Arena der großen Denker.
Keiner verlangt, dass sie ein Aristoteles werden.
Sie müssen die Kämpfer nicht beeindrucken und nicht die römischen Soldaten.
Sie können auch nicht damit rechnen, dass die anderen von der Sprache und der Tat der Gewalt lassen.
Jesus, Gott schickt uns in die Arena der Welt, sagt Paulus.
Alle zusammen. Wie damals auf dem Marktplatz in Jerusalem,
 als alle sich zeigten und zusammenhielten:
Ein Körper, der zusammen und nur zusammen lebensfähig ist.
Und gehalten wird vom sanften Flügelschlag der Liebe.
Ermutigt von Gottes strahlendem Wohlgefallen
So sanft und doch so mächtig wie Wind und Feuer.
Paulus schafft Raum für das Leben im Glauben, aber nicht abgegrenzt, sondern mitten in der Welt.
Er kennt keine Kirchen, er kennt keine festen Gemeindestrukturen, nur Häuser von Gemeindegliedern, in denen man sich trifft.
Alles ist am Anfang.
Alles beginnt erst.
Eine Decke liegt auf der Wiese der Welt, allen sichtbar.
Menschen versammeln sich und bringen mit, was sie haben.
Leben und essen zusammen.
Teilen das Lachen und die Liebe und ihre Gaben, vernünftig und heiter.
Nur sie sind da und die weite Welt.
Eine Stimmung wie an einem Sommermorgen auf einer Weide.
Der Duft der Blumen steigt in die Nase.
Die Sonne wärmt.
Der Himmel ist blau und weit und die Welt offen.
Wir müssen um nichts kämpfen, dürfen teilen, was auf der Decke liegt.
Wege können beschritten werden.
Heiter und ohne Hintergedanken.
Gemeinschaftlich und ohne Wut.
Ausgerichtet am Guten, das Gott will und nicht an den Grenzen, die andere hochziehen, als seien sie das Gesetz dieser Welt.
Das gilt es zu bewahren, damit nicht der erste Windhauch des Zornes oder der Angst hinwegfegt, was mit Jesus von Nazareth begann.
Und das geht so schnell.
Damals wie heute.
Wir kennen uns und die anderen.
So schnell bereit andere zu verurteilen.
So schnell bereit zuzuschlagen.
So schnell bereit, zu schützen, was meins ist.
So wenig bereit, den anderen gelten zu lassen, so wie er ist
Und zu achten, was jemand zu geben hat.
Der einzige Schutz, den die Menschen um Paulus haben, sind sie selber,
ein Körper, eine Gemeinschaft im Namen Jesu Christi,
in der sie gelassen und vernünftig Gottesdienst feiern, in Wort und Tat.
Heiter und liebevoll.
Getragen vom Zuspruch Gottes, der ihnen an Gaben zumisst, was er ihnen zutraut und glaubt, dass damit die Welt sich zum Guten wandelt. 

Und passt euch nicht dieser Welt an, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Denkens, um zu prüfen, was der Wille Gottes ist: das Gute, und das, was Gott gefällt, und das Vollkommene.


Arena V Wir in der Arena

Nicht alle sind wie Ferdinand der Stier,
oder Jesus, den Gott wie eine Taube in die Welt geschickt hat.  
Die Versuchung in der Arena zu kämpfen ist immer wieder groß.
Phantasien:
Was würde ich tun, wenn ich von Männern umkreist werde wie die Frauen in Köln
oder dem Mob einer Pegidademonstration gegenüber stehe?
Muss ich mich verbiegen, um dem Bild einer sanften Taube auch nur annährend gerecht zu werden, mit dem Gott seinen Geist gleich setzt?
Und passt euch nicht dieser Welt an, aber geht in sie hinein, wie in eine Arena, was heißt das denn?
Sind wir Sektierer, Sonderlinge, nicht ganz von dieser Welt?
Vielleicht sollten wir nicht vergessen, was hinter den Worten des Paulus steht, auch wenn er wie wir eine Welt erlebt, die in vielem Gottes Willen widerspricht:
Dass es nämlich keine Arena gibt, auch wenn wir immer wieder das Gefühl haben, in einer zu stehen.
Es gibt keine Arena, es gibt nur unsere Welt.
Und die hat Gott geschaffen.
In dieser Welt ist Gott uns nahe, mit seinem Willen, dass gut ist und gut bleibt und gut werde, was er da in Gang gesetzt hat.
Und nichts, so Paulus, gar nichts kann uns in dieser Welt trennen von Gottes Liebe.
Wir leben wie Paulus mitten in dieser Welt.
Und auch wenn wir in einer Kirche Gottesdienst feiern,
so sind wir doch mit den ersten Christen auf dem Marktplatz, auf dem uns die ganze Welt sehen kann,
oder mit Ferdinand auf einer Wiese.
Alle sehen uns, wenn wir die Decke ausbreiten,
zusammenkommen um zu teilen,
vernünftig und heiter,
ein jeder mit dem, was er, was sie zu geben hat.
Um uns herum mögen andere uns anstacheln oder herausfordern oder schluchzen und weinen wie der Matador, der Ferdinand bittet, doch ein Gegner zu sein.
Wir müssen uns nicht darauf einlassen.
Gott traut uns zu, dass wir vernünftige Wesen sind, die besonnen bleiben und uns nicht ins Bockshorn und von der Wiese des gemeinschaftlichen Lebens vertreiben lassen.
Ferdinand, so das Ende der Geschichte, ist sehr glücklich.
Das dürfen wir auch sein.
Glücklich leben.
Sanft wie die Tauben und klug wie die Schlangen.
Wir sind nicht dumm, wir wissen genau, wie schwer sich alle, auch wir, immer wieder mit dem Weg unseres sanften Wegbereiters tun.
Aber Gott traut uns zu, dass wir uns selbst und die Wege prüfen, die sich uns anbieten.
Er traut uns zu, das Gute zu tun, vollkommen und ganz und gar genau das zu tun, was er sich für diese Welt und ihre Menschen wünscht.
Denn Gott sitzt mit uns auf der Wiese.
Die Sonne scheint.
Der Himmel ist weit.
Gott reicht uns eine Blume und sagt: Spürt doch, wie das Leben riecht.
Werdet glücklich.
Alle miteinander.
Amen.


Samstag, 19. Dezember 2015

Titus 3, Predigt zum 1. Weihnachtstsag 2015


Es ist hell geworden
Predigt am 1. Weihnachtstag zu Titus 3, 4-7

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt.

Es ist hell geworden.
Die Nacht ist vorbei.
Die Hirten sind zurückgekehrt.
Sie sitzen wieder bei ihren Schafen.
Die Freude klingt noch in ihnen nach.
Hell ist es in ihnen geworden.
Ein Junge kommt angelaufen.
Der Sohn eines Herdenbesitzers.
Er bringt etwas zu essen im Auftrag seines Vaters und schaut erstaunt in die leuchtenden Gesichter.
So kennt er sie nicht.
Härte kennt er von ihnen.
Bitterkeit.
Raues Lachen kennt er, wenn sie ihre Späße machen.
Wohl auch mal ein gutmütiges Klopfen auf die Schulter,
wenn ihnen der Inhalt des Korbes gefällt.
Aber dieses Lächeln, mit dem sie auf ihn schauen, ist ihm fast unangenehm.
So liebevoll, glücklich und offen hat er noch nie jemanden schauen sehen.
„Was ist los?“, fragt er.
„Setz dich“, antwortet einer der Hirten. „Lass dir erzählen.“
Er öffnet den Korb und teilt das Essen aus.
Auch der Junge kriegt etwas ab.

„Ich weiß nicht genau, was es war, das da über uns kam letzte Nacht“,
beginnt der Hirte mit bedächtiger Stimme und schluckt den ersten Bissen herunter.
„So oft habe ich in den Nächten auf dem Feld in den Himmel geschaut.
Sternenübersät.
Weite, die das Auge nicht fasst.
Und ich sah das Licht Gottes, das sich seit dem ersten Tag müht, zu uns zu kommen
und immer wieder Halt macht,
vor der Enge unseres Lebens,
vor Bosheit und Hass, voll Gewalt und Neid.
Und ich – wir - mitten drin, auch nicht besser als die anderen.“

Der Junge zieht die Augenbrauen hoch.
Das ist er von ihnen nicht gewöhnt.
Woher hat ein Hirte  solche Worte?
Aber sie rühren etwas an in ihm.
Die Skepsis weicht aus seinem Gesicht.
Etwas scheint passiert zu sein.
Er hört weiter zu.

„Und dann, plötzlich“, fährt der Hirte fort,
„war etwas Helles, Glitzerndes in der Luft.
Ein Lächeln am Himmel, das sich ausbreitete.
Ein warmer Regen von Freundlichkeit und Mitgefühl kam auf uns nieder
und die Wärme erfüllte uns ganz.
Gottes Worte drängten sich in unsere kleine Welt,
in Schafgeruch und kühlen Nachtnebel.
Friede auf Erden, sang es, Friede allen Menschen.
Töne von weit her, auf einmal so nah.
Engelsworte luden uns ein, von der Furcht zu lassen und Gottes Geschenk zu öffnen,
dort in der Krippe in Bethlehem.

Engel?, denkt der Junge erstaunt, ‚und Krippe?’
‚Richtig, es sind Leute gekommen.
Haben im Stall geschlafen.
Aber...’
Doch der Hirte redet schon weiter.

„Klänge  der Hoffnung lagen in der Luft.
Die  Netze der weglosen Wege zerrissen.
Wir standen auf.
Angezogen von Ihm. Gerufen. Geholt.
Wir konnten gar nicht anders als zu laufen, zu rennen.
Wir folgten der Lichtspur der hellen Worte bis in den Stall.
Wir sahen das Kind, gerade geboren.
Und wussten: Es stimmt, was wir da auf dem Feld hörten:
Friede, es darf wirklich Friede sein in aller Welt.
Gottes Ja erfüllte in unser Herz.
An den Hindernissen vorbei, durch unsere bitteren Erfahrungen hindurch und durch die Leere. Mitten ins Herz.
Wir verstanden: Gott hat einen großen Schritt gemacht, auf uns zu in dieser Nacht.
Uns hat er gemeint und alle anderen auch.
Sein Friede für alle, für alle Welt.
„Das geben wir weiter, versprachen wir uns.“
Und die anderen Hirten in der Runde nickten. „Wir geben es weiter, das Licht dieser Nacht.“
‚Ihr’, denkt der Junge, ‚ihr’?!
Sein Staunen muss ihm vom Gesicht abzulesen sein.
Denn einer der Hirten lächelt ihn an:
„Wir schaffen das“, sagt er. „Es ist hell geworden. Die Nacht ist vorbei.“

Alle schweigen.
Auch der Junge.
Es ist immer noch etwas in der Luft, das spürt er.
Etwas singt und breitet sich aus. Auch in ihm.
Irgendetwas Helles,  Freundliches, das ihn öffnet, für Gott und die Welt.
Worte hat er noch nicht dafür.
Vielleicht gibt es dafür auch keine Worte.
Aber es gibt Musik.

Orgelimprovisation (Hinweise für den Organisten): Z.B. Über „Brich an du schönes Morgenlicht“ (EG 33) oder „Der helle Morgenstern ist aufgedrungen“ (EG 69)  Wenn ich mir was wünschen darf: Eine Mischung von zart und gewaltig, so eine Mischung von Jauchzet, frohlocket und Bereite dich Zion, viel Dur...

Es ist hell geworden.
Die Nacht ist vorbei.
Das haben Menschen immer wieder erlebt, wenn sie Jesus begegnet sind.
Dieses Leuchten, diese Freundlichkeit haben sie erlebt,
wenn er redete, sie anrührte, lächelte.
Sie haben gespürt: Friede, es darf wirklich Friede sein in dieser Welt.
Von Gott her kommt dieser Friede auf uns zu – trotz aller
Bosheit und Gleichgültigkeit, trotz blindem Hass und Verblendung.
Wir schaffen das, sagen sie.
Wir werden getragen von der Liebe, die diesen Frieden wünscht, mehr als alles andere. Wir haben es mit Jesus erlebt.
Und das haben sie weiter gegeben.
Und immer neue Geschichten und Worte dafür gefunden.
Wie zum Beispiel die Worte, die einer im Titusbrief gefunden hat, im 3. Kapitel.

Lesung: Titus 3, 4-7

„Als aber erschien die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, hat er uns aus der Verstrickung (in Bosheit und Hass und Neid, (V 3)) gerettet, nicht, weil wir gerechte Taten vollbracht hätten, sondern allein, weil Gott Mitgefühl und Erbarmen mit uns hatte.
So hat uns Gott gerettet durch das Bad der Wiedergeburt, erneuert durch die Heilige Geistkraft.
Diese hat Gott reichlich über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unsern Retter, damit wir, durch dieses Geschenk gerecht geworden, und das ewige Leben erben, das wir erhoffen.“

Es ist hell geworden.
Die Nacht ist vorbei.
Reichlich ausgegossen wurde Gottes Geist.
Reichlich ausgegossen in unsere Herzen.
Und wir dürfen baden in seiner Menschfreundlichkeit.
Und hoffen, dass das Mitgefühl, das Gott mit jedem von uns hat, Kreise zieht.
Auch durch uns.

Wir haben gefeiert letzte Nacht.
Haben gesungen und gegessen,
haben Freude getauscht,
die Freude ein Geschenk zu machen und die Freude, von anderen bedacht zu werden, zu spüren, dass wir füreinander ein Geschenk sind.
Weihnachten,
eine Zeit, in der es so schön ist, wenn Freundlichkeit Raum hat.
Und so schmerzhaft, wenn das nicht gelingt
und Hass und Gewalt weiter gehen.
Schmerzhaft, wenn Missstimmung die Freude trübt.

Aber wir erleben auch das Neue, Helle.
Wir erleben, wie weit der Raum wird, wenn wir offen und freundlich sind.
Grenzen gehen auf, weil Menschen in größter Not vor den Grenzen stehen.
Wir beginnen, nicht Menschenmassen zu sehen, sondern Mensch für Mensch. Jede Frau, jeder Mann und jedes Kind ist ein Mensch, den Gott meint und liebt. Mindestens dies ist möglich.
Vom Krieg und Terror gehetzte Menschen wurden willkommen geheißen.
Das war noch keine geordnete Lösung.
Aber es war ein warmes Bad in der Freundlichkeit.
Ich meinte, dahinter und darin immer wieder Gott sehen zu können, wie er mit großen Schritten und einem liebevollen Lächeln auf uns zugeht.
Welche Freude, welches Geschenk auch für uns, dieses Bad in der Freundlichkeit!

Gott geht mit großen Schritten und einem liebevollen Lächeln auf uns zu.
Und immer wieder lassen Menschen sich von der Menschenfreundlichkeit Gottes einladen und gehen selber den nächsten Schritt.
Und spüren, das ist meine Rettung, das ist unsere Rettung, wenn wir der Freundlichkeit nachgeben.
Denn das ist es, was am Ende zählen wird, Güte und Freundlichkeit.

Menschen gehen den nächsten Schritt.
Hirten sitzen da mit erleuchteten Gesichtern.
Worte, die man von ihnen noch nicht gehört hat, kommen aus ihrem Mund.
Ein anderer verlässt seinen Lehrstuhl, weil er sich von Christus nach Afrika gerufen fühlt. Sein Hospital in Lambarene gibt es noch immer. Mehr als 100 Jahre ist es hier. Ein helles Lebenszeichen von Bethlehem her.
Eine kommt in ihrer Freizeit wochenlang in die Olympiahallen und empfängt die, die so lange auf der Flucht waren, gibt Essen, Kleidung und ein Lächeln aus.
Vielleicht können nicht alle bleiben; aber das spielt jetzt keine Rolle.
Denn für Nächstenliebe gibt es keine Grenze, erst recht keine Obergrenze.
Und keine Tat der Liebe ist vergeblich.

Sie oder er hat ein gutes Herz, sagen wir manchmal.
Und dürfen das selber sein.
Menschen mit einem guten Herzen.
Gott hat all seine Güte in unser Herz gelegt.
Jesus hat uns für diese Güte geöffnet,
dass wir nicht bei uns selber stehen bleiben, sondern mit offenen Händen austeilen,
austeilen dürfen,
ohne Ende.

Die Nacht ist vorbei.
Es ist hell geworden.
Es darf Friede sein.
Die helle Musik dieser hoffnungsvollen Nacht zieht uns weiter
Hilft uns auf die Beine wie den Hirten auf dem Feld.
Sein Friede zieht Kreise.
Beschenkt gehen wir weiter.
Ziehen unsere Kreise. Seine Kreise.
Güte und Menschenfreundlichkeit tragen wir in uns,
geben wir weiter.
Die Nacht ist vorbei.
Es ist hell geworden.
Immer noch:
Etwas Glitzerndes ist in der Luft.
Gottes Lächeln, das sich ausbreitet.
In uns.
Amen.

Lied: Sing jubilate 4 Gott aus Gott und Licht aus Licht (nicht zu schnell, damit die Leute mitkommen)